Im Januar 2019 musste das SEK eine Gefahrensituation in den Schlüchterner Obdachlosen-Containern lösen. Nun ist die Frage, wohin mit den Bewohnern?
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Im Januar 2019 musste das SEK eine Gefahrensituation in den Schlüchterner Obdachlosen-Containern lösen. Nun ist die Frage, wohin mit den Bewohnern?

Lange Diskussion im Ausschuss

Schlüchterns Magistrat zieht Antrag zurück: Wohin mit den Obdachlosen?

  • Tim Bachmann
    vonTim Bachmann
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Dass die Obdachlosen-Container-Lösung im Industriegebiet Landwehr/Reitstück nicht optimal ist, darüber bestehen keine zwei Meinungen. Allerdings bleibt die Frage, wohin mit den derzeitigen Bewohnern?

Schlüchtern - Dieses Thema diskutierten am Donnerstagabend auch die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses (HFA) der Stadt Schlüchtern unter Vorsitz von CDU-Fraktionschef Jürgen Heil. Denn eigentlich sollten die Stadtverordneten genau hierüber am kommenden Montag, 28. September, 18 Uhr, während der Stadtverordnetenversammlung in der Stadthalle Schlüchtern entscheiden.

Eigentlich. Denn am Freitag hat Bürgermeister Matthias Möller (parteilos) beschlossen, den Magistratsantrag nochmals von der Tagesordnung nehmen zu lassen, um das Thema mit den Fraktionen dezidiert besprechen zu können.

Obdachlose in Schlüchtern: Magistratsantrag sah drei Varianten zur Unterbringung vor

Aber von vorne: Unter dem etwas sperrigen Titel „Neubau einer temporären Modulraumanlage zur vorübergehenden Unterbringung von Obdachlosen im Gewerbegebiet Landwehr/Reitstück“ hatten die HFA-Mitglieder einen Magistratsantrag zu beraten, wie denn künftig mit den Obdachlosen in Schlüchtern umgegangen werden solle.

In diesem Antrag wurden drei Varianten vorgeschlagen. Eine Interimslösung für zwei Jahre auf einem Flurstück in der Elmer Gemarkung (an der Ecke Breitwiesenstraße/Kurfürstenstraße), eine noch unerschlossene Fläche im Bereich der alten Tennisplätze am Hof Reith, oder drittens: ein innerstädtisches Gebäude in der Vogelsbergstraße, in dem bereits bewohnte Quartiere eingerichtet sind, die allerdings von einem „anderen Klientel“ bezogen sind, das dann umziehen müsste.

Nach Vorfall in Obdachlosen-Container: „Die müssen nicht zwingend in der Nähe unserer Schulen und Kindergärten sein“

Die HFA-Mitglieder diskutierten kontrovers. Rolf Moritz (CDU) lobte den Vorschlag, die Obdachlosen in der Innenstadt unterzubringen. Denn man sollte diejenigen, die eh schon am „Rande der Gesellschaft leben“, nicht auch noch an den Rand der Stadt drängen. „Ich möchte nicht als Heiliger erscheinen“, aber er habe sich die derzeitigen Container jüngst angeschaut und die Zustände dort als „menschenunwürdig“ wahrgenommen, so Moritz. Diese Einschätzung teilten auch die anderen HFA-Mitglieder. So sagte unter anderen Alexander Klüh, dass die Unterbringung in der Vogelsbergstraße die wohl „schnellste und kostengünstigste Variante“ sei. Und: „Wir sollten das einfach probieren.“

Jürgen Heil sprach von derzeit acht Männern, die diese Unterkünfte bewohnten, SPD-Fraktionschef Helmut Meister sah „eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera“. Er gab zu bedenken, dass die derzeitigen Bewohner der Container teilweise mit erheblichen psychischen Erkrankungen zu kämpfen hätten und „teilweise gefährlich“ sind. Er erinnerte an den Einsatz eines Spezialeinsatzkommandos im vergangenen Jahr. Und: „Es tut mir leid, wenn ich das so drastisch sage, aber die müssen nicht zwingend in der Nähe unserer Schulen und Kindergärten sein.“ Es sei eine tickende Zeitbombe, so Meister.

Empfehlung des Magistrats vorerst obsolet

Auch Heiko Büchner (SPD) sprach von einem schwierigen Klientel und Krankheitsbildern, die es erschweren, vorauszusagen, was passiere. „Momentan leben die eher Vernünftigen in der Stadt und die eher Unvernünftigen im Gewerbegebiet“, fuhr er fort.

Gerd Neumann meinte, wenn man diese Personen isoliere, „laufen sie in die Irre. Sie gehören begleitet“. Und zwar nicht bloß durch das Ordnungsamt, das mittels Stadtpolizei regelmäßige Kontrollen durchführe, wie Bürgermeister Möller betonte, sondern psychosozial. Norbert Wuthenow (BBB) hinterfragte, in wieweit es sich Schlüchtern leisten könne, hier Sozialstrukturen aufzubauen. Und auch Stadtverordnetenvorsteher und Pfarrer a.D. Joachim Truss (SPD) bekannte, dass die Erlebnisse und das Klientel die Entscheidung erschweren würden.

Zwar sprachen sich schlussendlich außer Büchner und Meister alle dafür aus, die Obdachlosen in der Innenstadt zu integrieren, allerdings ist diese Empfehlung – zumindest vorerst – obsolet.

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