Einer der beiden Standorte des neuen MVZ: die Praxis Mißler in der Grebenhainer neuen Mitte. Dort wird Stephanie Darmstadt tätig sein.
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Einer der beiden Standorte des neuen MVZ: die Praxis Mißler in der Grebenhainer neuen Mitte. Dort wird Stephanie Darmstadt tätig sein.

Start im neuen Jahr

Praxis in Schlüchtern schließt: Medizinerin Stephanie Darmstadt wechselt ans MVZ nach Grebenhain

  • Sabine Simon
    vonSabine Simon
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Der Ansturm in den Vergangenen Wochen war enorm. Es schien so als wollten nochmal alle Patienten vorbeischauen, bevor am Freitag die Praxis von Dr. Jürgen Wagner und Stephanie Darmstadt in der Obertorstraße 10 schließt.

Schlüchtern - Vor fünf Jahren war Stephanie Darmstadt als Nachfolgerin von Dr. Albrecht Huppenbauer in die Praxis eingestiegen, hatte selbst rund 1200 Patienten betreut. Wie berichtet, wechselt die 37-jährige Allgemeinmedizinerin mit internistischem Hintergrund Anfang des kommenden Jahres an das interkommunale Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) Vogelsberg und wird vornehmlich am Standort in Grebenhain tätig sein. Die noch junge Einrichtung wird im Rahmen eines Pilotprojektes vom Vogelsbergkreis getragen.

Das interkommunale medizinische Versorgungszentrum (MVZ) der Gemeinden Freiensteinau und Grebenhain unter Beteiligung des Vogelsbergkreises geht am 1. Januar an den Start. Die zwei Betriebsstätten sind die Praxis Mißler in Grebenhain sowie die Praxis von Dr. Andreas Böhme und Dr. Viola Aulbach in Freiensteinau. Letztere sind künftig als angestellte Ärzte tätig, sogar das Praxispersonal bleibt erhalten. Für die Patienten an beiden Standorten ändere sich bis auf neue Praxisschilder also erst einmal nicht viel, betonte MVZ-Geschäftsführer Ulf Werner. Lediglich die Organisation im Hintergrund werde eine andere sein. 

Stephanie Darmstadt schließt Praxis: Wechsel ans MVZ Grebenhain

Später – voraussichtlich im Jahr 2022 – soll Stephanie Darmstadt in der in Planung befindlichen Betriebsstätte in Freiensteinau zum Einsatz kommen. Vorausgegangen sei ein sehr schwerer Prozess der Entscheidungsfindung. „Mir fällt das natürlich alles andere als leicht“, sagt Darmstadt und gibt sehr persönliche Gründe für ihren beruflichen Richtungswechsel an und betont, dass sie anfangs auch versucht habe, um einen Nachfolger für Dr. Wagner zu finden, der als Selbstständiger in die Praxis in Schlüchtern mit einsteigt. Dabei ist ihrer Ansicht nach nicht nur die „Landarzt-Praxis“ das Problem. (Lesen Sie hier: Auch das MVZ Rhön bekommt Zuwachs: Welkerser Hausarzt Simon Dietrich schließt Praxis und lässt sich anstellen).

Viele junge Kollegen scheuten inzwischen die Selbstständigkeit in einem nicht ganz einfachen Umfeld – vor allem im allgemeinmedizinischen Bereich. „Ich freue mich sehr auf die neue Stelle und darauf, endlich wieder mehr Ärztin sein zu können. Ich bin ja keine Betriebswirtin“, sagt Darmstadt. Der Verwaltungsaufwand hätte in den vergangenen Jahren immer weiter zugenommen, ebenso die Beschränkungen und Verordnungen durch den Gesetzgeber. Der Papierkram habe regelmäßig für eine 60-Stunden-Woche gesorgt, sagt Darmstadt. „Ich habe auch im Urlaub und an Wochenenden gearbeitet. Wie soll man da Beruf und Familie unter einen Hut bekommen? Mein Sohn ist vier Jahre alt. Für ihn will ich auch Zeit haben.“

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