„Die Musik ist Therapie für mich“, sagt Rapper Ben Heumüller alias „Benjay“.
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„Die Musik ist Therapie für mich“, sagt Rapper Ben Heumüller alias „Benjay“.

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Ben „Benjay“ Heumüller aus Schlüchtern will als Rapper 2021 „richtig Gas geben“

Der Schlüchterner Rapper Benjay (18) war jüngst im Radiosender „YouFM“ des Hessischen Rundfunks zu Gast. Auf Youtube laufen zwei seiner Musikvideos – und einige Songs von ihm kann man im Internet kaufen.

Schlüchtern - Eine sanfte elektronische Melodie beginnt. Dann treiben Bass und Drums milde einen Beat voran. Benjay setzt mit samtiger Stimme ein: „Ja, ich tauche ab und tauche wieder auf / kennt ihr das verlorene Kind?“ Der Song vom verlorenen Kind ist ein Ohrwurm und geht einem nicht mehr aus dem Kopf. „Das soll so sein“, meint der Sänger, „denn ich will nicht nur für Leute meiner Generation Musik machen, sondern auch für Ältere“. 

Im Hip-Hop gebe es tausend Richtungen, er würde den melodischen und den aggressiveren Weg gehen. Den letzteren nennt er „in die Fresse rappen“, und das tut er in dem düsteren Song „Frost“: „Jeden Tag kämpfen / wir sind stark...“ Solche Gesänge bringt man als Unkundiger eher mit Hip-Hop in Verbindung. Benjay macht zwar beides, will aber weiter gehen und einen ganz eigenen Weg finden, so wie in dem Song vom verlorenen Kind. „Ich möchte Hip-Hop machen, den man noch nicht gehört hat.“ (Lesen Sie hier: DSDS (RTL): Dieter Bohlen ist von Madeleine Apfel aus Linsengericht nicht begeistert)

Schlüchtern: Benjay will als Rapper 2021 so „richtig Gas geben“

„Im Moment bin ich leider nur der Rapper“, sagt er, „also ich schreibe die Texte und singe“. Gern würde er selber die Beats erzeugen, die seine Raps grundieren und auch die Aufnahmen selbst produzieren. „Du bist nur ein Künstler, wenn du das alles selbst machst. Das Erschaffen ist die Kunst“, meint der junge Mann. 

Benjays Texte sind durchaus künstlerisch, er nutzt keine Klischees und erzählt keine banalen Geschichten. Sondern in seinen assoziativen Wortbildern lässt er den Zuhörern viel Raum für eigene Fantasien; wie ein gutes Gedicht. „Ich lege meine Gefühle in die Texte“, erklärt er. „Die besten entstehen übrigens, wenn es mir nicht so gut geht. Die Musik ist Therapie für mich.“

Erstaunlicherweise hört Benjay, der mit bürgerlichem Namen Ben Heumüller heißt, nicht nur Hip-Hop, sondern auch Rockmusik. „Eigentlich alles“, meint er, „außer Musik mit deutschen Texten“. Denn da habe er Bedenken, unbewusst zu viele deutsche Phrasen in sich aufzunehmen. Sein Englisch sei nicht so gut, deshalb könne er die Texte amerikanischer Rapper intensiver spüren: „Ich nehme sie mit dem Körper auf und komme in den Flow.“ 

„Die besten entstehen übrigens, wenn es mir nicht so gut geht.“

Vor drei Jahren entdeckte Benjay Hip-Hop durch einen französischen Musiker, der nach Schlüchtern kam. Zwar hatte er in der Stadtschule gute bis sehr gute Noten in Musik, aber seine Liebe dazu entstand erst durch diese Begegnung: „Die hat mich total verändert und ich habe gespürt, das ist meine Zukunft.“ Der Rapper arbeitet sehr hart an sich und seinen Kompositionen, will immer besser werden und ist selten mit sich zufrieden: „Ich will den Erfolg!“

Wie er sich in zwölf Jahren, also als dann 30-Jähriger, sieht? „Ich möchte dann der bekannteste Deutschrapper sein“, meint er lachend, aber durchaus selbstbewusst. Doch er weiß, dass das noch ein langer und harter Weg sein wird. Zwar kann man seine Songs online bei Apple, Spotify und anderen Diensten kaufen. Doch derzeit bekommt er nur wenig Geld dafür, das reiche noch lange nicht zum Leben. Sicherheitshalber macht er zusätzlich eine Ausbildung als Baumaschinenführer in Bad Soden. Seine Eltern sind stolz auf ihn, weiß er. Sie stehen hinter ihm.

2021 will Benjay richtig Gas geben, vielleicht beim Schlüchterner Straßenmusikfestival mitmachen, weiterhin Videos produzieren und reichlich dazulernen. Er hat viele Freunde, die an ihn glauben, ihn unterstützen, gemeinsam mit ihm Musik machen oder in den Filmen mitspielen. „Das sind stramme Leute“, sagt er verträumt. Und: „Ich will meinen Weg nicht allein gehen, sondern die Jungs mitnehmen.“

Videos von „Benjay“ finden sich auf den Internet-Plattformen Youtube und Instagram unter „benjay111“. (Von Hanswerner Kruse)

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