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Zweifel an Dauerbetrieb des „Blitzers“: Tempomessgerät in Herolz beschäftigt Ortsbeirat erneut

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Blitzer Herolz
Das Tempomessgerät vor der Grundschule in der Ortsdurchfahrt von Herolz. © Hanns Szczepanek

Raser, Lärmbelästigung: Die Verkehrsproblematik in der Brückenauer Straße lässt den Ortsbeirat von Herolz nicht los. In seiner Sitzung am Donnerstagabend (27. Oktober) berichtete Ortsvorsteher Marius Euler von ersten Ergebnissen der Geschwindigkeitsmessungen von Juli bis September.

Schlüchtern - Hierbei seien 150 geringfügige Überschreitungen festgehalten worden. 29 000 Autos und 1500 Lastwagen hätten die „Blitzersäule“ an der Grundschule während insgesamt 36 Stunden passiert. Die Zahl der Überschreitungen betrage nur 0,82 Prozent. Bei einer zweiten Überprüfung seien es in 29 Stunden 11 700 Fahrzeuge gewesen, 56 davon wurden geblitzt.

Die Ortsbeiratsmitglieder fragten sich, ob nur zu bestimmten Zeiten gemessen wurde, weil in der Regel mehr als 10 000 Fahrzeuge pro Tag das Messgerät passieren würden. „Wird hier nur bis 14 Uhr geblitzt oder ist die Säule 24 Stunden in Betrieb?“, wollte ein Ortsbeiratsmitglied wissen. Ein anderer berichtete von einem „Selbstversuch“ am Nachmittag, bei dem er mit einer Geschwindigkeit von etwa 60 Stundenkilometern die Stelle passiert habe, ohne dass es geblitzt habe.

Main-Kinzig-Kreis: Zweifel an Dauerbetrieb des Blitzers in Herolz werden lauter

Die Mutmaßung, dass nur zeitweise geblitzt werde, um die Sicherheit zu gewährleisten, halte sich in der Ortsbevölkerung hartnäckig. Zwischen 7 und 14 Uhr sei dort Tempo 30 vorgeschrieben. „Wenn der Blitzer nicht 24 Stunden in Betrieb ist, wäre das verwaltungstechnisch ein Skandal“, meinte Rudi Mihm von Bürgerinitiative gegen Lärm. (Lesen Sie hier: „Stapelweise Krankmeldungen“: Hausärzte kämpfen mit ungewöhnlicher hoher Patientenzahl)

Dem Wunsch des Ortsbeirats, dass Schlüchterns Stadtpolizei auch nachts mit mobilen Geräten die gefahrenen Geschwindigkeiten überprüfen sollte, sei die Stadtverwaltung „aus arbeitsrechtlichen Gründen und Fürsorge“ bisher nicht nachgekommen. Man blitze dort, wo sich Verkehrsunfälle häuften oder Personen besonders geschützt werden müssten, etwa vor Schulen oder Kindergärten.

Die Anschaffung eines sogenannten Enforcement-Trailers, der wie ein Anhänger aussieht und mobil ist – also in allen Stadtteilen eingesetzt werden könnte –, sei nicht möglich, weil der Trailer als stationäre Anlage angesehen werde und daher eine Standortgenehmigung erforderlich sei, sagte Ortsvorsteher Euler. Sein Stellvertreter Rudolf Falk erklärte, dass alle Möglichkeiten, um Raser einzubremsen, ausgelotet worden seien. „Wir können uns nur noch auf die Straße legen und uns überfahren lassen“, sagte Falk sarkastisch. Tempomessungen seien erst 150 Meter nach dem Ortsschild zulässig. Mihm forderte die Installation eines Seitenmessgeräts und will daher bei den hiesigen Landtagsabgeordneten vorsprechen.

Dass Hessen Mobil einem Tempolimit von 60 Stundenkilometern zwischen Sannerz und Herolz (Main-Kinzig-Kreis) zustimme, hielt Falk für unwahrscheinlich. Ortsvorsteher Euler bemüht sich weiter um detaillierte Informationen zu den Messungen. Der Ortsbeirat fordert eine Datenreihe der vorgenommenen Radarkontrollen, aus der ersichtlich ist, wann geblitzt wurde. (von Dietmar Kelkel)

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