Hier geht es um die Wolle: Seit vier Jahrzehnten gibt das Geschäft von Dagmar Marburger.
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Hier geht es um die Wolle: Seit vier Jahrzehnten gibt das Geschäft von Dagmar Marburger.

Ruhestand beginnt bald

Dagmar Marburger von der Wollstube in Schlüchtern sucht Nachfolger

  • Lena Quandt
    vonLena Quandt
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Die Wollstube in Schlüchtern ist eine Institution. Nun sucht Inhaberin Dagmar Marburger nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger für ihr Lebenswerk. Ende des Jahres geht Marburger in Rente. Der Laden soll nach ihrem Wunsch aber weiterhin bestehen. 

Schlüchtern - „Das hier ist mein Baby“, sagt Dagmar Marburger und blickt sich in ihrem Wolllädchen um. Seit 40 Jahren verkauft die gebürtige Gersfelderin in Schlüchtern – erst in der Wassergasse, dann in der Obertorstraße – alles, was das Strickerherz begehrt. Die Liebe hatte sie einst in die Bergwinkelstadt geführt. Ihr Ehemann ist bereits seit zehn Jahren in Rente. Zum Jahresende geht auch Marburger in den verdienten Ruhestand. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagt sie: „Ich will mich nicht mehr so festlegen. Die Zeit ist reif. Ich habe mir das gut überlegt.“ Dass es ihr schwerfällt, merkt man trotzdem. Denn die Wollstube, das war nicht einfach nur ein Job.

„Eigentlich habe ich Sozialpädagogik in Fulda studiert, doch schnell habe ich gemerkt, dass ich für etwas anderes brenne: die Handarbeit, die Kreativität“, erzählt die 61-Jährige. Die Geschäftsräume in der Wassergasse hatte sie 1981 mit ihrem Mann in Eigenleistung renoviert, doch schon bald waren sie zu klein. 1984 folgte der Umzug in die neuen Verkaufsräume in der Obertorstraße. Die beiden Töchter – inzwischen sind sie 40 und 34 Jahre alt – wuchsen quasi im Laden auf. „Manchmal frage ich mich, wie ich das damals alles geschafft habe“, sagt Marburger. Die Töchter haben andere berufliche Laufbahnen eingeschlagen, das ist für die Geschäftsfrau aber vollkommen in Ordnung.

Wollstube in Schlüchtern: Finanziell gut gestellter Laden sucht Nachfolger

„Selbstständig sein, das muss man wollen“, findet sie. Und Marburger wollte. Der Anfang in Schlüchtern sei schwierig gewesen, berichtet die Ladenbesitzerin. „Was weiß die junge Frau schon vom Stricken, das haben sich viele gedacht“, erzählt sie mit einem Augenzwinkern. Sie wurden eines Besseren belehrt. Marburgers Kundenstamm ist in den vergangenen Jahrzehnten stetig gewachsen. Der Laden steht finanziell gut da. Die Kundschaft kommt nicht nur aus der Region, sondern aus ganz Deutschland, zum Beispiel aus Köln und Dortmund. Regelmäßig kaufen auch Touristen vom Campingplatz Hutten-Heiligenborn bei ihr ein. Fachlich macht Marburger so schnell keiner was vor. Das schätzen ihre Kunden. „Ich bin wohl mit der Stricknadel auf die Welt gekommen“, sagt die 61-Jährige und wirkt offenkundig fröhlich dabei.

Die Selbstständigkeit sei eine große Chance gewesen, berichtet sie. Und fügt hinzu: „Wenn andere davon erzählen, wie unwohl sie sich in ihrem Job fühlen, denke ich immer daran, was ich für ein Glück hatte. Ich war mein eigener Chef, konnte tun und lassen, was ich wollte und habe von meinen Kunden eine so große Wertschätzung erfahren. Das geht im Arbeitsleben nur wenigen Menschen so.“ Wie zufrieden Marburger ist, spiegelt sich in ihrer herzlichen, gewinnenden Art und in einer ganz erstaunlichen Bilanz: In 40 Arbeitsjahren ist sie nicht ein einziges Mal krank gewesen. Vielleicht liegt es aber auch am Stricken. Denn die Schlüchternerin findet: „Stricken entspannt. Es ist wie Yoga oder wie Meditieren. Das tut jedem gut.“

Wollstube in Schlüchtern soll trotz Ruhestand fortbestehen

Einen Wunsch für den Ruhestand hat sie: Die Wollstube soll fortbestehen. Dafür sucht Marburger nach einem geeigneten Nachfolger. „Ich habe viele Kundinnen, bei denen ich mir das vorstellen könnte, aber es braucht für diesen Schritt auch eine gehörige Portion Mut“, erläutert sie. Wer Interesse hat, die Wollstube zu übernehmen, kann entweder spontan im Laden vorbeikommen – die Öffnungszeiten sind während der Sommerferien stets von 9 bis 13 Uhr, erst danach ist das Geschäft wieder bis 18 Uhr geöffnet – oder sich unter der Nummer (06661) 1337 melden. Die Arbeit in der Wollstube sei ein Saisongeschäft, erklärt Marburger. „Im Winter ist es viel Arbeit, und im Sommer ist es ruhiger, und man hat auch Zeit, um sich auszuruhen. Das hat seine Vorteile.“

Wer die Wollstube übernehmen möchte, muss dies nicht alleine tun. Wenn Interesse daran bestünde, könnte sich Marbuger auch vorstellen, einen Tag in der Woche noch mitzuarbeiten oder als Urlaubsvertretung einzuspringen. Dies sei jedoch nur ein Angebot und keinesfalls die Bedingung für eine Geschäftsübernahme, betont sie.

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