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Schlüchterner wegen Betrugs angeklagt: Geld kassiert, Konsole nicht geliefert

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlüchtern - Noch im Gerichtssaal in Gelnhausen mühte sich der 28-Jährige um Schadenswiedergutmachung. Der Mann aus einem Schlüchterner Stadtteil zückte sein Portemonnaie und räumte dieses leer. Die 85 Euro übergab er dem Opfer seiner Betrügerei.

Dieses löbliche Verhalten wurde zwar vom Gericht positiv gewertet. Allerdings schützte ihn das nicht vor einer Strafe. 700 Euro (70 Tagessätze zu jeweils zehn Euro) muss er wegen Betruges an die Staatskasse zahlen.

Den Sachverhalt hatte der Arbeitslose schnell eingeräumt. Im Mai dieses Jahres hatte er eine Spielkonsole in einem Internet-Verkaufsportal angeboten. Unter den Interessenten bekam ein 31-Jähriger den Zuschlag. Den vereinbarten Kaufpreis von 300 Euro überwies der Stuttgarter auch umgehend. Allerdings bekam er die geforderte Ware dafür nicht. Auch mehrfaches Anmahnen half nichts. Stattdessen wurde er von dem Mann aus dem Bergwinkel immer wieder vertröstet. Er sei krank oder im Urlaub verwendete er als Hinhalte-Argumente.

Beschuldigte gab sich kleinlaut

Der Beschuldigte gab sich vor Gericht kleinlaut. Er habe zu dieser Zeit sehr viel im Internet auf diversen Plattformen angeboten – und irgendwann den Überblick verloren. Die Spielkonsole habe er damals wohl versehentlich an einen anderen Kunden geschickt. Anders könne er sich den Sachverhalt nicht erklären.

Immer wieder habe er auch psychische Probleme gehabt, so dass er sich nur mit starker Verzögerung um viele Dinge kümmerte. Schließlich habe er auch das Geld zurücküberweisen wollen, doch die Bankverbindung des Stuttgarters nicht mehr herausfinden können, beteuerte er. Im Gerichtssaal kündigte er an, bald für die Schuld aufkommen zu wollen. Richter Thomas Russell zeigte sich skeptisch bezüglich des Versprechens. Das habe nicht viel Wert, sei alles zu vage.

Schlaflose Nächte

Er habe nicht die Absicht gehabt, jemanden zu betrügen, zeigte sich der Schlüchterner reumütig. Das tue ihm alles jetzt sehr leid. Er habe deswegen auch schon viele schlaflose Nächte gehabt. Dabei sei er zu der Erkenntnis gelangt, sein Leben künftig besser in die Hände zu nehmen.

Um gleich Nägel mit Köpfen zu machen, übergab er dem Opfer des Betrugs die 85 Euro. Der Stuttgarter war eigens für seine Zeugenaussage die weite Strecke nach Gelnhausen angereist.

Strafe von 700 Euro

Richter Russell fand in der Gerichtsakte eine frühere Verurteilung des Mannes, ebenfalls wegen Betruges. Im Jahr 2017 hatte er Arbeitslosengeld beantragt und bezogen. Als er dann bei einem Schlüchterner Unternehmen eine neue Tätigkeit aufnahm, meldete er dies nicht den Behörden und bezog so unberechtigt staatliche Leistungen. Dies fiel erst durch einen Datenabgleich der offiziellen Stellen auf.

Damals musste er eine Geldstrafe von 600 Euro bezahlen. Das neuerliche Urteil mit der Strafe von 700 Euro nahm der 28-Jährige umgehend an. / ls

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