Archivfoto: Christine Winkler

Prozessauftakt gegen mutmaßliche Brandstifterin: Zwei Einkaufsmärkte angezündet?

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlüchtern/Hanau - Vor dem Landgericht Hanau hat am Montag der Prozess gegen eine inzwischen 45-jährige Schlüchternerin begonnen, die mit den Bränden der Einkaufsmärkte der Firmen Norma und Jawoll im August 2018 in Schlüchtern in Zusammenhang gebracht wird.

Angeklagte gilt als geistig minderbemittelt

In beiden Fällen geht die Anklagebehörde davon aus, dass sich die damals 44-Jährige im Zustand verminderter Schuldfähigkeit befand. Denn die Angeschuldigte lebt seit ihrem neunten Lebensjahr im Haushalt ihres Betreuers. Die Frau gilt infolge einer erblichen Belastung und eines frühkindlichen Hirnschadens als geistig minderbemittelt. Ein Sachverständiger hat suchtähnlichen Alkoholismus festgestellt.

In dem auf mehrere Verhandlungstage angelegten Prozess sollen drei Sachverständige sowie neun Zeugen angehört werden. Zwar ist die Schlüchternerin strafrechtlich bislang nicht in Erscheinung getreten, allerdings besteht nach Einschätzung des Gutachters die Gefahr, dass es zu weiteren vergleichbaren Taten kommen könnte.

Zeugin erkannte Frau mit Trikot

Der Tatverdacht war den Angaben zufolge auf die Beschuldigte gefallen, weil sie sich zur jeweiligen Zeit der Brandlegung nach Zeugenaussagen an beiden Orten aufgehalten habe. Außerdem seien mit ihrem Mobiltelefon Aufnahmen von den Bränden gemacht worden. Eine Zeugin erinnerte sich an eine Frau mit einem Trikot, das eine „13“ zeige. Ein solches Trikot sei dann bei einer Hausdurchsuchung wenige Tage nach den Bränden gefunden worden.

Verteidigung streut Zweifel

Gegenüber der Polizei habe die Angeklagte eingeräumt, die Brände gelegt zu haben. An der Glaubwürdigkeit dieser Aussage setzte die Verteidigung zum Prozessauftakt in einer Art Eröffnungsplädoyer an. Sie streute mit Blick auf einzelne Handlungsabläufe, die vor den Brandstiftungen haben stattfinden müssen, grundlegende Zweifel, ob ihre Mandantin überhaupt in der Lage gewesen sei, die ihr vorgeworfenen Taten zu verüben – unter anderem wegen ihres Alkoholkonsums.

Der als Zeuge vernommene Betreuer geht nicht davon aus, dass sein Schützling als Täterin infrage kommt. Laut Richterin Susanne Wetzel sei unter anderem zu klären, ob das – später widerrufene – Geständnis aus eigenem Erleben oder womöglich aus Suggestion und Hörensagen entstanden ist. Der Prozess wird heute fortgesetzt. / hgs

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