Fotos: Tim Bachmann

Rekord-Zuschauerkulisse bei Jahresempfang der Stadt Schlüchtern und des Vereins Wito

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlüchtern - 450 Gäste sind am Freitagabend zum Jahresempfang der Stadt Schlüchtern und des Vereins für Wirtschaft und Tourismus (Wito) in die Stadthalle geströmt. Eine Rekordkulisse. Wito-Vorsitzender Axel Ruppert: „Wenn sich das so fortsetzt, müssen wir nächstes Jahr in die Großsporthalle.“

Von unserem Redaktionsmitglied Tim Bachmann

Gardisten der Historischen Bürgergarde säumen mit Fackeln den Eingang, Damen der Biedermeier-Gruppe empfangen die Gäste. Im Hintergrund spielt die Big Band Route 66 den Sergio-Mendes-Klassiker „Mas Que Nada“. Die Menschen zieht es in Schlüchterns „Gudd Stubb“. Politiker, Vereinsvertreter, Gewerbetreibende, Bürger.

Das Interesse ist groß. Man trifft sich, tauscht sich aus. Netzwerken vor dem Netzwerken. Ein Klavier steht auf der Stadthallenbühne. Davor nimmt Dr. Frank Kleespies Platz und beginnt zu spielen. Über die Leinwand flimmert Schlüchterns neuer Imagefilm. Dann eröffnet Rathauschef Matthias Möller (parteilos) offiziell den Abend.

Wito hat junge Generation im Blick

Seine „Androhung“, die kommenden zwei Stunden zu referieren, erfüllt er nicht. Dennoch lässt er es sich nicht nehmen, nochmals Rückschau zu halten. Und einen Ausblick zu geben, auf das, was in Schlüchtern passieren wird: ein Stadtumbau. Möller: „Wenn alles gut läuft, starten wir in diesem Jahr mit dem Bau der Kultur- und Begegnungsstätte auf dem Langer-Areal.“

Wito-Vorsitzender Axel Ruppert berichtet, wie der Gewerbeverein die Bürger anspricht: Auf allen Kanälen. „Facebook, Instagram, muss das sein?“, fragt Ruppert, um die Antwort selbst zu geben: „Ja. Sonst erreichen wir nicht jeden.“ Vor allem nicht die jüngere Generation.

Schon für 850.000 Euro Gutscheine verkauft

Der Wito hat inzwischen eine neue Internetseite, lässt Ruppert wissen. „Schauen Sie mal rein.“ Im Besonderen wirbt er für den „Klimapakt“ und den Schlüchterner Gutschein, den er als echte Erfolgsgeschichte beschreibt. „Wir haben im Jahr 2019 für 83.000 Euro Gutscheine verkauft. Seit der Einführung sind es 850.000 Euro“, verkündet er.

Bald soll der Gutschein auch digital werden. Dann betritt Hanaus Stadtentwickler Martin Bieberle die Bühne. Ein Hanauer mit Schlüchterner Wurzeln, kündigt ihn Möller an. „Ich komme aus Herolz“, präzisiert Bieberle, ehe er nachschiebt, dass er als Schlüchterner seine Heimat interessiert verfolge.

„Stadtumbau ist erst der Anfang“

„Ihr seid auf einem herausragenden Weg“, macht er den Planemächern in Bezug auf die Stadtentwicklung Mut. „Der Kauf des Langer-Gebäudes war richtig. Aber der Stadtumbau ist erst der Anfang. Die Arbeit endet nie.“ Bieberle zeigt auf, was auch auf Schlüchtern zukommen könnte.

In seinem launigen, kurzweiligen und mit vielen Bildern geschmückten Vortrag macht er deutlich, welche Hürden sich in der Entwicklung der Stadt Hanau aufgetan haben; und wie sich die Stadtentwicklung auszahlt. „Die Mühen der Gebirge liegen hinter uns, vor uns liegen die Mühen der Ebene“, zitiert Bieberle Bertolt Brecht.

„... dann machen Geschäfte in der Stadt dicht“

Im übertragenen Sinn bedeute dies: „Der Stadtumbau selbst ist nicht die Mühe, sondern es ist eine Mühsal, alles am Laufen zu halten.“ Das Gute sei, dass alle mitmachen können – und auch sollen. Denn „Stadtentwicklung ist die öffentlichste Angelegenheit überhaupt“, so Bieberle. Die Leute müssten begreifen, wenn sie alles im Internet bestellen, machen Geschäfte in der Stadt dicht: „Amazon ist keine Stadt.“

Und wenn ein Internetriese aus dem Ausland darüber hinaus keine Gewerbesteuer abführe, dann sei eben auch für die Stadtentwicklung kein Geld da. Dies sei aber nun mal nötig. Der Stadtentwickler untermauert dies mit Zahlen: Seit 2007 hat der Stadtumbau Hanaus den Steuerzahler 15 Millionen Euro gekostet. Allerdings hat dies auch privatwirtschaftliche Investitionen in Höhe von 600 Millionen Euro nach sich gezogen.

Seitenhiebe auf Hanau und Offenbach

Die Umbau-Jahre seien nicht immer „vergnügungssteuerpflichtig, es wird Beschwerden geben“. Aber: „Wenn aus Baucontainern Gebäude werden, wird es besser. Dann können die Leute erahnen, wie es mal aussehen wird.“ Seinen Vortrag schmückt Bieberle mit Anekdoten und kleinen Späßen: „Hanaus ist eine schöne Stadt ...“, zitiert der Referent augenzwinkernd, und beendet den Satz mit „ ... wenn du aus Offenbach kommst“.

Zum Abschluss gibt Kerstin Baier-Hildebrand einen kurzen Überblick über „50 Jahre Schlüchtern“ von 1969 bis heute, ehe Bürgermeister Möller alle Verantwortlichen der Feuerwehr auf die Bühne bittet. Gemeinsam wird der neue Imagefilm der Schlüchterner Brandschützer vorgeführt, ehe das Buffet eröffnet wird – und das Netzwerken weitergeht.

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