Foto: Tim Bachmann

Sakko gegen Bild: Manfred Schröder schenkt Schlüchtern Schluschas-Gemälde

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlüchtern - Manfred Schröder wurde im Jahr 1942 in Schlüchtern geboren. Nach seiner Schullaufbahn und der anschließenden Ausbildung verließ er jedoch seine Heimat. Im Gepäck hatte er ein Gemälde, mit dem sein Vater vor 70 Jahren für Schneider-Arbeiten bezahlt wurde. Ein besonderes Werk, das er unlängst seiner Heimatstadt zurückvermachte. Als Weihnachtsgeschenk geht es nun ans Rentamt.

Von unserem Redaktionsmitglied Tim Bachmann

„Das Bild ist im Jahr 1949 entstanden. Ob auf Wusch meines Vaters oder aus Geldmangel des Malers, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich weiß aber, dass mein Vater dem Maler ein Sakko geschneidert hat. Und es war keine Seltenheit, dass mein Vater mit Naturalien und sonstigen Gegenstände entlohnt wurde“, erinnert sich der 77-jährige Schröder.

Es war eben eine sehr entbehrungsvolle Zeit. Nur blieb da ein Problem: Die Stoffe mussten ja bezahlt werden. Schröder berichtet: „Unsere Mutter und mein ältere Bruder wohnten seit 1941 bei unseren Großeltern Jean und Marie Orth in der Fuldaer Straße 3 im Hause Basermann.“

Das Wohnzimmer als Schneiderwerkstatt

Dort ist Manfred Schröder im Jahr 1942 geboren worden. Sein Vater war damals im Krieg. Kurz nach Kriegsende im Jahr 1945 ist er nach Hause gekommen. „Da für sechs Personen die Wohnung zu klein geworden war, zogen meine Eltern mit uns zwei Buben in die Kirchstraße 26 zur Familie Heinrich Ringler. Wir bezogen die Wohnung mit drei Zimmern im ersten Stock“, erinnert sich Schröder.

Sein Vater war gelernter Schneider und besuchte umgehend nach dem Krieg die Meisterkurse. Als er die Prüfung bestanden hatte, machte er sich selbstständig. „Das Wohnzimmer wurde fortan als Schneiderwerkstatt benötigt. Der Arbeitsplatz meines Vaters war jetzt am Fenster mit Blickrichtung, wie sie auf dem Gemälde zu sehen ist.“

„Geländer in schmerzlicher Erinnerung“

Ein langer Schneidertisch stand dort, auf dem der Vater saß oder vor dem er stand und arbeitete. „Wir Kinder waren oft damit beschäftigt, die Fäden aus den vorgefertigten Kleidungsstücken zu ziehen.“ Vor dem Haus gab es den Mühlgraben, der unter der Kirchstraße durchfloss. Das Geländer ist auf dem Gemälde zu sehen.

„Dieses Geländer habe ich noch in schmerzlicher Erinnerung. Mein Bruder und weitere Buben aus der Gegend animierten mich einmal, im Winter mit meiner Zunge das Geländer, das aus Eisen bestand, zu berühren. Meine Zunge klebte sofort fest, und ich hatte große Schmerzen, bis ich wieder davon los gekommen bin.“ Kindheitserinnerungen eben.

Wie ein Wanderer zwischen zwei Welten

„Der Kirchen-Friedhof und das Kloster waren unsere Magnet-Anziehungspunkte. Dort spielten wir sehr oft. Da unsere Familie sich dann mit einer kleinen Schwester noch vergrößerte, zog ich wieder zurück zu meinen Großeltern in die Fuldaer Straße. Da war ich dann wie ein Wanderer zwischen zwei Welten. Ich konnte mich nicht beschweren, denn ich hatte bei meinen Großeltern eine schöne Jugend“, erzählt Schröder.

Nach seinem Hauptschulabschluss lernte Schröder bei Karl Heil den Beruf des Elektrikers. Dreieinhalb Jahre dauerte die Ausbildung. Nach seinem 18. Geburtstag folgten der Militärdienst und die Beamtenlaufbahn bei der bayerischen Justiz. So verließ Schröder Schlüchtern, ohne groß zurückzublicken, und er lebte fortan und auch noch heute im bayerischen Mainaschaff. Seit 2002 ist er im Ruhestand.

Konrad Schluschas, der malende Bademeister

Schlüchtern ist er dennoch im Herzen immer verbunden geblieben. Und aus seiner alten Heimat hat ihn das Gemälde begleitet, mit dem Konrad Schluschas seinen Vater für die Schneiderarbeiten entlohnte. Der in Uttrichshausen geborene Schluschas hat viel für das Rote Kreuz geleistet, so hatte er bereits vor 90 Jahren, im Jahr 1929, die Freiwillige Sanitätskolonne in dem Kalbacher Ortsteil gegründet. Den meisten älteren Schlüchternern wird er aber als Bademeister in Erinnerung geblieben sein.

Manfred Schröder war es ein Anliegen, das besondere Gemälde, das Konrad Schluschas dereinst seinem Vater für ein Sakko gemalt hatte, wieder in die alte Heimat zu bringen. Schröder stellte Kontakt zu seinem alten Schulkameraden Bernd Ullrich her. „Du bist doch der Stadtarchivar. Könnt ihr das nicht gebrauchen?“, habe er ihn gefragt. Ullrichs prompte Antwort: „Ja!“ Und so wird das Gemälde, mit Blick auf die Klostertürme, nun als „Weihnachtsgeschenk“ an das Rentamt übergeben, wo es alsbald hängen soll.

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