Im Herkules-Baumarkt in Schlüchtern biss der Maskenverweigerer auf Granit: Letztlich musste er den Markt verlassen, weil er keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen wollte.
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Im Herkules-Baumarkt in Schlüchtern biss der Maskenverweigerer auf Granit: Letztlich musste er den Markt verlassen, weil er keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen wollte.

Attest nicht glaubhaft

Hartnäckiger Maskenverweigerer muss Baumarkt in Schlüchtern verlassen - Chef: „Ich bin stolz auf meine Mitarbeiter“

  • Alexander Gies
    vonAlexander Gies
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Beharrlich und konsequent haben sich Mitarbeiter des Herkules-Baumarktes in Schlüchtern einem Masken-Verweigerer entgegengestellt. Für ihren Chef sind sie ein bisschen wie Helden.

Schlüchtern - „Das erleben wir leider jeden Tag x-fach“, erklärt Florian Kramm, Geschäftsführer von 38 Herkules-Lebensmittel- und 23 -Baumärkten in Hessen und Thüringen: Kunden, welche die Maske verweigern und ohne Schutz einkaufen gehen wollen. Zum Teil würden dann gefälschte oder dubiose Atteste vorgelegt, die aus dem Internet heruntergeladen wurden und mit dem Siegel eines angeblichen „Bundesgesundheitsministers“ Seriosität vorgaukeln sollen.

So ähnlich war es auch am Montagnachmittag im Herkules-Baumarkt in Schlüchtern. Dort hatte die Belegeschaft ohnehin mit der jährlichen Inventur und der Beratung der Kunden gut zu tun, berichtet Kramm. Und dann erblickte der Marktleiter einen Kunden ohne Maske, der ihn fortan eine Dreiviertelstunde von der Arbeit abhalten sollte.

Hartnäckiger Maskenverweigerer muss Baumarkt in Schlüchtern verlassen

Denn der Mann habe erklärt, von der Maskenpflicht befreit zu sein. Ein Attest habe der Kunde aber zunächst nicht vorlegen wollen. Das würde seine Persönlichkeits- und Datenschutzrechte verletzen. „Doch wir haben entschieden, konsequent zu sein: Entweder trägt jemand Maske, legt ein echtes Attest vor oder wir machen von unserem Hausrecht Gebrauch“, erläutert Kramm die Marschrichtung des Unternehmens, das damit seiner Mitwirkungspflicht bei der Durchsetzung staatlicher Anordnungen nachkomme. (Lesen Sie hier: Nach steigenden Coronavirus-Infektionszahlen im Main-Kinzig-Kreis gelten verschärfte Regelungen)

Auf die wiederholte Aufforderung habe der Mann entgegnet „Ich hoffe, sie wollen mich nicht der Lüge bezichtigen!“ und mit seinen „guten Anwälten“ gedroht. Auch der herbeigerufene Verkaufsleiter habe den Mann nicht zum Einlenken bewegen können. Letztlich schalteten die Mitarbeiter die städtische Ordnungspolizei ein, die laut Kramm „schnell da war und beherzt eingegriffen“ habe. Der Mann habe schließlich ein Foto von einem Attest vorgezeigt, das aber weder den Mitarbeitern noch den Stadtpolizisten „glaubhaft“ genug war, um es für echt zu halten.

Dem Mann blieben nur zwei Möglichkeiten: Maske anziehen oder den Markt verlassen, was er dann auch getan habe. Aber nicht ohne zum Abschied noch mit einer Klage zu drohen.

Baumarkt-Chef: Ich bin stolz auf meine Mitarbeiter

Für Florian Kramm ist das kein Einzelfall. „Maskenverweigerer kommen in unseren Märkten jeden Tag vor. Und es werden mehr. Aber wir sprechen jeden an: Maske überziehen oder das Geschäft verlassen“. Jeder Markt zähle am Tag zwischen 2000 und 3000 Kunden, da könne man es sich nicht erlauben, die Gesundheit so vieler Menschen aufs Spiel zu setzen. Es gehe auch darum, Nachahmer zu verhindern. Denn zeige man einmal Nachsicht, räche sich das.

Dem konsequenten Handeln seiner Mitarbeiter zollt Kramm Respekt. „Ich bin stolz auf sie. Das ist für sie eine echte Herausforderung und mit Sicherheit der schwerere Weg, als über solche Vorfälle einfach hinwegzusehen. Ich bin dankbar, dass die Mitarbeiter voll hinter uns stehen.“

Chef dankt der Stadtpolizei in Schlüchtern

Dabei ist es nicht so, dass Kramm etwas gegen Kritik an den Corona-Maßnahmen hätte. „Das ist ja gerade eine Stärke unserer Demokratie, dass Widerspruch jederzeit möglich sein muss. Aber es ist nicht zu tolerieren, dabei so vorzugehen, wie es der Mann getan hat“, stellt er klar.

Einen Grund für den wachsenden Widerstand erkennt der Geschäftsführer in „dem Wirrwarr an Regeln“, die in Deutschland gelten. „Ich bin ein großer Freund des Föderalismus, aber mehr einheitliche oder zumindest ähnliche Regeln in allen Bundesländern würden uns die Arbeit sicher erleichtern“, sagt Kramm. Dank spricht er den staatlichen Kontrolleuren wie der Stadtpolizei aus. „Ich finde es klasse, dass seit geraumer Zeit mehr kontrolliert wird und die Mitarbeiter zu uns in den Markt kommen, um mal nach dem Rechten zu sehen.“

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