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Geschubse in Schlüchterner Schulbussen: Besorgte Eltern starten Petition

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Landrat Thorsten Stolz (von links), Lara Reichel, Luis Hofacker und Dirk Leisenberg bei der Übergabe der Petition.
Landrat Thorsten Stolz (von links), Lara Reichel, Luis Hofacker und Dirk Leisenberg bei der Übergabe der Petition. © Nils Berkel

Der Vorsitzende des Schulelternbeirats des Schlüchterner Ulrich-von-Hutten-Gymnasiums, Dr. Dirk Leisenberg, hat am Freitag an Landrat Thorsten Stolz (SPD) eine offene Petition zur heiklen Busverkehrsituation vor den Schlüchterner Schulen, wie am Untertor unweit des Hutten-Gymnasiums, übergeben.

Schlüchtern - Wie Leisenberg erklärte, habe er seit einiger Zeit immer wieder Beschwerden von Eltern mitbekommen, die Angst um ihre Kinder hätten. So hätten Eltern berichtet, dass ihre Kinder im Busverkehr vor und nach der Schule regelrechten Gefahrensituationen ausgesetzt seien.

Die Busse seien zum Teil überfüllt, Kinder teilweise nicht mitgenommen worden, ohne die Möglichkeit, die Eltern zu kontaktieren. Und diese Situationen wiederum hätten mitunter dafür gesorgt, dass Mädchen und Jungen im Gedränge vor den Bushaltestellen geschubst worden seien.

Schlüchtern: Geschubse in Schulbussen - Eltern starten Petition

Aber auch die Busfahrten selbst seien vor allem für kleinere Kinder nicht ungefährlich, weil sich diese nicht richtig festhalten könnten, berichteten Lara Reichel und Luis Hofacker von der Schülervertretung des Hutten-Gymnasiums. Die Enge und das Gedränge wiederum sorgten dafür, dass sich viele Schüler aus Angst vor einer möglichen Ansteckung mit Corona und einer folgenden Quarantäne und dem damit einhergehenden Verpassen des Unterrichtsstoffs, gar nicht mehr trauen würden, mit den überfüllten Bussen zu fahren. (Lesen Sie hier: Corona-Ausbruch nach Busfahrten im Main-Kinzig-Kreis)

Wie die aus Niederzell stammende, 18-jährige Lara Reichel berichtete, fahre sie selbst jeden Morgen aus dem Schlüchterner Stadtteil mit dem Auto zur Schule. Und sie nehme noch drei jüngere Schüler mit. Für diese sei das schneller und sicherer. Schneller, weil der Bus ins drei Kilometer entfernte Niederzell erstmal über Herolz, Ahlersbach und Hohenzell fahre, ehe die Niederzeller Kinder gut eine halbe Stunde später ihren Heimatort erreichten – aber das ist ein anderes Thema.

Zur Sicherheit, mal ganz abgesehen von den fehlenden Corona-Abständen, die in den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht eingehalten werden müssen, hinterfragte Leisenberg, warum die Kinder stehend bei Überlandfahrten mitgenommen würden. „Wenn sie mit dem Auto in der Stadt unterwegs sind, müssen sie angeschnallt sein“, sagte er nachdenklich.

Zu wenige Busfahrer? Landrat Stolz nimmt Stellung zu Bus-Petition

Landrat Stolz räumte diese Gefahren ein. Und er sagte gleich: „Es darf kein Kind zurückgelassen werden. Das geht gar nicht.“ Allerdings sei es schwer, die Gefahrenquellen von heute auf morgen zu beheben: „Geld ist nicht das Problem, sondern die zu geringe Anzahl an Busfahrern.“ Als mögliche Lösung bot er an, in Stoßzeiten zusätzliche Fahrzeuge einzusetzen. Das würde die großen Schülermassen etwas verteilen, wodurch es weniger Geschubse gäbe und die Abstände besser eingehalten werden könnten.

Allerdings könnten zusätzliche Busse auch nur begrenzt eingesetzt werden. Dass Schüler zurückgelassen werden, sei unentschuldbar, hob er nochmals hervor. In solchen Fällen sollten sich die Eltern direkt bei den Busgesellschaften melden. Am besten mit so konkreten Informationen wie möglich – Linie, Uhrzeit, damit die Verkehrsgesellschaft und auch das befördernde Busunternehmen wüssten, wo etwas zu ändern sei.

Stolz sagte zu, er werde die gut 300 Unterschriften zählende offene Petition direkt an den Kreisbeigeordneten Winfried Ottmann (CDU), der zuständig für Schulen und Personennahverkehr ist, weitergeben. Zudem bot er Gespräche mit der Kreisverkehrgesellschaft an, um gemeinsam Lösungen zu finden. (Von Nils Berkel)

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