Der frühere CDU-Generalsekretär und heutige Verteidigungsstaatssekretär Peter Tauber (46) gibt auch sein Mandat im hiesigen Bundestagswahlkreis 175 ab.
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Der frühere CDU-Generalsekretär und heutige Verteidigungsstaatssekretär Peter Tauber (46) gibt auch sein Mandat im hiesigen Bundestagswahlkreis 175 ab.

Großes Interview

Peter Tauber nach Rückzug aus der Politik: „Werde nie für Rüstungsfirma arbeiten“

  • Hanns-Georg Szczepanek
    vonHanns-Georg Szczepanek
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Als Angela Merkel ihren hessischen Fraktionskollegen Dr. Peter Tauber 2013 zum Generalsekretär der CDU Deutschlands berief, war der hiesige Wahlkreisabgeordnete in der Politik weit oben angekommen. Doch der Knochenjob in Berlin forderte gesundheitlich Tribut. Tauber trat 2018 zurück und wechselte als Staatssekretär in den Bendlerblock. Doch auch diese Aufgabe ist zeitraubend und stressig. Kürzlich hat Tauber seinen Rückzug aus der Bundespolitik verkündet. Ein erstes Gespräch „danach“.

Herr Tauber, Sie politische Opponenten ebenso wie viele politische Freunde mit Ihrer Ankündigung überrascht, sich aus der Bundespolitik nächstes Jahr zurückziehen zu wollen. Wann haben Sie sich dazu entschlossen?
Schon länger. Das war keine Entscheidung der letzten Wochen.
Was war für diesen Entschluss ausschlaggebend?
Es gibt mehrere Gründe. Zum einen habe ich mich gefragt, ob ich in meinem beruflichen Leben noch was anderes machen möchte als Politik. Das habe ich für mich bejaht. Zum anderen ist es ja kein Geheimnis, dass ich gern in unserer Region und zu Hause in Gelnhausen bin. Es ist also auch eine Entscheidung für die Heimat und gegen Berlin als Arbeitsplatz. Und drittens hat es noch familiäre und gesundheitliche Gründe. Ich bin zwar nicht krank, aber ich bin auch nicht richtig gesund. Ich habe häufig kleinere gesundheitliche Probleme und die sind in der Summe ein Signal, das ich jetzt nicht mehr übergehen will.
Sind diese Probleme noch Nachwirkungen der akuten Darmerkrankung, die Sie Ende 2017 ins Krankenhaus und in der Folge zu einer Operation zwang?
Nein, es sind eher erneut die Folgen von zu viel Arbeit und Stress.

Lesen Sie hier: Peter Tauber (CDU) hört auf - „In der Partei geht das Kribbeln los“.

