Hanin Hizber kam vor gut sechs Jahren nach Deutschland.
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Hanin Hizber kam vor gut sechs Jahren nach Deutschland.

Begeisterung für Naturwissenschaften

Das Studium als größter Traum: Die gebürtige Syrerin Hanin Hizbar hat ihre Zeit in Deutschland genutzt

Vor sechs Jahren kam die Syrerin Hanin Hizber auf der Flucht vor Bürgerkrieg und islamistischem Terror in ihrem Heimatland in den Bergwinkel. Ihr Name Hanin steht im Arabischen für das Wort „Sehnsucht“.

  • Hanin Hizber ist in Damaskus geboren.
  • Vor sechs Jahren ist sie mit ihrer Schwester nach Deutschland gekommen.
  • Ihr großer Traum ist es, Soziale Arbeit zu studieren.

Schlüchtern - „Erst hier in Deutschland habe ich mich selbst richtig kennengelernt“, bekennt die junge Frau. „Vorher musste ich immer das machen, was andere von mir wollten.“ Das Gehorchen und die Erfüllung der arabischen Frauenrolle wurden reichlich von der mittlerweile 29-Jährigen verlangt.

Weniger in ihrer weltoffenen Geburtsstadt Damaskus, in der sie bis zu ihrem neunten Lebensjahr aufwuchs, sondern verschärft in Saudi-Arabien, wo Frauen keinen leichten Stand haben. Weil ihr Vater dort selbstständig zu arbeiten begann, ging die Familie mit ihm. In der Hauptstadt Riad verbrachte Hanin ihre wichtigen menschlichen Entwicklungsjahre vom Kind zur Erwachsenen – unter Burkas bis zum Abitur.

Schlüchtern: Syrerin Hanin Hizber begeisterte sich in der Schulzeit für Naturwissenschaften

Der Unterricht in der saudischen Schule war vollgestopft mit religiösen Inhalten, obwohl Hanin die Naturwissenschaften so sehr liebte. Ihre Reifeprüfung wurde weder in Syrien, wohin sie mit 19 Jahren zurückkehrte, noch später in Deutschland anerkannt. Gerne wäre sie Journalistin, Rechtsanwältin oder Politikerin geworden, doch diese Wünsche ließen sich nicht verwirklichen.

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Immerhin konnte sie vier Jahre lang in Damaskus Betriebswirtschaft und Management studieren, bis der Bürgerkrieg ausbrach. Aufgrund des mörderischen IS-Terrors und der kriegerischen Unruhen flüchtete sie ohne Abschluss aus Damaskus. Über Saudi-Arabien, wo ihre Familie noch lebte, reiste sie Ende 2013 mit ihrer älteren Schwester nach Deutschland.

Geflohen vor dem syrischen Bürgerkrieg: Hizber arbeitet als Hilfskraft in Kindertagesstätte

Damals herrschte hierzulande noch großes Verständnis für Flüchtlinge aus dem syrischen Bürgerkrieg. Die waren in der Regel gut ausgebildet, lernten schnell Deutsch und entwickelten sich beruflich weiter. So erwarb auch Hanin bald den begehrten „blauen Pass“. Dieser ermöglicht anerkannten Asylbewerbern Reisefreiheit ins Ausland.

Derzeit versucht Hanin über verschiedene akademische Hilfsprogramme für Migrantinnen, ihre Deutschkenntnisse zu perfektionieren und die Berechtigung zum Studium zu erlangen. Zwischendurch arbeitet sie immer wieder, wo sie gebraucht wird: In einem Büro erledigte sie eine Zeitlang „den Papierkram“, seit einigen Wochen arbeitet sie befristet bis Oktober als Hilfskraft in einer städtischen Kindertagesstätte.

Kämpferin für Gerechtigkeit und Regeln: Hizber will Sozialarbeit studieren

Sehr stark engagiert sie sich mit ihren guten Deutschkenntnissen für den syrischen „Onkel“ Abou Hajar, einen Bekannten ihres Vaters. Der will hier einen Imbiss betreiben, verheddert sich aber immer wieder in den Mühlen der deutschen Bürokratie. Hanin wurde durch ihr Engagement zur Kämpferin für Gerechtigkeit und faire Regeln. Sie will Sozialarbeit studieren.

Der Deutsch-Schwede Clas Röhl (67), der im Bergwinkel schon viele Geflüchtete auf ihrem Weg begleitet hat, ist beeindruckt davon, wie sich Hanin mit ihrem kulturellen Erbe auseinandersetzt: „Sie ist bestrebt, ihrer kulturellen Vergangenheit einen Sinn zu geben, auch positive Elemente darin zu finden und sie nicht als verlorene Jahre zu betrachten. So schafft sie es, mit den großen Unterschieden zu leben und sich im deutschen Alltag zu behaupten.“ (hwk)

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