Symbolfoto: bgton/stock.adobe.com

Prozess um waghalsige Verfolgungsfahrt: 20-Jähriger beteuert Unschuld

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

Schlüchtern - Eine abendliche Verfolgungsfahrt von der Schlüchterner Innenstadt bis in den Stadtteil Wallroth wirft die Staatsanwaltschaft Hanau einem 20-Jährigen vor. Er soll auch wenige Tage zuvor vor einer Polizeikontrolle geflüchtet sein. Trotz der Anhörung von fünf Zeugen kam das Gericht zunächst zu keinem Ergebnis, sondern vertagte die Verhandlung.

Laut der Anklagebehörde soll der 20-Jährige aus Schlüchtern mit seinem BMW am 17. Februar dieses Jahres um 22.30 Uhr in der Straße „In den Sauren Wiesen“ unterwegs gewesen sein. Kurz vor dem Abbiegen in die „Alte Bahnhofstraße“ soll er demnach von der Fahrbahn abgekommen und über den rechten Bordstein gefahren sein. Das beobachtete eine Polizeistreife, die den jungen Mann kontrollieren wollte. Der Beschuldigte fuhr jedoch davon. Erst im Bereich „Spenglersruh“ konnte er von den Beamten zur Rede gestellt werden.

Frontal auf Rivalen zugefahren

Nur gut zwei Wochen später soll der 20-Jährige erneut im Straßenverkehr aufgefallen sein. Als er mit seinem Auto die Obertorstraße befuhr, begegnete er einem Gleichaltrigen aus einem Schlüchterner Stadtteil, mit dem er zuletzt „Stress“ hatte.

Laut Anklage folgte er dem Widersacher erst durch verschiedene Straßen in der Innenstadt, anschließend auf der Landstraße in Richtung Wallroth. Dabei soll er Schlangenlinien und links auf der Gegenfahrbahn versetzt gefahren sein. Mehrmals sei es fast zu einer Kollision zwischen den Fahrzeugen gekommen. Kurz vor dem Ortsausgang habe der 20-Jährige gewendet, die Fahrspur gewechselt und auf den anderen zugehalten. Erst kurz vor einem möglichen Zusammenprall habe er wieder nach rechts gewechselt.

Drogen im Blut gefunden

In beiden Fällen wurden im Blut des 20-Jährigen Drogenrückstände gefunden. Der Beschuldigte räumte ein, gut fünf Stunden vor dem ersten Zwischenfall einen Joint geraucht zu haben. Ein Gutachter sprach in diesem Fall von einem hohen Wert, der auf einen zeitnahen Konsum hindeute. Auch sei von einer hohen Cannabis-Gewöhnung auszugehen. Eine Aufmerksamkeitsstörung im Straßenverkehr durch den Drogenkonsum könne nicht ausgeschlossen werden.

Der Angeklagte bestritt alle Vorwürfe. Er sei nicht vor der Polizei geflohen. Auch von einer Verfolgungsfahrt nach Wallroth wisse er nichts. Er räumte allerdings ein, dem Kontrahenten auf dem Weg nach Wallroth begegnet zu sein. Bei beiden Herren saßen jeweils deren Freundinnen in den Fahrzeugen. Sie bestätigten die jeweilige Version ihres Partners, die entsprechend gegenteilig waren.

30 Verfahren seit dem 14. Lebensjahr

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hielt dem Angeklagten seine prekäre Lage vor Augen. Schon rund 30 Strafverfahren seien seit seinem 14. Lebensjahr bei der Justiz aktenkundig. Die vorgeworfenen Taten seien während laufender Bewährung geschehen. Bei einem Geständnis bot er ihm eine milde Strafe mit Freizeitarrest an. Ansonsten drohe eine Haftstrafe. Trotz Sitzungsunterbrechungen blieb der Angeklagte dabei: Er sei unschuldig.

Sein Pflichtverteidiger stellte schließlich einen Beweisantrag, wonach ein Gutachter feststellen solle, ob er mit den „In den Sauren Wiesen“ gefahrenen 60 Stundenkilometern ohne Schaden an seinem Fahrzeug über den Bordstein fahren konnte. Richter Christian Scheuermann vertagte schließlich, um weitere Zeugen – zwei Polizeibeamte – zu hören. / ls

Das könnte Sie auch interessieren