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Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einer Bewährungsstrafe. (Symbolbild)

Urteil gesprochen

Heftiger Ausraster vor Discounter: 28-Jähriger von Polizei kaum zu bändigen

Vier Polizisten waren nötig, um bei einem Vorfall Mitte Januar den 28-Jährigen zu bändigen. Jetzt saß er reumütig auf der Anklagebank des Amtsgerichts Gelnhausen und nahm geduldig seine Strafe entgegen.

  • Vier Polizisten mussten den 28-Jährigen bändigen
  • Gericht verhängt Freiheitsstrafe von vier Monaten auf Bewährung
  • Vorfall in Schlüchtern

Schlüchtern - Wegen tätlichen Angriffs, Widerstandes gegen Polizeibeamte, zwei Fällen von vorsätzlicher Körperverletzung und dreifacher Beleidigung wurde der Verkäufer zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten verurteilt, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Außerdem muss er jeweils 300 Euro an den Weißen Ring sowie einen der beiden verletzten Polizisten bezahlen. Weil er zur Tatzeit mindestens 2,3 Promille Alkohol im Blut hatte, wurde eine verminderte Schuldfähigkeit berücksichtigt. Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Monate gefordert.

Alles fing an dem Januar-Tag dieses Jahres damit an, dass die Freundin mit dem Bad Orber Schluss gemacht hatte. Also beschloss er, mitten am Nachmittag den Kummer mit Alkohol zu ertränken. Für das Frusttrinken kaufte er sich Bierdosen in einem Discounter am Stadtrand von Schlüchtern. Nachdem diese erste Ration geleert war, ging es um Nachschub. Diesen besorgte er sich in einem angrenzenden Markt, fiel dabei aber durch Pöbeleien gegenüber Kunden auf. Ein Mitarbeiter des Geschäfts rief die Polizei.

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Bei Kontakt mit Polizei: 28-Jähriger Bad Orber reagiert sofort aggressiv

Eine Streife traf den Mann außerhalb des Ladens an und verlangte seinen Ausweis. Doch der 28-Jährige gab sich unwissend und wollte weiter seines Weges gehen. Das unterband ein Beamter, indem er ihn festhielt. Der Kurstädter reagierte sofort aggressiv, warf seinen Geldbeutel samt Papieren den Einsatzkräften vor die Füße und kündigte an, weitergehen zu wollen. Als sein Widerstand größer wurde, brachten die Beamten ihn zu Boden und legten ihm Handfesseln an.

Doch damit war die Lage noch lange nicht unter Kontrolle. Der Orber überschüttete die Amtspersonen permanent mit wüstesten, Ausdrücken, trat gegen sie und versuchte, sich gegen sein Verfrachten in den Polizeibus zu wehren. Dabei purzelte er tatsächlich einmal wieder aus dem Fahrzeug zurück auf den Parkplatz. In dieser angespannten Situation kam zufällig ein Einsatzwagen der Bereitschaftspolizei Mühlheim auf den Parkplatz gefahren. Die beiden Insassen erkannten sofort die Notlage ihrer Kollegen und griffen mit ein. Zu viert gelang es dann, den Angeklagten in das Fahrzeug zu verfrachten und zur Dienststelle zu bringen.

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Dort gingen die Aggressionen weiter, so heftig, dass der Mann es schaffte, beim Anlegen von Fußfesseln den zugehörigen Schlüssel abzubrechen, so dass diese unbrauchbar wurden. Als er auch noch anfing, seinen Kopf gegen die Wand zu schlagen und sich selbst zu verletzen, gab es nur noch eine Möglichkeit: Den Aggressor wieder zurück in den Streifenwagen zu verfrachten und in die Psychiatrie zu bringen. Dort war erst Ruhe, nachdem der Mann an ein Bett fixiert war. Vorher hatte er das Klinikpersonal aggressiv angegangen und teilweise verbal sexuell belästigt. Zwei Beamte wurden bei dem Einsatz leicht verletzt – einer bekam einen Tritt in den Bauch, der durch seine Schutzweste abgefedert wurde.

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Der 28-Jährige konnte sich sein Verhalten vor Gericht nicht erklären, sondern war über sich selbst entsetzt. An Details der Szenerie erinnerte er sich nur „schwammig“. Erst in der Psychiatrie sei er wieder richtig zu sich gekommen. Seine Freundin hatte mit ihm Schluss gemacht. Das hatte ihn sehr aufgebracht, schließlich hatte er wegen ihr seine Familie – Ankerpunkt in seinem Leben – verlassen und war hier in die Region gezogen. Außerdem war ihm von der Justiz Haft angedroht worden, falls er ausstehende Rechnungen nicht begleiche. Schließlich ist der Orber wegen Suchtdelikten dreifach vorbestraft.

Richter Dr. Wolfgang Ott sprach von einem Alkoholproblem bei dem Angeklagten und mahnte ihn deswegen: Er solle in seinem weiteren Leben gut auf sich aufpassen. (ls)

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