Der Abriss des Langer-Areals.
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Ein Bild vom Abriss. Jetzt lautet die Frage: Was entsteht auf dem Areal?

„Bezahlbarer Wohnraum“

Fußgängerzone, Bäume, Teich: So soll das Langer-Areal in Schlüchtern aussehen - Das sind die nächsten Schritte

Wohnen, Handel und Gewerbe: Das soll auf dem ehemaligen Langer-Areal in Schlüchterns „Neuer Mitte“ entstehen – und eine Fußgängerzone. Jetzt stehen wichtige Weichenstellungen an.

Schlüchtern - So sollen die Stadtverordneten nächste Woche den Bebauungsplan für die knapp ein Hektar große Fläche auf den Weg bringen. Gleichzeitig soll der Startschuss für das sogenannte strukturierte Bieterverfahren gegeben werden.

Damit soll in einem mehrstufigen Prozess bis Ende 2021 ein Investor gefunden werden, der die überwiegend gewerblich genutzten Gebäude entlang der Obertorstraße errichtet. Darin sind Einzelhandel, Büros, Praxen sowie hochwertige Wohnungen vorgesehen. Bürgermeister Matthias Möller (parteilos) spricht von Interessenten aus den Sparten Schuhe, Textilien, Fitness und „für einen kleinen Bio-Lebensmittel-Markt“. Ebenso wäre es sein Wunsch, hier die Post anzusiedeln. „Unsere Vorstellung von der Neuen Mitte stößt bei vielen potenziellen Investoren auf Begeisterung“, sagt der Bürgermeister.

Schlüchtern: So soll das Langer-Areal aussehen - das sind die nächsten Schritte

Ursprünglich war entlang der Obertorstraße nur ein Gebäude geplant, jetzt sind es zwei, die laut einer ersten Skizze niedriger ausfallen als die benachbarten Gebäude auf dem Sparkassen-Areal. Der Clou: Zwischen den beiden Objekten soll eine Fußgängerpassage entstehen. „Das hat etliche tolle Effekte“, ist Thomas Rau überzeugt. Er ist Mitglied der verwaltungsinternen Lenkungsgruppe im Rathaus. Diese Fußgängerzone verlängere die Grabenstraße, sodass man beispielsweise von der Synagoge direkt zum Kultur- und Begegnungszentrum gelangen könne. Zugleich schaffe sie zusätzlich Flächen für Schaufenster und „ist ein klares Signal für den Einzelhandel“, betont Möller: „Das ist ein ganz starker Kniff und sorgt für mehr Belebung, da bin ich mir sicher.“

Die Ideen sind das Ergebnis einer städtebaulichen Studie, die das Architekturbüro Reith Wehner Storch vorgelegt hat. Neben der Fußgängerzone sind wesentliche Merkmale viel Grün, eine offene und weitläufige Gestaltung, ausreichend Platz zum Spielen sowie ein Teich zur Erholung. 

Die Entscheider

Das zentrale Entscheidungsgremium des Projekts ist der Steuerkreis Langer, der sich aus dem Bürgermeister, dem Ersten Stadtrat, den Fraktionsvorsitzenden sowie der Arbeitsgruppe Langer des Rathauses zusammensetzt.

Dieser sogenannten Rathausgruppe gehören neben dem Bürgermeister Lydia Kohlhepp und Thomas Rau aus der Finanzverwaltung an. Die Rathausgruppe, welche die Verhandlungen mit den möglichen Investoren führt, bedient sich bei der Durchführung des strukturierten Bieterverfahrens der Dienste des Beraterteams Dr. Seebo/Professor Fellmann aus einer Leipziger Kanzlei.

Der Steuerkreis Langer gibt die Ausschreibung frei, berät und bestätigt die Bieterauswahl sowie die Ergebnisse jeder Verhandlungsrunde.

Am Ende beschließt die Stadtverordnetenversammlung den Vertrag mit dem Investor.

So könnte das ehemalige Langer-Areal aussehen.

Der Bau des Kultur- und Begegnungszentrums an der Lotichiusstraße soll bis spätestens Ende 2023 abgeschlossen sein, der Gewerbebereich folge idealerweise etwa eineinhalb Jahre später, sagt Rau. Als dritter und letzter Teil soll der mittlere Bereich entlang der Bahnhofstraße entwickelt werden. Dort sind insgesamt drei Gebäude vorgesehen, in denen ausschließlich Wohnungen angedacht sind. 

Insgesamt 5000 Quadratmeter für Wohnungen

Dabei gehe es um insgesamt 5000 Quadratmeter Wohnfläche, sagt Möller, aufgeteilt in Wohnungen für Singles, Senioren und Familien, zum Teil barrierefrei und zum Teil ausgeführt als „bezahlbarer Wohnraum“, der staatlich mit einer Million Euro gefördert wird. Der Bürgermeister spricht von insgesamt 50 bis 60 Wohnungen mitten in der Stadt. Möllers Wunsch ist es, diese drei Gebäude als Stadt oder durch die geplante Stadtentwicklungsgesellschaft zu planen und zu bauen.

Von links nach rechts: Dem geplanten Kultur- und Begegnungszentrum schließen sich drei Gebäude mit Wohnungen entlang der Bahnhofstraße an. An der Obertorstraße entstehen zwei gewerbliche Gebäude, dazwischen eine Fußgängerzone. In Tiefgaragen gibt es über 110 Parkplätze, auf Straßenniveau weitere.

KBZ

Wie Bürgermeister Matthias Möller mitteilt, ist die baufachliche Prüfung des geplanten Kultur- und Begegnungszentrums (KBZ) abgeschlossen mit dem Ergebnis, dass die volle Fördersumme erwartet werden kann. Jetzt werde die Baugenehmigung beantragt, sodass mit einem Baubeginn im Sommer gerechnet werden könne, so Möller. Die Fertigstellung ist für Ende 2023 geplant.

Dies hängt allerdings davon ab, dass die Stadtverordneten der Gründung einer solchen Gesellschaft zustimmen. Möller will in dieser Frage „den Fuß vom Gas nehmen, um alle mitzunehmen“, wie er sagt. Denn in der Haushaltsdebatte Ende 2020 hatte die SPD erklärt, die Notwendigkeit für eine solche Gesellschaft noch nicht zu sehen. Möller möchte deshalb „den Bogen nicht überspannen“. Deshalb soll die Gesellschaft zunächst nur den Betrieb der Kindererlebniswelt übernehmen, bevor im Sommer die Entscheidung anstehe, ob sie auch Bauherrin für die drei Wohngebäude werden soll. Sofern dies nicht gewünscht ist, soll im dritten Quartal diesen Jahres auch für dieses Vorhaben ein Investor gesucht werden.

In den weiteren Prozess werden die städtischen Gremien eingebunden, die Gruppe der „Lokalen Partner“ aus dem Förderprogramm „Lebendige Zentren“ sowie der Verein für Wirtschaft und Tourismus (Wito) als Interessensvertretung der Gewerbetreibenden. Die Bürger werden über die Medien informiert, ihre Vorschläge aufgenommen.

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