Wurde der Angeklagte vor seiner Pfefferspray-Attacke mit einer Axt bedroht?
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Wurde der Angeklagte vor seiner Pfefferspray-Attacke mit einer Axt bedroht?

Attacke mit Pfefferspray

Schlüchterner Nachbarn im Clinch: Bedrohung mit Axt oder Messer?

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Hanau gegen einen 32-Jährigen wogen schwer: Gefährliche Körperverletzung und Vortäuschens einer Straftat.

Schlüchtern - Alles drehte sich um einen Vorfall in einem Schlüchterner Ortsteil am 25. März gegen 6.40 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt war der 32-Jährige zu Fuß von seinem Wohnhaus zur Bushaltestelle unterwegs, wo er von einem Arbeitskollegen mit dem Firmenfahrzeug abgeholt werden sollte.

Unterwegs begegnete er seinem 52-jährigen Nachbarn, der mit dem Auto zu seinem Arbeitsplatz unterwegs war. Laut Anklage soll der 32-Jährige den anderen bei der Polizei beschuldigt haben, mit seinem Wagen neben ihm angehalten, einen Gegenstand wie Messer oder Axt hervorgeholt, ihn damit bedroht und mit der Hand ein Zeichen für „Kopf ab“ angedeutet haben. Als Gegenreaktion habe der Angeklagte Pfefferspray in Richtung des Autos seines Gegenübers gesprüht.

Nach dem Vorfall alarmierte der 32-Jährige die Schlüchterner Polizei. Diese schickte einen Streifenwagen zur Arbeitsstätte des 52-Jährigen, wo zwei Beamte den Wagen des Mannes durchsuchten. Sie fanden nichts – lediglich Spuren auf dem Lack, die offenbar von dem Einsatz des Pfeffersprays herrührten. Also schrieben die Beamten Anzeigen gegen den 32-Jährigen, der den Einsatz des Sprays abstritt. Erst später räumte er das ein. „Das hat das gesamte Verfahren auf das falsche Gleis gebracht“, war sich sein Verteidiger sicher.

Schlüchtern: Streit unter Nachbarn - Mit Axt oder Messer bedroht?

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Er sah den Schuldigen eindeutig in Person des 52-Jährigen und erläuterte Hintergründe. Die beiden Männer sind Nachbarn und liegen schon länger im Clinch. Er schilderte diverse Vorkommnisse, woran er dem Älteren die Schuld gab. Das brachte dem Anwalt den Hinweis von Richter Thomas Russell ein, die Verteidigung „lehnt sich weit aus dem Fenster“.

Der 52-Jährige räumte ein, an jenem Morgen in der Nähe des 32-Jährigen angehalten zu haben – und zwar wegen einer umgefallenen Baulampe im Fahrzeug. Deswegen sei er ausgestiegen und habe im Wagen für Ordnung gesorgt. Dabei sei er unvermittelt mit dem Pfefferspray besprüht worden.

Trotz Attacke mit Pfefferspray: Angeklagter wird freigesprochen

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Richter Russell sah die gefährliche Körperverletzung nicht als erwiesen an, da die Sprühattacke in erster Linie wohl gegen das Fahrzeug ging. Eine Bedrohung seitens des 52-Jährigen sei nicht auszuschließen, deswegen könne auch der Vorwurf des Vortäuschens einer Straftat nicht gehalten werden.

Insofern gab es für den Vorsitzenden nur eine Konsequenz: Freispruch. Ebenso hatten zuvor die Vertreterin der Staatsanwaltschaft Hanau und der Verteidiger plädiert. (ls)

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