An der Kreuzung Krämerstraße/Sackgasse demonstriert Lilo Hofmann, woran es hakt: Viele Bordsteine sind so hoch, dass sie für sie kaum überwindbar sind.
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An der Kreuzung Krämerstraße/Sackgasse demonstriert Lilo Hofmann, woran es hakt: Viele Bordsteine sind so hoch, dass sie für sie kaum überwindbar sind.

Grüne stellen Antrag

Rollstuhlfahrerin beklagt fehlende Barrierefreiheit in Schlüchtern: „Menschenunwürdig“

An vielen Stellen hakt es in Schlüchtern an der Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrer oder Gehbehinderte. Die Grünen starten deshalb einen Antrag. Drei Frauen schildern eindrücklich, wie schwer es eine Rollstuhlfahrerin in der Innenstadt hat.

Schlüchtern - Lilo Hofmann ist 64 Jahre alt und an Multipler Sklerose (MS) erkrankt. Zusammen mit Dana Lüdtke und Karin Razavi war die Rollstuhlfahrerin in der Innenstadt unterwegs, um auf die Probleme hinzuweisen, die sich ihr tagtäglich stellen. Den Erfahrungsbericht der drei Frauen dokumentieren wir leicht gekürzt.

„Einige Geschäfte und Gastronomiebetriebe haben inzwischen Rampen für Rollstuhlfahrer, die sie flexibel einsetzen können. Leider gibt es diese Möglichkeit in vielen Geschäften nicht. Wir gehen beziehungsweise fahren von der Obertorstraße zum Einkaufszentrum Herkules. An der Obertorstraße parken wieder Autos im Halteverbot, sodass keine Durchfahrt mit dem Rollstuhl möglich ist. Zwei Blumenkübel verengen den Bürgersteig so sehr, dass die Durchfahrt zur Millimeterarbeit wird. Der Weg durch die Krämerstraße endet an der Einmündung der Sackstraße, denn die Überquerung der Straße ist wegen der Höhe der Bordsteine nicht möglich.

Rollstuhlfahrerin beklagt fehlende Barrierefreiheit in Schlüchtern

„Auch entlang der Gartenstraße kann ich den Bürgersteig nicht benutzen“, berichtet die Rollstuhlfahrerin, „alle Querstraßen im Einmündungsbereich zur Gartenstraße haben keine abgesenkten Bürgersteige. So bleibt mir nichts anderes übrig, als auf der Fahrbahn zu fahren.“

„Nach diesen Anstrengungen wäre der Besuch des Freibades schön. Also machen wir uns auf den Weg, aber leider kommen wir nicht weit, Hindernisse überall entlang der Breitenbacherstraße in Form von hohen Bürgersteigen: Am Ampelübergang an der Lotichiusstraße, an der Einmündung zur Königsbergerstraße, zur Haager Hohle oder ,Am Schwimmbad‘. Am Zebrastreifen kurz vor dem Freibad wurde die Bordsteinkannte ersetzt, und man mag es nicht glauben, sie wurde nicht abgesenkt, sondern genauso hoch gebaut wie vorher. Offensichtlich hat keiner darüber nachgedacht, dass diese Stelle im Rahmen der Reparaturarbeiten abgesenkt werden kann.“ Sprachlosigkeit und berechtigtes Unverständnis bei den Betroffenen.

Antrag

Die Grünen stellen in der nächsten Sitzung der Stadtverordneten einen Antrag. Darin heißt es: „Um Schlüchterns Barrierefreiheit zu verbessern, wird der Magistrat beauftragt, bei Dienststellen und Ämtern sicherzustellen, dass bei künftigen Straßenneu- oder -umbaumaßnahmen sowie bei Gehwegsanierungen an Kreuzungen, an Zebrastreifen, eine Absenkung der Bordsteinkannten an den Gehwegen vorzunehmen ist. Dies soll sofort und verpflichtend für alle Stadtteile inklusive Neubaugebiete gelten.“

Am Wahltag kann Rollstuhlfahrerin nicht in die Innenräume gelangen

Doch nicht nur aus diesen Fahrten werden Wege mit unüberwindbaren Hindernissen. Beispiel Wahltag: Die Rollstuhlfahrerin muss zum Wählen ins Feuerwehrgerätehaus fahren. „Es war mir nicht möglich, in die Innenräume zu gelangen und auch nicht möglich, in einem anderen Wahllokal meine Stimme abzugeben.“ Gut, mancher sagt jetzt, sie kann doch eine Briefwahl beantragen. Aber es ist trotzdem traurig, dass ihr das übliche Prozedere verwehrt bleibt.

Auch der Besuch einer Trauerfeier in der Friedhofskapelle gestaltet sich als sehr problematisch. Lilo Hofmann berichtet: „Ich konnte nicht selbstständig eine Rampe hinauffahren oder geschoben werden. Ich musste die Treppe hinaufgetragen werden, was für die Träger nicht einfach war, da sie nicht wussten, wie man den Rollstuhl am besten anpackt. Ich empfand diese Prozedur als menschenunwürdig.“ Da stellt sich die Frage: „Findet Schlüchtern keine menschenwürdigen Lösungen, die Selbstständigkeit von Rollstuhlfahrern zu unterstützen?“ (ag)

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