Wilfried Battefeld, Annalena Failing (Mitte) und Simone Schneider freuen sich auf den Umbau.
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Wilfried Battefeld, Annalena Failing (Mitte) und Simone Schneider freuen sich auf den Umbau.

Vision der Erbauer

Stadtkirche in Schlüchtern wird für 1,6 Millionen Euro saniert - Zwei Jahre Bauarbeiten

  • Tim Bachmann
    vonTim Bachmann
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Der Kirchenvorstand hat entschieden: Die evangelische Stadtkirche St. Michael in Schlüchtern soll so aussehen, wie es die Erbauer im Jahr 1840 erdacht hatten. „Ausgehender Klassizismus“, erklärt Pfarrer Wilfried Battefeld hierzu. Natürlich angepasst an den heutigen Stand der Technik. 1,6 Millionen Euro investiert die Kirchengemeinde in dieses Mammutprojekt.

Schlüchtern - Nach dem Konfirmations-Gottesdienst am 4. Mai 2021 wird die Kirche ihre Pforten schließen. Und das für ungefähr zwei Jahre, denn die geplanten Umbauarbeiten sind immens – „und dreckig“, ergänzt Battefeld. Wenn es in der Kirche so richtig losgeht, wenn die Bänke herausgeräumt, die Gerüste gestellt und die Orgel abgedeckt ist, dann muss zuerst die ganze alte Farbe abgebeizt werden, bevor der frische Anstrich folgen kann. Doch zurück zum Anfang. (Lesen Sie hier: Herausforderung Heilig Abend - So bereiten sich die Kirchen vor)

Die Pfarrer Annalena Failing, Simone Schneider und Wilfried Battefeld kommen aus dem Schwärmen kaum heraus. Das Innenleben ihrer Stadtkirche soll bald grundlegend modernisiert, und dabei der „Vision der Erbauer gerecht werden“, wie Battefeld erklärt. Die Pläne von Architekt Andreas Frischmuth und Restaurator Stefan Klöckner wurden unlängst dem Orts- und Bauausschuss sowie dem Förderkreis der Kirchengemeinde vorgestellt. Im Anschluss tagte der Kirchenvorstand, um eine Entscheidung zu treffen. „Wir mussten uns zwischen einer guten und einer sehr guten Variante entscheiden“, so Battefeld. Es soll die „sehr gute Variante“ sein.

Die evangelische Stadtkirche in Schlüchtern wird für 1,6 Millionen Euro saniert

Restaurator Klöckner hatte im Vorfeld in der Kirche zwei Sichtachsen mit den ursprünglichen Farbgestaltungen erarbeitet. Einmal, wie die Kirche in ihrer Ursprungsversion um 1840 ausgesehen hatte, einmal nach der ersten großen Umbauphase um 1900.

Kontakt

Wer die Sanierung unterstützen möchte, kann sich mit den Pfarrern in Verbindung setzen. Auch werben Failing, Schneider und Battefeld um Unterstützer im Förderkreis. In den vergangenen Jahren hatten sich dort vor allem Franz Appl und Gerold Richter hervorgetan, die große Spendenaktionen koordinierten. Im Januar wird der neue Förderkreis zusammengestellt.Infos unter Telefon (0 66 61) 27 37 (Annalena Failing).

„Die Erbauer hatten ursprünglich eine sehr helle Kirche entwickelt“, erklärt Battefeld. Creme-weiße Wände, beige-graue Säulen und Emporen, die mit einem grau-grünen Ton unflächig überstrichen waren. „Die Farbgestaltung nimmt sich zurück und betont die Architektur.“ Der Baustil entspricht dem ausgehenden Klassizismus. Und das soll auch nach der Restauration wieder so sein. „Wir wollen es dem Geist der Erbauer nachempfinden“, berichten die Pfarrer. Für diese Farb0gestaltung hatten sich auch schon die Jury sowie die Künstler ausgesprochen, erklärt Battefeld.

Der Altarraum wird sich grundlegend verändern. Die Empore wird hinter einem auch farblich abgegrenzten „L“ verschwinden, der Sandsteinbereich vor dem Altar wird etwa einen Meter vergrößert. Der Taufstein wird in den Eingangsbereich „umziehen“. Dort wird, links neben der Tür zum Hauptschiff, ein Foyer entstehen. Die letzten drei Bankreihen werden dafür weichen. Und doch wird die Kirche auch nach der Sanierung noch Platz für gut 500 Besucher bieten. Wie aktuell auch.

So soll der Altarbereich nach dem Umbau aussehen.

Vision der Erbauer soll umgesetzt werden

Der Blick wird direkt auf den Altarraum und das darüber befindliche Glas-Gemälde wandern, das mit den Symbolen Kreuz und Wellen spielen soll. Darüber hinaus wird ein Beleuchtungskonzept erstellt und natürlich die Akustik auf den neuesten Stand der Technik gebracht.

1,6 Millionen Euro sind für das Mammutprojekt eingeplant. Für die Kunstwerke selbst sind gerade einmal gut 5 Prozent davon eingeplant. „Wir sparen seit zehn Jahren. Jetzt kratzen wir alles zusammen und hoffen auf Hilfe“, erklärt Battefeld

Und auf ihre Gönner konnte die Kirchengemeinde in den vergangenen Jahren stets zählen. „Wir wollen im kommenden Jahr erneut beim Kirchenerhaltungsfonds vorstellig werden. Mal gucken, ob wir nochmals berücksichtigt werden“, hofft Battefeld.

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