Geschäftsführer Marco D‘Agostino (links) und Bürgermeister Matthias Möller vor einer besonderen Maschine in den Werkshallen am Distelrasen: einer Zwillings-Abbundanlage, die es ein zweites Mal nur in Australien gibt.
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Geschäftsführer Marco D‘Agostino (links) und Bürgermeister Matthias Möller vor einer besonderen Maschine in den Werkshallen am Distelrasen: einer Zwillings-Abbundanlage, die es ein zweites Mal nur in Australien gibt.

Sehr hohe Investitionen geplant

Fertighaus-Bau rund um die Uhr in Schlüchtern: Bien-Zenker führt Drei-Schicht-Betrieb ein

Dank eines „ungebrochen hohen Auftragseingangs“ wechselt die Fertighausfirma Bien-Zenker ab 1. April in der Produktion vom Zwei- in den Drei-Schicht-Betrieb. Häuser werden dann fünf Tage die Woche rund um die Uhr gefertigt.

Schlüchtern - Dies kündigt Geschäftsführer Marco D‘Agostino an. Mit der Entscheidung verbunden ist die Freigabe von Investitionen in den Maschinenpark in Höhe von fünf Millionen Euro sowie die Schaffung von 70 Arbeitsplätzen.

D‘Agostino ist Erleichterung und Freude darüber anzumerken, dass diese wichtige Weichenstellung, die auch die Zukunft des Werks am Distelrasen festige, gelungen ist. In „konstruktiven Gesprächen auf Augenhöhe“, so D‘Agostino, sei mit dem Betriebsrat die erforderliche Betriebsvereinbarung erarbeitet worden. (Lesen Sie hier: „Undercover Boss“ (RTL): Bien-Zenker-Chef Marco Hammer verrät, warum er noch einmal mitmachen würde).

Schlüchtern: Bien-Zenker führt Drei-Schicht-Betrieb ein

Auch wenn das Thema Nachtarbeit keine Jubelstürme ausgelöst habe, habe der Betriebsrat die Notwendigkeit eines Drei-Schicht-Modells anerkannt. Die Lösung sieht vor, dass künftig auf Überstunden und Samstagsarbeit verzichtet werden kann. Außerdem „reduziert sich die Wochenarbeitszeit bei gleichem Lohn“, sagt D‘Agostino, ohne näher ins Detail zu gehen.

Voraussetzung für den Wechsel zur Rund-um-die-Uhr-Produktion war ein genehmigter Nutzungsänderungsantrag, denn dem Wechsel von zwei auf drei Schichten müssen die Behörden zustimmen. Dabei geht es beispielsweise um Themen wie Lärm- und Lichtemissionen. „Und dieses Verfahren hätten wir ohne den besonderen Einsatz von Bürgermeister Matthias Möller nie in dieser kurzen Zeit abschließen können“, spricht D‘Agostino ein Sonderlob an den Schlüchterner Rathauschef aus. Üblicherweise erfordere ein solcher Weg drei Monate Zeit - sofern die Unterlagen komplett vorliegen - in diesem Fall sei die Genehmigung nach einem Monat eingetroffen.

Fertighäuser künftig rund um die Uhr: Wochenarbeitszeit reduziert sich bei gleichem Lohn

Möller freut sich über das Lob, das er gleich weitergibt an seine Mitarbeiter, an die beteiligten Behörden, aber auch an Landrat Thorsten Stolz, der selbst an Wochenenden oder spätabends für die Klärung von Fragen zur Verfügung gestanden habe.

Für Möller ist die gefundene Lösung „ein Lichtblick in einer schwierigen Phase“. Und gerade deshalb müsse man die Unternehmer, die durch ihre Steuerzahlungen einen wesentlichen Anteil an der guten Entwicklung der Stadt hätten, in solchen Problemlagen mit aller Kraft unterstützen. Vor diesem Hintergrund ist auch eine Ankündigung zu verstehen, die Möller in diesem Zusammenhang macht: Noch in diesem Jahr soll in der Stadtverordnetenversammlung der Aufstellungsbeschluss „für ein neues Gewerbegebiet gefasst werden, das auch den künftigen Flächenbedarf von Bien-Zenker decken soll“, so Möller. Damit steht jetzt fest, dass der Bürgermeister die seit Jahren diskutierten neuen Gewerbeflächen am Distelrasen ansiedeln will.

2025, so die Prognosen, werden 1100 Häuser die Produktionshallen von Bien-Zenker verlassen

Gut möglich, dass Bien-Zenker tatsächlich Expansionsdrang entwickeln wird: Denn während viele Branchen unter der Corona-Pandemie leiden, läuft das Geschäft mit Fertighäusern wie geschnitten Brot: Bien-Zenker - nach eigenen Angaben einer der „Top 5“ in Deutschland - steigert seine Produktion seit Jahren: Waren es im Jahr 2017 noch 719 fertiggestellte Häuser, wuchs diese Zahl in den Folgejahren von 731 und 751 auf 833 Häuser im Jahr 2020. In diesem Jahr strebt Geschäftsführer D‘Agostino die Zahl von „etwa 900“ an.

Auch die Aussichten sind mittelfristig positiv: Im Jahr 2025, so die Prognosen, werden 1100 Häuser die Produktionshallen von Bien-Zenker verlassen. Interessant, dass diese Prognose weitgehend unabhängig von der allgemeinen Konjunkturentwicklung sein soll: Denn für Wachstum in der Branche sorgt laut D‘Agostino schon allein der Trend, dass mehr und mehr Neubauten als Fertighäuser und nicht mehr „Stein auf Stein“ errichtet werden.

Wachstum in der Branche: Mehr und mehr Neubauten werden als Fertighäuser errichtet

Diese Entwicklung macht sich schon seit geraumer Zeit beim Personalbestand von Bien-Zenker bemerkbar: Lag die Zahl aller Mitarbeiter inklusive Auszubildenden im Jahr 2016 bei 573, so sind es heute 715. Am Distelrasen selbst arbeiten derzeit 450 Mitarbeiter. Mit den Neueinstellungen liegt diese Zahl dann bei über 500. (ag)

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