In der Brüder-Grimm-Straße 34 in Steinau ist gar ein kleines Wunder geschehen, wenn man das Haus Nummer 34 vorher und nachher betrachtet.
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In der Brüder-Grimm-Straße 34 in Steinau ist gar ein kleines Wunder geschehen, wenn man das Haus Nummer 34 vorher und nachher betrachtet.

Vorher-Nachher-Vergleich

Privatleute bauen Ruppert-Fachwerkhaus in der Innenstadt von Steinau mit viel Liebe um

Nach fünfeinhalb Monaten Bauzeit erstrahlt das ehemalige Geschäftshaus der Familie Ruppert in der Brüder-Grimm-Straße 34 in Steinau an der Straße in wahrhaft neuem Glanz. Eine große Gästeschar nahm das Ergebnis nun in Augenschein.

Von Barbara Kruse

Steinau - Für Arnold Lifka, den kommissarischen Bürgermeister der Stadt, ist das zum Fachwerkhaus umgestaltete ehemalige Geschäftshaus „ein Leuchtturm für Steinau“. Er hofft, dass künftig junge Familien die Altstadt beleben. Die städtischen Gremien müssten dafür den politischen Rahmen vorgeben und weitere Privatleute sich engagieren. Er überreichte einen historischen Stadtplan an das Ehepaar Rosemarie Erbert-Müller und Heinz Becker.

Mit jedem Quadratmeter des Hauses Nummer 34 verbindet Axel Ruppert Kindheitserinnerungen. Jetzt gratulierte er Heinz Becker zu dessen genialen Ideen für die Raumaufteilung. Die „Räumlichkeiten mit kleinen Unzulänglichkeiten“ habe dieser mit findigen Lösungen in zwei wunderschöne, schnuckelige Maisonett-Wohnungen verwandelt.

Alte Balken aus dem Internet

Wahrscheinlich hatte bereits im 17. Jahrhundert ein eineinhalb-geschossiges Fahrwerkhaus an dieser Stelle gestanden. Das war wohl um 1900 aufgestockt und mit einem kleinen Schaufenster im Erdgeschoss versehen worden. Das Fachwerk wurde verputzt und mit dem Abriss des Hauses 1968 ganz entsorgt.

Doch auch das jetzige Fachwerk besteht aus alten Balken, die Heinz Becker im Internet entdeckte. Diese seien zwischen 200 und 250 Jahre alt. Etwas ganz besonderes sind die beiden Türen an der Front. Diese Zwillingstüren sind identisch und um die 300 Jahre alt. Die Farbgebung ist den historischen Farben Stierblut und Taubenblau nachempfunden.

Moderne Materialien in altem Stil

Ansonsten ist das Fachwerkhaus mit modernen Materialien im alten Stil errichtet worden. Um im Innern zwei Wohnungen zu integrieren, wurde die Treppe neu geführt und weiter oben auf die vorhandene alte Treppe aufgesetzt.

Bereits 1952 hatte der Stadt Steinau einmal ein Bauantrag zur „Sanierung Fachwerkhaus Ruppert“ vorgelegen. Die Pläne zeigen ein aufwändig gestaltetes Fachwerk, das allerdings nie ausgeführt worden ist. Im ersten Stock des Geschäftshauses waren ab Mitte der 50er Jahre Schuhschleifmaschinen untergebracht. Deshalb sind die Decken noch heute sehr stabil mit Doppel-T-Trägern verstärkt.

Der ehemalige Besitzer Axel Ruppert dankte Rosemarie Erbert-Müller auch für die tatkräftige Unterstützung, als es darum ging, den Mieter, der das Haus aus einem Antikladen in einen Trödelladen und später in ein wahres „Messie- Paradies“ verwandelt habe, zum Auszug zu bewegen.

Sanierung des ehemaligen Privatmuseums Zimmer

Für den Abtransport des Schutts aus dem Gebäude brauchte Heinz Becker sechs Großcontainer und acht große Anhänger sowie den Einsatz von vier Arbeitern über dreieinhalb Arbeitstage. Die konnten die Arbeit lediglich mit Atemschutzmasken bewerkstelligen.

„Wir haben ein sehr gutes Verhältnis, und ich freue mich wirklich sehr, was sie aus dem Haus gemacht haben, in dem ich groß geworden bin“, lobte Axel Ruppert. Für Rosemarie Erbert-Müller „ist es eine große Ehre, in dieser schlimmen Zeit einen Höhepunkt zu setzen“. Sie hätten viel Liebe in das Projekt investiert und dafür alle Sparschweine geöffnet. 

„Wir wollen nicht aufhören“, rief Becker der großen Gästeschar zu. Bereits begonnen ist die Sanierung des ehemaligen Privatmuseums Zimmer, in dem Schwamm und Holzwürmer den Kampf bereits verloren haben. „Die nächste Feier ist schon notiert“, das werde die 500-Jahr-Feier des ehemaligen Zimmerhauses, freut sich Rosemarie Erbert-Müller.

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