Obwohl manche von ihnen putzig aussehen: Ratten sind eine echte Plage. Das erfahren Anwohner in Schlüchtern aktuell am eigenen Leib. (Symbolfoto)
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Obwohl manche von ihnen putzig aussehen: Ratten sind eine echte Plage. Das erfahren Anwohner in Schlüchtern aktuell am eigenen Leib. (Symbolfoto)

Sorge bei den Anwohnern

Rattenplage in Schlüchtern - Tiere strömen nach Kanalarbeiten ins Wohngebiet

Aufregung in der Schlüchterner Straße „Am Hopfenacker“: Dort werden seit einigen Tagen zahlreiche Ratten gesichtet. Viele Anwohner sind in Sorge und fordern die Verantwortlichen zu raschem Handeln auf.

Schlüchtern - Eigentlich leben die Menschen dort am Rand der Bergwinkelstadt idyllisch. Doch seit Kurzem ist es mit dem beschaulichen Leben vorbei.

Quasi über Nacht ist ein gehäuftes Auftreten von Ratten zu beobachten. Die Herkunft ist naheliegend: Jüngst wurden dort die vorhandenen Abwasserkanäle geöffnet, um die Anschlüsse für das neue BaugebietAm Brunkenberg“ zu legen. Dabei konnte beobachtet werden, wie die um ihre Behausung beraubten Tiere aufgeschreckt ihren Weg ins Freie suchten und sich in den umliegenden Gärten und Wiesen ein neues Domizil suchten. Speziell an der Mündung des Schlagweges in den Hopfenacker sind zahlreiche Nagetiere unterwegs. Selbst tagsüber sind sie dort zu beobachten, auch auf der Straße.

Plage nach Kanalarbeiten in Schlüchtern: Ratten springen durch die Gärten

Anwohnerin Bärbel Strissel hat schon Ansammlungen von vier oder fünf Tieren in ihrem Garten gesehen. Ein frisch gegrabenes Loch am Rande ihrer Wiese zeugt davon, dass hier einzelne Tiere eine neue Unterkunft gefunden haben. Eine kletterte neulich gar den steilen Stamm eines Baumes empor. Besonders erschreckend empfindet sie die geringe Scheu mancher Nagetiere: In 1,5 Meter Abstand ist sie an ihnen vorbeigelaufen, ohne dass diese die Flucht ergriffen hätten. (Lesen Sie hier: In Zeiten der Corona-Krise haben sich viele Menschen ein Haustier angeschafft)

Nachbar Florian Mazeczek findet die Größe einzelner Exemplare beachtlich. Vom Balkon aus konnte er dieser Tage Tiere „fast so groß wie kleine Katzen“ im Garten umherspringen sehen. Es sei ein „komisches Gefühl“, wenn Ratten gehäuft in den Gärten herumrennen, fühlt sich Anwohnerin Ursula Merz verunsichert. Schon hat sie Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Die sonst immer offenstehende Garage werde beispielsweise nun geschlossen.

Auch weitere Nachbarn reagieren: Vogelfutter wie Meisenknödel oder anderes Essbares wurden entfernt, um den ungebetenen Gästen die Nahrungsgrundlage zu entziehen. Komposter gibt es ohnehin nicht in der Gegend, wird versichert.

Gegen Rattenplage: Anwohner fordern Hilfe von der Stadt Schlüchtern

Barbara Strissel hat umgehend reagiert und schon vor gut zehn Tagen in einem Brief an das Ordnungsamt Hilfen bei der „Rattenplage“ reklamiert. Mittlerweile ist auch Bürgermeister Matthias Möller eingeschaltet. Sie selbst hat Nachbarn abgeklappert und ihnen geraten, die Kellerfenster zu schließen, damit die Tiere nicht auch den Weg in die Häuser finden.

Andere Anwohner haben zur Selbsthilfe gegriffen. Einer hat bereits auf eigene Kosten einen professionellen Kammerjäger engagiert, der auf seinem Grundstück Köder ausgelegt hat. Ein weiterer, Viktor Braun, fängt die Tiere. Mit einer selbst gebauten Konstruktion und „Stinkekäse“ zum Anlocken („Da können sie nicht dran vorbei“) hat er schon einige Nager eingefangen. „So viele Tiere wie derzeit habe ich hier noch nicht gesehen“, nennt er seine Beweggründe.

Es gehe ihr nicht um Krawall oder Konfrontation mit der Stadt, betont Barbara Strissel. Sie fordert nur Hilfe für die Anwohner, die für die derzeitige Rattenplage nichts könnten. Keiner möchte gerne mit diesen Tieren leben. Und damit sich die Nagetiere nicht in kurzer Zeit im großen Stil vermehrten, sei rasche Hilfe nötig. Nur allein Köder im Kanal auszulegen, wie in der Vergangenheit geschehen, reiche nicht aus. Hier müsste fachmännisch in den Gärten gegen das Problem vorgegangen werden.

Sorge um Tagesstätte - Hohes Infektionsrisiko für Kinder

Besonders problematisch ist aus ihrer Sicht die Nähe zu der Integrativen KindertagesstätteSternenfänger“ im Schlagweg. Hier sieht sie die Jungen und Mädchen einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt.

„Die Probleme am Hopfenacker durch hohes Schadnageraufkommen sind der Stadtverwaltung bekannt. Hierzu fanden bereits Gespräche mit dem Ortsvorsteher der Innenstadt (Rainer Grammmann, FDP, Anmerkung der Redaktion) statt, um schnellstmöglich einen Termin zur Ortsbesichtigung zu vereinbaren. Dort werden entsprechende Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung besprochen und veranlasst“, so die Stellungnahme der Stadtverwaltung.

Das Ordnungsamt weist darauf hin, dass bei Rattenbefall unverzüglich Anzeige bei der Stadt zu erstatten ist. (Tim Bachmann & Ulrich Schwind)

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