Eigentlich waren die Polizeibeamten bei der Wohnungsdurchsuchung in Schlüchtern auf der Suche nach Drogen. (Symbolfoto)
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Eigentlich waren die Polizeibeamten bei der Wohnungsdurchsuchung in Schlüchtern auf der Suche nach Drogen. (Symbolfoto)

22-Jähriger vor Gericht

Polizei sucht in Kinderzimmer in Schlüchtern nach Drogen - und findet Waffenarsenal

Eigentlich waren die Polizeibeamten bei der Wohnungsdurchsuchung in Schlüchtern auf der Suche nach Drogen. Die fanden sie auch - aber zusätzlich noch ein ganzes Waffenarsenal. Jetzt stand ein 22 Jahre alter Mann vor Gericht.

Schlüchtern - Probleme bereitete den Ermittlern die Zuordnung der Fundsachen, weil das Zimmer in der elterlichen Wohnung von zwei Geschwistern gemeinsam bewohnt wird. Während sich die Schwester in einem separaten Verfahren wegen des aufgefundenen Marihuanas und von Verkaufsutensilien verantworten muss, stand der 22-jährige Bruder jetzt wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz vor den Schranken des Amtsgerichts Gelnhausen.

Fündig wurden die Beamten beim Stöbern in einem Schrank. In einer Schublade oben waren Drogen, weiter unten war die Waffensammlung. Neben einer größeren Zahl von Messern, die erlaubt sind, lag dort auch Verbotenes: drei Butterfly-Messer, vier gekaufte und vier selbst gebaute Schlagringe sowie zehn Wurfsterne mit einem Durchmesser über zehn Zentimetern.

Schlüchtern: Polizei findet Waffenarsenal in Kinderzimmer

Über seinen Verteidiger ließ der junge Mann den Besitz sofort einräumen. Der Bestand resultiere aus einer früheren „Sammelleidenschaft“. Als Jugendlicher habe er sich auf Flohmärkten und beim Sperrmüll die Gegenstände zusammengesucht beziehungsweise von seinem Taschengeld gekauft. Aus Langeweile habe er zudem an Blechen herumgesägt und -gebohrt und auf diese Weise selbst Schlagringe angefertigt. (Lesen Sie hier: Internet-Betrügereien: Angeklagte Tochter schweigt, geschädigte Mutter auch).

Niemals habe sein Mandant vorgehabt, mit den Waffen zu kämpfen. Das sei alles „nicht bös gemeint“ gewesen. Der Anwalt wertete das als „jugendtypische Verfehlung“, da der junge Mann schon seit Jahren nicht mehr nach den Waffen geschaut habe. Eigentlich hätten sie längst entsorgt gehört. Zwar sei der Angeklagte schon mit dem Gesetz in der Vergangenheit in Konflikt geraten. Allerdings nicht wegen Gewaltdelikten, sondern wegen Diebstahls, Fahrens eines Rollers ohne Fahrerlaubnis und ohne Versicherungsschutz. Sein Mandant habe eine Ausbildung abgeschlossen und gehe einer geregelten Arbeit nach, habe insofern eine gute Sozialprognose. Für die angeklagte „Altlast“ forderte er eine „milde Strafe“.

Geldstrafe von 450 Euro für Waffenarsenal in Kinderzimmer

Der 22-Jährige zeigte sich einsichtig. Er habe nicht gewusst, dass der Besitz dieser Dinge strafbar ist. Heute sei ihm klar, wie schlimm es sei, so etwas zu besitzen. Mittlerweile habe er auch die erlaubten Messer entsorgt. So etwas werde nicht mehr vorkommen.

Das riet ihm auch Richter Wolfgang Ott: „Ich will Sie hier nicht mehr sehen.“ Gleichzeitig verurteilte er ihn zu einer Geldstrafe von 450 Euro (30 Tagessätze à 15 Euro). Der Vertreter der Staatsanwaltschaft Hanau hatte mit 1600 Euro fast den vierfachen Betrag gefordert. Dennoch wurde das Urteil von allen Seiten abschließend akzeptiert und damit rechtskräftig. (ls)

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