Mit ihren eisernen Zähnen beißen die Bagger der Abrissfirma Stück für Stück aus dem Gebäude der Kreissparkasse Schlüchtern.
+
Mit ihren eisernen Zähnen beißen die Bagger der Abrissfirma Stück für Stück aus dem Gebäude der Kreissparkasse Schlüchtern.

Über 100 Rad-Abstellplätze

Abriss der Schlüchterner Kreissparkasse: Im November soll Neubau an Obertorstraße starten

  • Alexander Gies
    vonAlexander Gies
    schließen

„Es passt auf den Monat genau.“ Torsten Priemer ist zufrieden. Der vor drei Jahren skizzierte Zeitplan für den Abriss der Kreissparkasse Schlüchtern und den folgenden Neubau mitten im Herzen der Stadt ist heute noch gültig.

Schlüchtern - Priemer, Vorstandsmitglied des Geldinstituts, und Peter Jökel, Geschäftsführer der Firma Jökel Bau, sind bei diesem Projekt Partner: Die Baufirma hat das Gelände erworben und plant anstelle des Gebäudes zwei neue, die Kreissparkasse wird Hauptmieter für zunächst 25 Jahre.

„Wir erwarten die Baugenehmigung so rechtzeitig, dass wir im November mit den Bauarbeiten beginnen können“, sagt Peter Jökel. Zwei Jahre später, also voraussichtlich Ende 2022, sollen die Arbeiten auf die Zielgerade einbiegen. Die Kreissparkasse wird dann etappenweise mit den ersten Abteilungen einziehen. Anfang 2023 sollen auch die Kunden am neuen Standort empfangen werden. Das Frühjahr 2023 ist der anvisierte Fertigstellungstermin für das Gesamtprojekt, für das eine Investitionssumme von 16 Millionen Euro aufgerufen wird.

Schlüchtern: Abrissarbeiten der Kreissparkasse schreiten voran - Ende 2022 sollen Arbeiten abgeschlossen sein

Derzeit laufen die Abrissarbeiten, und viele Passanten bleiben stehen, um das beeindruckende Schauspiel zu verfolgen. „Für das Sparkassen-S in luftiger Höhe interessiert sich eine Künstlerin, die es für ein Kunstprojekt verwenden will“, verrät Torsten Priemer. Zu hoffen bleibt, dass die Bauarbeiter es heil vom Hochhaus bergen können. Die Bank hat die Corona-Pandemie genutzt, um ihre Raumplanung, welche die Nutzung von 3000 Quadratmetern vorsieht, noch einmal der Frage zu unterziehen, ob das Konzept nach wie vor funktioniert.

„Und ich kann sagen: Ja, und wir haben einen Haken dran gemacht“, sagt Priemer. Eine kleine Änderung gibt es trotzdem: Im markanten Kopfbau wird die Bank auf die Nutzung eines Stockwerks verzichten. Die 150 Quadratmeter sollen der Nutzung als Wohnungen zugeschlagen werden. Damit entstehen auf dem Areal etwa 20 Wohnungen mit zwei bis vier Zimmern und Wohnflächen zwischen 55 und 115 Quadratmetern, erläutert Jökel. Alle Wohnungen wie auch das gesamte Projekt bleiben im Eigentum der Firma und werden vermietet.

Peter Jökel (links) und Thorsten Priemer vor dem Gebäude, das an der Obertorstraße errichtet wird. Die Bank nutzt komplett den weißen Bereich sowie drei Etagen im Kopfbau.

Das Interesse sei bereits hoch, sagt Peter Jökel. Konkret werde man sich mit der Vermietung ab Frühjahr nächsten Jahres beschäftigen. Bei der Auswahl lege man Wert auf eine nachhaltige, langfristige Vermietung. Das betreffe insbesondere die Mieter der Einzelhandels- und der Büro-/Praxisflächen, die vor allem im Erd- und ersten Obergeschoss des zweiten Gebäudes zum Zuge kommen.

Schlüchtern: Über 100 Radabstellplätze sollen auf dem Gelände entstehen

Die Höhe des Kopfgebäudes an der Ecke Bahnhof- und Obertorstraße war lange Gegenstand öffentlicher Diskussionen: Es wird nun 1,6 Meter niedriger. Dies gelang durch kleinere Maßnahmen wie die Absenkung der Geschosshöhen oder eine niedrigere Attika. Dass es Diskussionsbedarf gibt, ist für Jökel nichts besonderes: „Das ist ein ganz normaler Prozess. Und wo wir es können, gehen wir bestmöglich darauf ein.“ Er will die Debatte nicht zu hoch hängen, letztlich habe es nur vier bis fünf Einwendungen gegeben, die sich tatsächlich mit der Frage nach der Gebäudehöhe beschäftigt hätten.

Insofern wurden die einst vorgestellten Pläne modifiziert, aber nicht grundsätzlich geändert: Die Begrünung der Dachflächen wurde stark ausgeweitet, wie es der Bauausschuss angeregt hatte, außerdem wird es im Innenhof, der sich auch für Gastronomie eignet, zusätzlich zu den bereits geplanten drei weitere Bäume geben. Im Keller ist eine Tiefgarage mit 52 Parkplätzen geplant – und 81 Radabstellplätze für Mieter, 34 im Keller, 47 oben. Auch Kunden und Besucher sollen mit dem Rad kommen können. Deshalb summiert sich die Zahl der Radabstellplätze auf über 100. Zudem soll es Ladestationen für E-Bikes geben.

Lesen Sir hier: Bauarbeiten an der Stadtschule in Schlüchtern - „Wenn alles fertig ist, ist Schlüchtern durchsaniert“ Genossenschaftsbanken können sich nicht versammeln - und Coronavirus macht Probleme

Das könnte Sie auch interessieren