Kurt Beck blickt von seiner Terrasse auf das Gelände des abgebrannten Norma-Marktes. Die neuen Gebäude sollen etwa so hoch werden wie der höchste Baum in seinem Garten, die Goldulme.
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Kurt Beck blickt von seiner Terrasse auf das Gelände des abgebrannten Norma-Marktes. Die neuen Gebäude sollen etwa so hoch werden wie der höchste Baum in seinem Garten, die Goldulme.

„Eingekesselt und bedrängt“

Ehemaliges Norma-Gelände in Schlüchtern: Anwohner Kurt Beck geht gegen Pläne auf die Barrikaden

  • Alexander Gies
    VonAlexander Gies
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Die Dimension des Projekts, das in seiner unmittelbaren Nachbarschaft entstehen soll, wurde Kurt Beck erst richtig bewusst, als er die abstrakten Angaben über Gebäudehöhen in eine Zeichnung übertrug. Da war dem 65-Jährigen klar: „Wir werden ja eingekesselt.“

Schlüchtern - Beck ist Nachbar des geplanten Fachmarktzentrums auf dem Gelände des abgebrannten Norma-Discounters in der Hanauer Straße in Schlüchtern. Wie mehrfach berichtet, will der Projektentwickler „LCE Deutschland Sechs“ auf der Fläche am südlichen Eingang zur Stadt ein Zentrum mit Netto-Discounter, Bäcker, Metzger, Getränkehandel und „Fressnapf“ (Tierbedarf) errichten. Die ersten Pläne dafür wurden im Oktober 2019 vorgestellt. Im November 2020 erweiterte LCE dann sein Vorhaben um einige Wohnungen, die auf dem Dach des Discounters und des angrenzenden Ladengeschäfts, das entlang der Hanauer Straße platziert werden soll, als Voll- und Staffelgeschoss entstehen sollen. Und mit diesen Plänen sind Beck und sein Nachbar gar nicht einverstanden.

Vor allem die Höhe der geplanten Gebäude bereiten ihnen große Sorgen: Bis zu 14 Meter hoch soll der geplante Discounter-Markt im Main-Kinzig-Kreis samt der Wohnungen auf dessen Dach werden. Und das Gebäude an der Hanauer Straße würde bis zu zehn Meter aufragen. Diese Zahlen gehen aus dem Bebauungsplan „Richtscheider Mühle“ hervor.

Schlüchtern: Anwohner ist gegen Planung auf ehemaligem Norma-Gelände

Wenn die Pläne so beschlossen werden, dann sieht sich Beck auf seinem Anwesen Hanauer Straße 16 „eingekesselt und bedrängt“. Denn die Gebäude grenzen fast unmittelbar an sein Grundstück und sind auf der einen Seite so hoch wie die Goldulme in seinem Garten und auf der anderen Seite Richtung SG-Sportplatz noch einmal etwa vier Meter höher. „Wir werden von zwei Seiten total zugebaut“, schildert der Rentner seine „bedrückende“ Lage. Sein Garten und Haus würden „weniger Sonnenlicht und mehr Beschattung“ erhalten. Dabei, so erinnert sich Beck, habe ihm doch einst der Vertreter des Eigentümers der Fläche versichert, es seien „keine mehrgeschossigen Baukörperklötze“ geplant.

Auch ein zweites Problem sehen Beck und zwei Nachbarn kritisch: Die Parkplätze für die Bewohner der geplanten Wohnungen sollen über den Weg erreichbar sein, der von der Hanauer Straße zum Sportplatz führt. „Da sind 14 Parkplätze eingezeichnet. Das wird bei zwei oder drei An- und Abfahrten am Tag zu einer enormen Verkehrsbelastung führen“, ist Beck überzeugt.

Die Pläne

Der Vorentwurf des Bebauungsplans „Richtscheider Mühle“ und der Flächennutzungsplan der Stadt liegen bis einschließlich 27. August im Rathaus Schlüchtern zu den Dienststunden zur Einsichtnahme aus. Auch auf schluechtern.de in der Rubrik Bauen & Wirtschaft (Bebauungspläne) können die Pläne eingesehen werden. (Lesen Sie hier: Ende der angespannten Parkplatzsituation? Schlüchtern soll Ende 2022 ein neues Parkhaus bekommen)

Ihm ist zudem schleierhaft, wie die Fahrer insbesondere Richtung Innenstadt auf die vielbefahrene Hanauer Straße einbiegen sollen. „Die stehen da ewig“, ist Beck überzeugt. Verschärft werde die Situation durch die geplante Ampel an der Kreuzung zur Alten und Neuen Hohenzeller Straße. „Ein Kreisel an dieser Stelle hätte den Verkehrsfluss beschleunigt und wäre die bessere Lösung gewesen“, sagt Beck. Doch diesen hatten Investor und Hessen Mobil aus Platzgründen und wegen der ungeklärten Wegführung für Radfahrer abgelehnt.

Anwohner befürchten Verkehrsbelastung durch Neubau auf Norma-Gelände

Beck wird die Offenlegung der Pläne nutzen, um seine Kritik darzulegen. „Unser Ziel ist, dass auf die Wohnbebauung auf den gewerblichen Gebäuden verzichtet wird oder es zumindest zu einer deutlichen Reduzierung der maximal zulässigen Gebäudehöhen kommt“, sagt Beck.

Wirksame politische Unterstützung für seine Anliegen kann er bislang nicht erkennen. „Ein Gesprächstermin mit dem Bürgermeister war zwar mal angefragt, ist dann aber nicht zustande gekommen. Und die Fraktionsvertreter, die ich gesprochen habe, sagen mir, selbst wenn sie dagegen stimmen würden, würden die anderen Fraktionen die Pläne unterstützen.“ Deshalb appelliert Beck an die Bevölkerung, sich mit den Plänen vertraut zu machen und bis Ende August Einwände dagegen vorzubringen.

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