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Polizist Ralph Braun will Bürgermeister in Steinau werden

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Steinau - Bislang gab es nur Mutmaßungen, wer sich um das Amt des Bürgermeisters in Steinau bewerben könnte. Jetzt wagt sich der erste Kandidat aus der Deckung: Ralph Braun hat gegenüber den Kinzigtal Nachrichten erklärt, sich am 26. April um das höchste Amt in der Stadt beim Wähler bewerben zu wollen.

Von Ulrich Schwind

Braun ist parteilos und wird von keiner politischen Gruppierung vorgeschlagen und unterstützt. Er wagt von sich aus den Schritt, um die Wählergunst zu buhlen. Natürlich hat er im Vorfeld viele Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern geführt, die ihn ermuntert haben, zu kandidieren und ihm ihre Unterstützung anbieten. Gestern hat sich Braun, der im Stadtteil Ulmbach wohnt, die Bewerbungsunterlagen im Rathaus abgeholt und will nun in den nächsten Tagen die benötigten gut 60 Unterschriften von Unterstützern einsammeln. Er geht aber fest davon aus, ohne große Anstrengungen mindestens 100 zu bekommen.

Vielen Menschen in der Grimm-Stadt dürfte der 46-Jährige von seinem ehrenamtlichen Engagement bekannt sein. So ist er im neunten Jahr Vorsitzender der SG 1927 Marborn und bereits seit 1991 dort im geschäftsführenden Vorstand. Zwar hat er selbst nur sporadisch in der Jugend und bei den Alten Herren gespielt, doch das Thema Fußball bestimmt sein Leben. Außerdem war er sechs Jahre Jugendtrainer bei der SG Ulmbach sowie mehrere Jahre im Schul-Elternbeirat, darunter acht Jahre als Vorsitzender an der Ulmbacher Bilzberg-Schule. Früher wirkte er zudem aktiv im Männergesangverein sowie der Freiwilligen Feuerwehr Marborn mit.

Von der Sondereinheit zum taktischen Polizeisprecher

Sein Geld verdient der Ulmbacher bei der Polizei. Der Oberkommissar ist im Schichtdienst der Station Schlüchtern tätig. Im Jahr 1991 war er zur Polizei gegangen, hatte die Ausbildung in Kassel und Wiesbaden absolviert. Nach einer Tätigkeit in einer Sondereinheit versah er seinen Dienst in Groß-Gerau, bei der Autobahn-Station Neu-Isenburg, in Hanau-Stadt und -Land sowie in Gelnhausen. Im sechsten Jahr ist er nun Teil der Mannschaft in Schlüchtern.

Während seiner Tätigkeit war er bereits in Nidderau „Schutzmann vor Ort“ und beim Thema Gewaltprävention in verschiedenen Schulen eingesetzt. Derzeit wird er gelegentlich vom Polizeipräsidium Südosthessen als „taktischer Polizeisprecher“ zu Großveranstaltungen wie Demonstrationen oder Fußballspielen abgeordnet.

Der gebürtige Frankfurter zog als 13-Jähriger 1985 mit seinen Eltern nach Marborn. Seit 1997 lebt er in Ulmbach, wo seine Ehefrau herstammt. Sie haben einen 19-jährigen Sohn sowie eine 16-jährige Tochter. Weitere Hobbys sind Bewegung im Fitnessstudio, Ahnenforschung und Lesen.

Zukunft aktiv mitgestalten

Die Idee, das Bürgermeisteramt anzustreben, kam ihm schon vor etwa 15 Jahren. Doch erst jüngst konkretisierte sich der Plan. So wurde er beispielsweise beim jüngsten Katharinenmarkt von zwei heimischen Alt-Politikern ermuntert, für das Amt zu kandidieren. Zahlreiche positive Stimmen aus seinem direkten Umfeld beflügelten ihn weiter. Mit 46 Jahren fühlt er sich im richtigen Alter, noch einmal einen beruflichen Umschwung zu wagen. Als ihm vor wenigen Tagen die eigene Familie Grünes Licht gab, war seine Entscheidung klar. Und schließlich, so verweist er, gibt es schon mehrere ehemalige Polizeibeamte, die heute im Main-Kinzig-Kreis auf einem Bürgermeister-Stuhl sitzen.

„Ich will mit Steinau etwas erreichen, die Stadt ohne Querelen nach vorne bringen“, umreißt Braun seine politische Marschrichtung. Dabei komme ihm seine Unabhängigkeit zugute. So könne er als „kommunikatives Bindeglied“ zwischen den Fraktionen fungieren. Es sei einen Versuch wert, die Zukunft der Stadt aktiv mitzugestalten. Dabei wolle er vor allem ein offenes Ohr für die Bürger haben und die eine oder andere Wunde aus der Vergangenheit heilen.

Vom Container ins Rathaus

Nächster großer Schritt im sei das Verfassen eines Programms mit politischen Zielen. Während seines Wahlkampfes will er – mit Hilfe seiner Tochter – speziell junge Menschen per Social-Media-Foren ansprechen und ein Wahlkampf-Team um sich formieren. Vielleicht klappt es dann mit dem Wahlsieg – oder wie er es formuliert mit dem Sprung „vom Container ins Rathaus“. Hintergrund: Derzeit ist er mit seinen Kollegen der Schlüchterner Polizeistation wegen Baumaßnahmen im Hauptgebäude behelfsmäßig in mehreren Containern untergebracht.

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