Abschied von der Bundespolitik heißt ja nicht Abschied von jeglicher Politik. Sie stehen auf dem CDU-Wahlvorschlag zur Kreistagswahl 2021. Bleiben Sie also der Politik im Main-Kinzig-Kreis erhalten?
Genau. Ich mache das im Prinzip wie früher auch, mache dann also noch ehrenamtlich Politik.
Dies wäre auch auf Landesebene in Hessen möglich …
Nein, auf keinen Fall. Es wird ja bereits über ein Comeback spekuliert. Dazu kann ich nur sagen: Nein, es wird kein Comeback geben. Ich bleibe ein einfaches Mitglied der CDU. Wenn ich irgendwohin als Redner eingeladen werde, etwa zu einem Neujahrsempfang oder zu einem Diskussionsabend, dann gehe ich dahin, wo es mir Spaß macht. Aber es bleibt dann ehrenamtlich, gewissermaßen als Hobby.
Ihr Entschluss ist also endgültig?
Ja. Das war ein toller Lebensabschnitt, verbunden mit vielen Erfahrungen und beeindruckenden Begegnungen, aber der ist nun eben auch zu Ende.
Gehört zu den familiären Gründen eventuell auch, dass Sie eine eigene Familie haben wollen?
Mir ist Familie wichtig. Das gilt für jene, in die ich hineingeboren wurde, als auch für jene, die ich gerne noch hätte. Allerdings ist Familie in erster Linie Privatsache.
Gibt es auch einen politischen Grund für Ihren Rückzug?
Nein, überhaupt nicht. Ich finde, die CDU macht ihre Arbeit derzeit hervorragend und Angela Merkel als Kanzlerin ist ein Segen für dieses Land.
Die Wahlperiode endet nach der Bundestagswahl im Herbst kommenden Jahres. Werden Sie Ihr Mandat im Bundestag und den Posten im Verteidigungsministerium bis dahin wahrnehmen oder schon vorher ausscheiden?
Mit solchen Festlegungen muss man vorsichtig sein, das lehrt mich auch eine politische Erfahrung.
Das hängt wohl auch von dem ab, was Sie künftig beruflich tun werden?
Zum einen weiß ich das noch gar nicht genau, zum anderen hängt es auch von meiner persönlichen Situation ab.
Gibt es einen bestimmten Berufswunsch oder eine Wunschtätigkeit?
Da gibt es ein paar tolle Ideen, sodass ich mich noch nicht festlege. Es gibt aber eine Sache, die ich ausschließen kann: Ich werde niemals für ein Rüstungsunternehmen arbeiten. Ich kann aber nicht verhehlen, dass ich eine gewisse Begeisterung für das akademische Umfeld habe. Deshalb ist es kein Geheimnis, dass ich als promovierter Historiker durchaus überlege, mich nochmal zu habilitieren (Die Lehrberechtigung an einer Hochschule erwerben; Anmerkung der Redaktion).
Dass könnte man natürlich auch an einer Universität der Bundeswehr tun, der Sie ja nahestehen ...
Sicher. Weil die Bundeswehr-Universitäten herausragende Stätten der Wissenschaft sind, wäre das natürlich eine besondere Ehre, aber da gibt es keine Zwangsläufigkeit.
Sie haben im Zuge der Ankündigung Ihres Rückzugs angeboten, auch im bevorstehenden Kommunalwahlkampf in Hessen die CDU zu unterstützen. Wo wollen Sie dabei wie mithelfen?
Ich mache Wahlkampf wie alle anderen auch: Jemand muss ja die Plakate aufhängen und Flugblätter verteilen. Ansonsten wird das Ganze noch besonders spannend, nämlich wie wir in Corona-Zeiten überhaupt Wahlkampf machen können. Ich helfe also da mit, wo mich meine Partei und vor allem mein CDU-Stadtverband in Gelnhausen braucht.
Sie bleiben zweifellos weiterhin bundespolitisch interessiert. Wen sehen als neuen CDU-Vorsitzenden?
Tja, das weiß ich nicht genau.
Sie wünschen sich wahrscheinlich Herrn Laschet, nicht wahr?
Das wird jetzt nicht verwundern, wenn ich für Armin Laschet eine gewisse Sympathie hege. Aber ich habe sehr wohl wahrgenommen, was sich die CDU-Basis im Main-Kinzig-Kreis wünscht (eine Tendenz zu Friedrich Merz; Anmerkung der Redaktion) und das werde ich noch miteinander abwägen.
Wer auch immer CDU-Chef wird: Ist dieser dann auch der künftige Kanzlerkandidat und CSU-Chef Markus Söder aus dem Spiel?
Nein, gar nicht. Für einen Kanzlerkandidaten Markus Söder gibt es auch in der CDU durchaus Sympathien.
Eine Koalition aus Union und SPD aus heutiger Sicht im Herbst 2021 wohl nicht mehr regieren. Gehen Sie von einem schwarz-grünen Bündnis aus?
Ich finde, Schwarz-Grün klappt in Hessen ganz gut, warum soll das für Berlin schlecht sein

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