Sie spüren ihn noch, den Tanz. Seit dem 5. Oktober proben die Tänzerinnen der Gruppe Artodance wieder. Die Ideen seien bei den Proben nur zu gesprudelt, berichtet Monica Opsahl.
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Sie spüren ihn noch, den Tanz. Seit dem 5. Oktober proben die Tänzerinnen der Gruppe Artodance wieder. Die Ideen seien bei den Proben nur zu gesprudelt, berichtet Monica Opsahl.

Musik, Tanz, Vorträge und Kabarett

Der Tanz ist noch zu spüren: Am 11. November startet in Schlüchtern die Kulturwerkwoche

  • Alexander Gies
    vonAlexander Gies
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Sie hat ihr ganzes Leben getanzt. Bis März. Am Freitag, dem 13., war Schluss. „Ich bin mit Sorgen ins Bett und mit Sorgen aufgestanden“, sagt Monica Opsahl über die Corona-Zeit. Jetzt tanzt sie wieder. Gottseidank!

Schlüchtern - Und Gottseidank gibt es auch in diesem Jahr eine Kulturwerkwoche. Das Motto lautet „Wachstum überDenken“. Und selbst wenn die Idee dazu bereits aus dem vergangenen Jahr stammt, so erfährt es in diesen Zeiten doch eine besondere und neue Aktualität.

Die Corona-Pandemie habe vor Augen geführt, dass nicht alles im Leben selbstverständlich sei, dass man Gesellschaft neu, solidarisch und langfristig denken müsse. Dafür steht beispielsweise Christian Felber und seine Idee von der Gemeinwohl-Ökonomie, die er in der Kulturwerk-Halle entfalten will. Das Konzept in Kurzform: Jeder muss sich so verhalten, dass es nicht nur für ihn, sondern für alle gut ist. Die lokale Perspektive zum Thema beleuchten die Protagonisten von der Ökologischen Forschungsstation und dem Klimapakt Schlüchtern.

Am 11. November startet die Kulturwerkwoche mit Musik, Tanz, Vorträgen und Kabarett

Das Programm umfasst sieben Veranstaltungen und damit lediglich drei weniger als sonst. Es enthält bewährte Elemente wie Kunstausstellungen, Vorträge, Musik und Tanz, aber auch Kabarett, und das am neuen Ort: Denn Anka Zink lädt zu ihrem Programm „Das Ende der Bescheidenheit“ nach Steinau ins Theatrium ein. „Das Theatrium von Detlef Heinichen steht für eine so hohe Qualität, das darf nicht verloren gehen“, sagt Monica Opsahl über diese Kooperation. Und Heinichen entwickele aufgrund seiner großen Erfahrung und Vernetzung tolle Ideen, von denen man im Bergwinkel noch sehr profitieren werde.

Auf den Kunsthandwerkermarkt haben die Kulturwerker diesmal coronabedingt verzichtet, auch auf den Vortrag zur Vernissage. Die Corona-Prävention führt allerdings dazu, dass in diesem Jahr nur 42 Besucher die einzelnen Veranstaltungen in der Kulturwerkhalle verfolgen können – üblich sind bis zu 130.

Kulturwerk 2020

Das Programm der Kulturwerkwoche 2020

Mittwoch, 11. November, 18.10 Uhr: Eröffnung/Vernissage der 11. Kulturwerkwoche „Wachstum überDenken“ mit den Gibsies und den Künstlern Ilse Werder, Sarah Heuzeroth, Hubert Soltau, Wilma Roth, Leni Vasconcellos. Eintritt frei mit Anmeldung.

Donnerstag, 12. November, 20.10 Uhr: Kabarett „Das Ende der Bescheidenheit“ – Eine kleine Anleitung zum Größenwahn von Anka Zink, im Theatrium Steinau. Eintritt: 20 Euro.

Freitag, 13. November, 20.10. Uhr: Vortrag „Gemeinwohl-Ökonomie“ von Christian Felber. Eintritt: 16 Euro.

