Der Leiter der Malteser-Flüchtlingsarbeit, Ismail Asimi, mit zwei Helfern und der ehemalige Malteser-Präsident Deutschland, Constantin von Brandenstein, vor Hof Reith.
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Der Leiter der Malteser-Flüchtlingsarbeit, Ismail Asimi (vorne), mit zwei Helfern (Familie Faust aus Schlüchtern) und der ehemalige Malteser-Präsident Deutschland, Constantin von Brandenstein (rechts), vor Hof Reith.

161 Bewohner in Quarantäne

Malteser auf Hof Reith im Dauereinsatz - Brandenstein: „Wir brauchen dringend Hilfe“

  • Tim Bachmann
    vonTim Bachmann
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Die Einkaufslisten sind lang und nicht immer komplett zu entziffern – und dennoch ist die Hilfe Gold wert: Seit vor gut einer Woche das erste Gebäude von Hof Reith unter Quarantäne gestellt wurde, sind die Malteser dort im Einsatz. Ehrenamtliche kaufen für die nunmehr 161 unter Quarantäne stehenden Bewohner ein. Eine Mammutaufgabe, für die dringend weitere Hände benötigt werden. 

Schlüchtern - Es ist ruhig rund um Hof Reith. Sechs Security-Leute in gelben Warnwesten drehen ihre Runden um die Erstaufnahme-Einrichtung des Kreises. Ein Schild zeigt an, dass hier Besuchsverbot herrscht. Hof Reith und die 161 Bewohner stehen seit einigen Tagen, nachdem 21 Menschen positiv auf das Corona-Virus getestet wurden, unter Voll-Quarantäne.

Unter den „geduldeten Besuchern“ ist Ismail Asimi (39). Der gebürtige Afghane aus Fulda ist Leiter der Malteser-Flüchtlingsarbeit im Main-Kinzig-Kreis. Er koordiniert die Hilfe, die hier von den Maltesern erbracht wird. Viermal die Woche gehen Ehrenamtliche – ausgestattet mit zahlreichen „Wunschlisten“– auf Einkaufstour. Besorgungen für 161 Menschen? Ein Mammutprojekt, das gut durchchoreografiert sein muss.

Corona-Quarantäne: Malteser auf Hof Reith in Schlüchtern im Dauereinsatz

„‚Isi‘ ist eine Allzweckwaffe“, schwärmt Constantin von Brandenstein, ehemaliger Präsident der Malteser Deutschland, von dem 39-Jährigen. Kein Wunder, spricht dieser mit Deutsch, Arabisch, Farsi, Dari und Englisch doch gleich fünf Sprachen – und versteht dazu noch zahlreiche Dialekte, sodass er auf Hof Reith quasi mit jedem sprechen kann (Lesen Sie hier: Corona-Hotspot in Pilgerzeller Flüchtlingsheim: Mindestens 21 Bewohner infiziert)

Aufruf

Die Malteser benötigen für ihre Einkaufsdienste ehrenamtliche Helfer. Momentan sind sie montags, dienstags, donnerstags und freitags jeweils ab 12 Uhr im Einsatz. „Man kann aber jederzeit dazustoßen. Auch am Nachmittag“, erklärt Ismail Asimi. Wer helfen möchte kann sich unter 0151 61382170 oder per E-Mail melden: ismail.asimi@malteser.org / tim

Und Ismail Asimi hilft gern, denn er weiß, was es bedeutet, in einem fremden Land neu anzufangen: Als er sieben Jahre alt war, ist er mit seinem Vater und zwei Schwestern nach Deutschland gekommen. neun Jahre lang arbeitete der Vater, bis genug Geld da war, dass Ismail Asimis Mutter und die drei Brüder nachkommen konnten. „Ich habe erlebt, wie sich das angefühlt hat. Und ich wollte einfach etwas zurückgeben“, sagt er über seine Beweggründe, bei den Maltesern einzusteigen. Inzwischen hat der Fuldaer eine deutsche Frau und selbst fünf Kinder.

Ehrenamtliche kaufen für 161 Bewohner ein - Hilfe benötigt

Zurück zum Tagesgeschäft: Asimi hat etwa 20 Listen dabei. Darauf stehen die Wünsche der Bewohner, die an diesem Tag eingekauft werden sollen. Um an die Infos zu kommen, was benötigt wird und wie alles koordiniert werden kann, hat Asimi zwei WhatsApp-Gruppen aufgemacht. Eine für die 161 Bewohner, die andere für die Ehrenamtlichen. An die verteilt Asimi nun Listen und Geldbörsen. Die Erfahrung zeigt: Der Einkauf wird einige Zeit dauern. Gerade, wenn nur vier Helfer da sind. Diese besorgen bei ihren Fahrten Waren für etwa 800 Euro. Zig Einkaufswagen kommen zusammen, zu finden sind zehn Kilogramm Zucker, 14 Kilogramm Mehl, 36 Liter Mineralwasser. Schlepp-Arbeit.

„Ich kann einen Einkaufswagen schieben. Mehr kann ich leider nicht“, scherzt Constantin von Brandenstein. Dann aber sagt der ehemalige Malteser-Präsident ernst : „Wir brauchen dringend Hilfe.“

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