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Schüler zu Wutabbau verurteilt

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Von: Redaktion Fuldaer Zeitung

Gelnhausen - Ein Abiturient des Grimmelshausen-Gymnasiums Gelnhausen muss an einem 60-stündigen Anti-Aggressionstraining teilnehmen. Das hat Jugendrichter Thomas Russel im Amtsgericht Gelnhausen angeordnet, nachdem der junge Mann einem Mitschüler vor einem Club ins Gesicht geschlagen hatte.

Über den Schlag gab es keinen Streit, allerdings gingen die Aussagen über das, was an jenem 2. Februar 2013 in den frühen Morgenstunden auf dem Parkplatz in Gründau tatsächlich passierte, weit auseinander. Klar scheint, dass in jener Nacht einiges los war vor dem Club, von bis zu sechs Schlägereien war die Rede. Zum Schluss war gar nicht mehr klar, ob die an den insgesamt fünf Verhandlungstagen gehörten Zeugen, darunter auch Lehrer, tatsächlich alle über dieselbe Auseinandersetzung sprachen.

Der Schüler aus Gelnhausen, der am Ende sogar bewusstlos am Boden lag, musste gleich zweimal seine Version vortragen. Als der Angeklagte vom Parkplatz fahren wollte, stand er ihm im Weg. Zunächst sei er weggeschubst worden, anschließend habe er einen Schlag kassiert und sei zu Boden gegangen. Danach setze seine Erinnerung aus.

Mehrere Zeugen und letztlich auch Richter Russel gingen aber von einem anderen Ablauf aus. Beim Verlassen des Parkplatzes wurde der Schüler vom Angeklagten zunächst nur zur Seite geschubst, anschließend setzte dieser seine Fahrt fort. Danach geriet der Gelnhausener mit einer Auszubildenden aus Brachttal in Streit, auch hierbei wurden Schläge ausgetauscht. In diesem Moment kam der Angeklagte zurück vor den Eingang des Clubs, begleitet von seinem Vater und vermutlich weiteren Familienangehörigen. Anlass für die Verstärkung war eine Schlägerei einige Minuten zuvor, nach der sich der Abiturient im Club eingeschlossen hatte.

Der verletzte Schüler war dann möglicherweise so eine Art Kollateralschaden, wie es Nebenklagevertreter Steffen Heß formulierte. Als ihn der Vater des Angeklagten auf die Auseinandersetzung mit der jungen Frau ansprach, verpasste er diesem einen Schlag auf die Schulter. Danach schaltete sich der Angeklagte ein und streckte seinen Mitschüler zu Boden. Für seinen Verteidiger Michael Euler ein Fall von Nothilfe: Nach dem Schlag habe der Vater des Recht auf Notwehr gehabt, sein Sohn kam ihm lediglich zu Hilfe. Daher forderte er einen Freispruch.

Richter Russel sah das anders: Er verurteilte den Abiturienten wegen vorsätzlicher Körperverletzung und sprach eine Verwarnung aus, weil dieser seiner Meinung nach deutlich mildere Mittel hätte anwenden können, um seinem Vater zu helfen. Negativ angerechnet wurde dem Angeklagten auch, dass er nicht das erste Mal wegen eines Körperverletzungs-Deliktes vor Gericht stand. Damit das nicht mehr vorkommt, soll er jetzt an dem Anti-Aggressionstraining teilnehmen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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