Ein Mann hält ein Smartphone in der Hand.
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Der Mann soll in mehreren Chatgruppen aktiv gewesen sein. (Symbolfoto)

29-Jähriger vor Gericht

Perfide Masche: Mann aus Hanau erschleicht sich im Internet Vertrauen von Minderjährigen

Cyber Grooming nennt man die perfide Masche, mit der ein heute 29-jähriger Hanauer minderjährige Mädchen dazu gebracht haben soll, sich in sexuellen Posen zu fotografieren. Um sich das Vertrauen seiner Opfer zu erschleichen, soll er sich auf Messenger-Diensten als Jugendlicher ausgegeben haben.

  • Der Mann muss sich unter anderem wegen des Missbrauchs von Kindern in 16 Fällen verantworten.
  • Beim Prozessauftakt am Landgericht in Hanau räumte er die Vorwürfe weitgehend ein.
  • Mindestens fünf Mädchen, allesamt zwischen zwölf und 14 Jahre alt, soll er über Chatgruppen angesprochen haben.

Hanau - Jetzt muss sich der Mann vor dem Landgericht in Hanau unter anderem wegen des Missbrauchs von Kindern in 16 Fällen verantworten. Beim Prozessauftakt räumte er am Montag die Vorwürfe weitgehend ein.

Auf die geplante Vernehmung erster Zeugen verzichtete die Vorsitzende Richterin Coretta Oberländer. Zu umfangreich war die Einführung des Beweismaterials, darunter Bilder und Videos des Angeklagten und minderjähriger Mädchen, die das erträgliche Maß bei Weitem überschritten.

Insgesamt muss sich Hanauer wegen 29 Vorwürfen verantworten. Zu den 16 Fällen sexuellen Missbrauchs von Kindern kommen weitere Delikte, darunter Beschaffung, Besitz und Verbreitung einschlägiger Schriften.

Bei einer Hausdurchsuchung hatten die Ermittler allein 4853 Bilder entdeckt, dazu entsprechende Videos.

Prozess in Hanau: Angeklagter gab sich als 13-jährige Olivia aus

Wie genau er in den Besitz der Aufnahmen gelangt war, konnte der Beschuldigte nur unzureichend begründen. Messenger-Dienste wie Instagram und WhatsApp spielen in dem Verfahren aber eine große Rolle.

Mindestens fünf Mädchen, allesamt zwischen zwölf und 14 Jahre alt, soll er über Chatgruppen angesprochen und dazu gebracht haben, ihm Aufnahmen von sich bei sexuellen Handlungen zu schicken. Die frühesten Delikte sollen sich 2015 ereignet haben.

Mit einem gefälschten Profil, so gestand der Beschuldigte, habe er sich seinerzeit als die 13-jährige Olivia ausgegeben und den Kontakt zu einer Zwölfjährigen aus Berlin gesucht. Im Chat gab der damals 25-jährige Hanauer vor, lesbisch zu sein und schickte seinem Opfer Bilder eines bislang unbekannten Mädchens, die dieses teils bei Handlungen mit einem weiteren Kind zeigten.

Hierdurch schickte ihm die Zwölfjährige zahlreiche Aufnahmen von sich, in denen sie auch konkreten Wünschen des Angeklagten nachkam. Was er mit den Bildern gemacht hat, ließ der Beschuldigte im Dunkeln. Zugleich gab er zu, die Aufnahmen auch zur eigenen Stimulation benutzt zu haben.

Partnerin erwartete Kind von ihm

Beim Kontakt mit einer 14-Jährigen gab er nicht vor, ein Mädchen zu sein, sondern schickte seinem Opfer Bilder und Videos, die ihn bei sexuellen Handlungen zeigten. Mit dem Sammeln von einschlägigen Bildern will er 2014 begonnen haben. Damals befand sich der Hanauer in einer festen Beziehung zu einer vier Jahre jüngeren Frau, die ein Kind von ihm erwartete.

Nach der Geburt der Tochter soll seine Partnerin mehrmals fremdgegangen sein – offenbar eine Demütigung für den Angeklagten, der laut Verteidiger unter der dominanten Partnerin gelitten habe. In der Folge soll es immer öfter zu Streit und Gewalt gekommen sein.

Vater einer Zwölfjährigen schaltet Polizei ein

2015 zeigte ihn die Frau wegen Körperverletzung an; und weil er sich ihrer damals neunjährigen Schwester genähert habe. Letzteres bestreitet der Angeklagte.

In U-Haft brachte ihn 2020 eine Beziehung zu einer Zwölfjährigen aus Wiesbaden, die er im Januar 2019 kennengelernt hatte. Anders als in den früheren Fällen soll sich der Hanauer mindestens drei Mal mit dem Mädchen in Wiesbaden getroffen haben.

Dabei hätten sie sich geküsst, gab der Beschuldigte an. Zum Geschlechtsverkehr sei es nicht gekommen. Der Vater der Zwölfjährigen verständigte die Polizei.

Die Verhandlung wird am 24. Juni fortgesetzt.

mab

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