Samstag, 14. November, 20.10 Uhr: Musik – Solo-Cello und Electric-Cello von Wolfram Huschke. Eintritt: 20 Euro.

Sonntag, 15. November, 18.10 Uhr: Alternatives Wachstum – regional, Kurzvorträge, Gespräche, Projekte mit K.H. Schmitt und Gerd Neumann. Eintritt: 12 Euro.

Dienstag, 17. November, 20.10 Uhr: Klassische Musik inkl. Beethoven (Cello und Flügel), Leander Klippenberg und Fernando Martín-Penasco Osorio. Eintritt: 20 Euro.

Donnerstag, 19. November, 20.10 Uhr: „Wort-Bild-Klang“, Bilder, Gedichte und Musik vom Atelier 7 des Rosengarten

Samstag, 21. November, 18.10 und 20.10 Uhr: Tanztheater „Fridy 13t – The day I lost the dance. Der Tag, an dem ich den Tanz verlor“, Artodance. Eintritt: 20 Euro.

Sonntag, 22. November, 16.10 Uhr: Finissage zum nachDENKEN – überDENKEN – neuDENKEN, Versteigerung der Zwischen-Objekte. Eintritt frei mit Anmeldung.

Alle Veranstaltungen finden in der KulturWerkHalle, Gartenstraße 50, in Schlüchtern statt. Ausnahme: Kabarett am Donnerstag, 12. November.

Tänzerinnen haben nur so gesprudelt vor Ideen

Die Organisatoren haben ein ausgefeiltes Hygienekonzept entwickelt, das mit dem Gesundheitsamt und der Stadtverwaltung abgestimmt ist und den Teilnehmern Sicherheit geben soll. In der Halle gibt es Einbahnstraßen, die Maske ist auf dem Weg bis zum Platz zu tragen, der nach Möglichkeit bis zum Ende nicht verlassen werden soll. Auch die Bewirtung erfolgt am Platz, und Karten gibt es diesmal nur online.

Kartenvorverkauf

- Karten können nur online erworben werden mit Angabe von Name, Adresse und Kontaktdaten.

- Karten für „Eintritt frei“-Veranstaltungen gibt es mit Registrierung am Eingang, keine Abendkasse.

- Einlass nur mit gültiger Karte ab 20 Minuten bis fünf Minuten vor Veranstaltungsbeginn.

- Die Personalisierung der Karten kann vor Ort geändert werden.

- Einlass nur mit Mund-Nasen-Bedeckung.

- Speise- und Getränkeangebot nur durch Bedienung am Platz und nur gegen Barzahlung möglich.

Opsahl, die Choreografin, Tänzerin und Kulturpreisträgerin des Main-Kinzig-Kreises, empfand nach dem Lockdown eine Angst. Angst, „dass meine Mädchen den Tanz nicht mehr spüren“, wie sie es formuliert. „Ich habe fieberhaft überlegt, wie ich die Tanzschule am Leben erhalten kann, habe einen Livestream angeboten, aber das ist nicht dasselbe wie die gemeinsame Bewegung im Saal“, hat sie festgestellt. Mit „Sorgen ins Bett, mit Sorgen wieder raus“, das traf auch auf ihre wirtschaftliche Situation zu, denn der Ballettsaal war ein halbes Jahr geschlossen, und finanzielle Hilfen hat sie nicht erhalten. „Es war alles weg, von dem ich sonst leben kann“, schildert sie.

Dann kam der 5. Oktober. Der erste Probentermin für die Kulturwoche. Die Sorge, die Mädchen würden den Tanz nicht mehr „spüren“, war unbegründet: „Es war, als öffnete man einen Wasserhahn: Die Ideen sind nur so gesprudelt. Ich habe die Nacht danach fast nicht geschlafen, so aufgeregt war ich“, schildert Opsahl. „Wir haben drei Tage durchgetanzt. Es war so fantastisch. Ein Rhythmus, ein Herzschlag.“ Die Tänzerin hatte den Tanz verloren. Jetzt hat sie ihn wieder.

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