Ein Foto aus besseren Zeiten: Tabitha und Stephen bei der Arbeit.
+
Ein Foto aus besseren Zeiten: Tabitha und Stephen Kamau bei der Arbeit.

Spenden für kenianische Familie

Schnitzer des Jobhilfe-Projekts von „Wir helfen in Afrika“ hungert für seine Familie

  • Ann-Katrin Hahner
    vonAnn-Katrin Hahner
    schließen

Den kenianischen Schnitzer Stephen Kamau und seine Familie hat die Corona-Krise hart getroffen. Der Gelnhausener Verein „Wir helfen in Afrika“ bittet nun um Spenden für das Paar und alle Bedürftigen im Projektgebiet.

Gelnhausen - Die bunten Vögel aus dem Holz des Jacaranda-Baums zaubern jedem Betrachter ein Lächeln auf die Lippen. In den vergangenen zehn Jahren flogen tausende von ihnen in unzähligen Größen, Formen und Farben als Mitbringsel von Kenia nach Gelnhausen, um ihren Zauber auch im Main-Kinzig-Kreis zu verbreiten. Ihr Schöpfer, Kunsthandwerker Stephen Kamau, aber lächelt nicht. Seine Frau Tabitha hat Krebs. Corona nun hat Stephen Kamau all seiner Einkünfte beraubt. Keine Touristen bedeutet keine verkauften Vögel. Und ohne Geld keine Behandlung für Tabitha Kamau.

„Wir kennen Tabitha und Stephen seit nunmehr 15 Jahren“, erzählt Helmut Günther, Vorsitzender des Gelnhausener Vereins „Wir helfen in Afrika“. Stephen Kamau ist Teil des Projekts „Jobbeschaffung“. Der Höchster Verein kauft regelmäßig Kunsthandwerk bei lokalen Schnitzern, um ihnen zu einem geregelten Einkommen zu verhelfen.

Steven verdient mit dem Schnitzen von Vögeln aus dem Holz des Jacaranda-Baums sein Geld.

„Stephen bekommt für seine Arbeit von uns keine Almosen. Er ist ein wahrer Meister seines Fachs und seine kunstvollen Vögel sind jeden Cent wert.“ Für sich, Tabitha und die inzwischen fünf Kinder zwischen einem und 18 Jahren hat er eine zukunftsträchtige Existenz aufbauen können. Seine Familie lebt nahe Nairobi, im Hochland Kenias.

Corona-Pandemie verhindert Behandlung von Kamaus krebskranker Frau

Dort gedeiht auch der prächtige Jacaranda-Baum, der den Rohstoff für Stephen Kamaus Kunst liefert. Er selbst aber verbringt die meiste Zeit in Ukunda an der Küste. Dort, wo die Touristen sind. Bis zum Frühjahr lebte er in einem kleinen Zimmer in der Nähe seiner Werkstatt, die nicht mehr als ein kleiner Bretterverschlag ist. Das meiste Geld, dass er einnahm, schickte er nach Hause, zu Frau und Kindern.

Auch wenn die Trennung schmerzte, seine Familie war gut versorgt, die Kinder gingen zur Schule. Mit Beginn des neuen Jahres aber verwandelte sich das Leben der Kamaus in einen Alptraum. „Im Februar diagnostizierten Ärzte in Nairobi eine Krebserkrankung bei Tabitha“, berichtet Helmut Günther. Schnell begannen die Ärzte mit der Behandlung, erstellten einen Therapieplan.

Die Kamaus haben fünf Kinder zu versorgen.

Doch dann brach Corona über die Welt hinein und zerstörte die fragile Hoffnung der Kamaus auf eine baldige Heilung der 36-Jährigen. Nairobi wurde abgeriegelt, die Klinik vom 30 Kilometer entfernten Wohnort war viele Wochen nicht erreichbar. Zwar stehen nun auch in Kenia erste Lockerungen an. Doch selbst wenn Tabitha Kamau wieder zu ihren Ärzten dürfte: Es fehlt der Familie das Geld für die Chemotherapie.

Gelnhausener Verein „Wir helfen Afrika“ schaltet sich ein

Denn in Kenia gibt es solch raumgreifenden medizinischen Behandlungen nur gegen Geld. Und Stephen Kamau hat seit dem Lockdown keinen einzigen Vogel mehr verkauft. Seine Rücklagen sind aufgebraucht. Mehr noch: Der Vermieter seines Zimmers sperrt ihn aus, denn der nun arbeitslose Schnitzer kann die Miete nicht mehr aufbringen. Seitdem haust er mehr schlecht als recht in seinem Werkstatt-Verschlag.

„Es war für uns klar, dass wir Tabitha und Stephen helfen“, so Helmut Günther. „Als Sofortmaßnahme bekam Stephen in Ukunda ein großes Lebensmittelpaket.“ Inzwischen wird er bei jeder Verteilaktion berücksichtigt. Die Pakete aber bleiben nicht lange bei ihm. „Meine Familie hat nichts zu essen, da fällt mir selbst das Hungern leicht“, sagt der fünffache Vater. Das wenige Geld, das er noch hat, nutzt er, um die Pakete auf die 560 Kilometer lange Reise zu seiner Familie zu schicken.

Verein hofft auf Spenden für sein Projektgebiet

Inzwischen gibt es für Tabitha Kamau neben der Lebensmittel noch einen weiteren Hoffnungsschimmer: „Wir übernehmen die 3000 Shilling pro Woche, die Tabithas Chemotherapie kostet. Das sind derzeit etwa 26 Euro“, rechnet der Vorsitzende von „Wir helfen in Afrika“ vor. Dies sei allerdings nur durch die Mithilfe von Förderern und Spender möglich geworden.

Alle, die Tabitha und Stephen Kamau und den vielen Hundert weiteren Menschen im Projektgebiet des Vereins helfen wollen, können dies mit einer Spende auf das Konto mit der IBAN DE59506616390007330073 tun. Erstspender werden gebeten, ihre Post- oder Mailadresse mit anzugeben. Mehr im Internet unter der www.wirhelfeninafrika.de . (akh)

Das könnte Sie auch interessieren