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Schusswaffen und Sprengstoff gehortet: 54-Jähriger zu Bewährungsstrafe verurteilt

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Wächtersbach/Gelnhausen - Ein 54-Jähriger aus Wächtersbach, der Kontakte zur „Reichsbürger“-Szene hatte, ist vor dem Schöffengericht Gelnhausen wegen unerlaubten Besitzes von Waffen und Sprengstoff zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten zur Bewährung verurteilt worden. Auch seine politische Gesinnung spielte eine große Rolle – angesichts eines Hitler-Bildes und Hakenkreuz-Kerzen.

Die Strafe wird für den Mann für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss der Verurteilte ratenweise 1200 Euro an den Tafel-Verein in Gelnhausen zahlen. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Als ein Sondereinsatzkommando am 8. Januar vorigen Jahres auf dem Anwesen des Handwerkers anrückte, wurden die Beamten schnell fündig. Ein ganzes Arsenal von Waffen und Munition tauchte an unterschiedlichen Stellen auf. Insgesamt 13 Pistolen, Gewehre und Revolver besaß der Mann illegal.

Hinzu kamen über 10.000 Schuss Munition diverser Kaliber, ein Fallmesser sowie zwei Schalldämpfer – und rund ein Kilogramm Schwarzpulver. Die Waffen lagen überall im Gebäude herum, zum Beispiel im Eingangsbereich, auf dem Küchentisch, in einem sogenannten Waffenzimmer, im Partyraum, im Schuppen sowie in der Garage.

Hitler-Bild an der Wand und Kerzen in Hakenkreuz-Form

Nicht nur die große Menge an Materialien erschreckte Gericht und Staatsanwaltschaft, sondern auch diverse andere Gegenstände, die im Haus des Familienvaters gefunden wurden. Am Hauseingang ein Briefkasten in den Farben Schwarz-Rot-Gold, im Keller ein Hitler-Bild an der Wand, Kerzen in Hakenkreuz-Form und im gesamten Haus immer wieder Nazi-Devotionalien.

Der Angeklagte räumte denn auch ein, früher Kontakte zur Szene der sogenannten „Reichsbürger“ gehabt zu haben. Er habe sich einmal ein Bild machen wollen, dann aber davon angeblich wieder Abstand genommen. Der Angeklagte bezeichnet sich heute als politisch unabhängig.

„Könnte nicht einmal ein Reh erschießen“

Auch den Waffenbesitz gab er zu. Früher habe er als Mitglied eines Schützenvereins viele Waffen legal besessen. Als die Genehmigungen – auch für den Besitz des Sprengstoffs ausliefen – habe er keine Verlängerung mehr beantragt.

Die jetzt von der Polizei aufgefundenen Schießeisen hätten sich in den vergangenen 20 Jahren bei ihm „angesammelt“. Just an dem Tag, als die Spezialeinheit anrückte, habe er die Waffen putzen wollen. Deswegen hätten diese ungeordnet und ungesichert überall herumgelegen.

Der Wächtersbacher bezeichnete sich selbst als begeisterten Sportschützen, der aber nicht einmal ein Reh erschießen könne. Das Aufhängen des Briefkastens in den Deutschland-Farben „habe sich so ergeben“ und sei wohl nicht verboten. Natürlich wolle er mit diesem Vorgehen auch ein bisschen provozieren, erklärte er.

Bedenken hinsichtlich der politischen Gesinnung

Für den Vertreter der Staatsanwaltschaft Hanau ging es nicht nur um ein Waffendelikt. Man müsse auch versuchen, „hinter die Stirn“ des Angeklagten zu blicken. Und dahinter stecke für ihn eine klare politische Gesinnung, bei der unterschwellig fremdenfeindliche, rassistische Motive eine Rolle spielten.

Bei Menschen, die auf diese Weise provozierten – egal, ob aus dem rechten oder linken Lager – müsse der Staat reagieren. Er forderte daher eine Freiheitsstrafe von 16 Monaten. Der Verteidiger des 54-Jährigen wollte die „Bilder aus dem Wohnhaus“ lieber ausklammern und forderte acht Monate.

Richterin Petra Ockert äußerte Bedenken hinsichtlich der politischen Gesinnung des Mannes. Das Urteil habe aber allein schon wegen der großen Zahl und verschiedenen Arten von Waffen hoch ausfallen müssen: „Da hätte sonst etwas passieren können.“ / ls

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