Rudolf Walther (Zweiter von links) bei einem Treffen mit dem einstigen Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat. Ganz links Hessens damaliger Wirtschaftsminister Lothar Klemm (SPD), der aus Maintal stammt und im Main-Kinzig-Kreis zu Hause ist.
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Rudolf Walther (Zweiter von links) bei einem Treffen mit dem einstigen Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat. Ganz links Hessens damaliger Wirtschaftsminister Lothar Klemm (SPD), der aus Maintal stammt und im Main-Kinzig-Kreis zu Hause ist.

Nachruf

Gründauer Unternehmer und Stifter Rudolf Walther stirbt mit 96 Jahren - „Viele Schulden bei Gott“ abgetragen

Er gilt noch heute für viele Menschen als Pionier der Möbelhausbranche und war darüber hinaus Initiator einer der größten deutschen Kinderhilfestiftungen: Rudolf Walther. Er ist am Dienstag an seinem Altersruhesitz in Subotica (Serbien) im Alter von 96 Jahren gestorben.

Gründau - Der Gründer des gleichnamigen Möbelhauses Walther in Gründau (heute: Möbel Höffner) wurde am 22. Dezember 1923 in Windecken als Sohn eines Landwirts geboren. Nach der Rückkehr aus Krieg und Gefangenschaft bewirtschaftete er einen Bauernhof. In den 1960er Jahren riskierte er im Alter von 45 Jahren eine berufliche Neuorientierung und baute eines der größten Möbelhäuser in Deutschland.

Rudolf Walther unterstützte die Deutsche Krebshilfe und überwies sechsstellige Beträge an die Kinderhilfe-Stiftung in Frankfurt. Eine Reise nach Guatemala, bei der er viel Elend erlebte, wurde 1988 für ihn zum Schlüsselerlebnis: Er erklärte seinen Rückzug aus dem Geschäftsleben, gründete die Rudolf-Walther-Stiftung für Not leidende Kinder und baute mehrere Kinderdörfer auf. Den Grundstein für sein Engagement legte er mit einem Stiftungskapital von mehr als 10 Millionen Mark.

Möbelhaus Walther-Gründer Rudolf Walther verstorben - Ehrung für große Verdienste

Für seinen besonderen Einsatz für Kinder in Not erhielt Rudolf Walther 1988 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, 1992 das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse und 1994 den Hessischen Verdienstorden. 2001 kam die höchste Auszeichnung Guatemalas hinzu.

In seiner Vaterstadt Nidderau war er seit 1998 Ehrenbürger. 2006 wurden neun der zehn deutschen Einrichtungshäuser der Möbel Walther AG in Höffner umbenannt. Möbel-Walther-Mehrheitsaktionär und Höffner-Inhaber Kurt Krieger hatte diese zuvor gekauft. Danach wurde es um Rudolf Walther ruhiger. Vor einigen Jahren hatte er mit der ehemaligen Rudolf-Walther-Stiftung, die seit Jahren „Kinderzukunft“ heißt, eine eher unschöne juristische Auseinandersetzung geführt. 2011 trat er in diesem Zusammenhang letztmals öffentlich in Erscheinung.

Lebensabend in Subotica (Serbien) - Rudolf Walther stirbt mit 96 Jahren

Rudolf Walther lebte schon seit vielen Jahren in Serbien. In der Stadt Subotica kaufte er ein Hotel und galt dort als größter Investor der Kommune. Zu seinem 90. Geburtstag hatte er auf eine öffentliche Feier verzichtet. Zehn Jahre zuvor feierte er mit rund 200 geladenen Gästen im Congress Park Hanau.

Zu diesem Ehrentag waren seine Erinnerungen erschienen: „Ein Leben in Gottes Hand?“. In der Einladung hatte Walther damals geschrieben: „Ich habe Gott gegenüber noch sehr viele Schulden. Von diesen möchte ich noch viele abtragen, so lange ich lebe.“ Sich selbst bezeichnete Rudolf Walther als bescheidenen Menschen. Er habe nie vergessen, dass er aus einer armen Familie stamme. (wel)

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