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Praxisnachfolge als zentrales Problem im Vogelsberg

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Von: Redaktion Fuldaer Zeitung

Region - Die Versorgung durch Hausärzte im Vogelsbergkreis ist nach neuesten Zahlen des Regionalen Gesundheitreports des Landes und der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) „gut bis sehr gut“. Doch in sechs Jahren kann dies schon ganz anders aussehen: Denn es werden dringend Nachfolger für die Praxen gesucht.

In fast jeder der 19 Vogelsberg-Kommunen ist mindestens ein Hausarzt niedergelassen. Mit 8,12 Kilometern haben die Vogelsberger einen langen Weg bis zur nächsten Praxis – der hessische Durchschnitt liegt zum Vergleich bei 5,1 Kilometern. 72 Hausärzte verteilen sich dort auf 48 Standorte. Allerdings zeichnet sich ab, dass künftig ein deutlicher Mangel an Hausärzten besteht.

Eine Altersgrenze, zu der die Mediziner ihre Kassenzulassung zurückgeben müssen, gibt es nicht mehr. Angenommen, sie würden mit 65 Jahren in Rente gehen wollen, müssten im Jahr 2015 bereits 21 Hausärzte einen Nachfolger suchen. 2017 sind es dann schon 25 Mediziner, 2020 sogar 35 – also knapp die Hälfte aller Hausärzte im Kreis. Somit liegt der Bedarf an jungen Medizinern dort über dem Hessendurchschnitt von 40 Prozent. Und dies, obwohl die Zahl der Hausarztbesuche in den nächsten Jahren voraussichtlich sinken wird. Das liegt vor allem an der Zahl der Einwohner. 2020 sollen im Vogelsbergkreis 9649 Menschen weniger leben – insgesamt also circa 123 000. Im Jahr 2011 waren 132 000 Einwohner registriert.

Die Zahl der Hausarztbesuche lag vor drei Jahren noch bei 1,09 Millionen, 2020 sollen es nur noch 1,08 Millionen sein. Das sind in etwa 15 000 Besuche weniger. Trotz der sinkenden Einwohnerzahl werden Arztbesuche altersbedingt wohl häufiger anfallen.

Die meisten der 72 zugelassenen Hausärzte im Vogelsbergkreis – 29 Mediziner – sind zwischen 50 und 59 Jahren alt; mehr als ein Drittel der Hausärzte ist schon über 60 Jahre alt. Dagegen gibt es nur zwei junge Ärzte (30 bis 39 Jahre) – und somit kaum künftige Nachfolger. Das zeigt laut KVH, dass Medizin-Absolventen für die hausärztliche Versorgung im ländlichen Bereich gewonnen werden müssen. Bereits jetzt sei der Anteil der über 55-jährigen Hausärzte im Raum Alsfeld/Lauterbach bei mehr als 50 Prozent. Daher müsste spätestens in zehn Jahren die Hälfte der praktizierenden Ärzte einen Nachfolger haben, um das derzeit noch gute Versorgungsniveau zu halten.

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