Die neue Starkstrom-Trasse Dipperz–Bergrheinfeld könnte auch das Sinntal berühren.
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Bei einer Veranstaltung in Bad Soden wurden politisch Verantwortliche über die neue Trasse informiert.

„Fulda-Main-Leitung“

Neue Starkstrom-Trasse Dipperz���Bergrheinfeld kann auch das Sinntal berühren

Wird die 380.000-Volt-Stromleitung von Dänemark bis nach Pleinting im Süden Bayerns durch das Sinntal geleitet? Im Zuge des Netzanbauprojekts „Fulda-Main-Leitung“ (früher P43) wird auch diese Möglichkeit geprüft.

  • Im Zuge des Netzbauprojekts „Fulda-Main-Leitung“ vom Übertragungsnetzbetreiber Tennet wird geprüft, ob die Stromleitung durch das Sinntal laufen könnte.
  • Der Kreistag des Kreises Bad Kissingen hat bereits erklärt, dass er den Bau der gesamten Leitung ablehnt.
  • Öffentliche Veranstaltungen für alle Interessierten soll es dann im Herbst geben.

Bad Soden/Sinntal - Dieser Tage hatte der Übertragungsnetzbetreiber Tennet zu einem von sieben Planungsdialogen für die „Fulda-Main-Leitung“ eingeladen. Im Hotel Birkenhof in Bad Soden wurden politisch Verantwortliche aus dem Untersuchungsraum über das Projekt der 131 Kilometer lange Wechselstromleitung informiert.

Die beiden letzten Veranstaltungen finden am 8. Juli in Bad Neustadt und einen Tag später in Bad Kissingen statt. Der Kreistag des Kreises Bad Kissingen hat bereits erklärt, dass er den Bau der gesamten Fulda-Main-Leitung ablehnt.

Tennet plant mehrere mögliche Trassen parallel - Das Sinntal ist bislang nicht davon betroffen

Das Projekt befindet sich in einer sehr frühen Phase, das heißt in der Analyse des Untersuchungsraumes, der zunächst das Sinntal nicht betroffen hätte. Man müsse die bau- und betriebsbedingten Auswirkungen auf die Natur- und das Landschaftsbild möglichst gering halten und auch Bündelungen mit bestehenden Strukturen untersuchen.

Das erläuterte Cindy Schemmel, Referentin für Bürgerbeteiligung bei Tennet, unserer Zeitung. Hier sind es die ICE Strecke Würzburg – Fulda und die Gashochdruckloopleitung zwischen Sannerz und Rimpar. Tennet plant mehrere mögliche Trassen parallel.

Die geplante Fulda-Main-Leitung muss ab Dipperz bis Bergrheinfeld neu geplant werden. Der Suchkorridor ist 40 Kilometer breit und könnte auch Sinntal betreffen.

Gesucht wird in Korridoren, die zwischen Mecklar und Dipperz 25 Kilometer und südlich von Dipperz 40 Kilometer breit sind. Nach der Analyse des Untersuchungsraumes wird ein Netz von Korridoren von jeweils einer Breite von einem Kilometer entwickelt, ehe es in die nächste Phase geht. Dies betrifft auch die Stromtrasse, die in einem Korridor zwischen Schlitz im Westen und Geisa im Osten verlaufen soll.

Nachdem das Projekt seit 2013 einige Jahre unterbrochen war, wurde im Dezember 2019 die Notwendigkeit Projekt „Mecklar – Dipperz – Bergrheinfeld/West“ bestätigt. Für dieses Jahr wird die Bestätigung im Bundesbedarfsplan (BBPlG) mit Teilerdverkabelungsoption erwartet.

Tennet führt Begutachtung auf Raumwiderstände für „Fulda-Main-Leitung“ durch

In der jetzigen Phase wird der Untersuchungsraum auf sogenannte Raumwiderstände begutachtet. Diese sind im Bereich Umwelt/Raum der Mensch, Wasser, Flora/Fauna, der Boden und die Raumordnung. Im Bereich Bautechnik werden Hangneigungen, Fels und Georisiken untersucht.

Auch Siedlungen, Abstände zu Wohngebäuden, der Naturschutz und Wasser spielen bei den Projekten eine große Rolle. Für die einzelnen Planungsabschnitte sind die Bundesnetzagentur und/oder Tennet zuständig. Die Teilnehmer der Planungsdialoge werden über die einzelnen Verfahrensschritte und über Freileitungen sowie Teilerdverkabelungen informiert.

Sie sollen ihre Beiträge, Einwände und Vorstellungen vorbringen. „Tennet will transparent agieren und zeigen, was wir tun“, sagte Cindy Schemmel. Ab September oder Oktober dieses Jahres gibt es öffentliche Veranstaltungen für alle Interessierten. Diese sollen laut Schemmel wahrscheinlich in Form von Infomärkten in den einzelnen Orten stattfinden.

Pro Sinntal gegen Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs-Leitung

In Bad Soden nahm auch Elke Müller, Vorsitzende der Bürgerinitiative (BI) Pro Sinntal, teil. Pro Sinntal spricht sich auf seiner Website eindeutig gegen den Bau der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs-Leitung (HGÜ) aus und sieht keinen Bedarf dafür, zumal dabei nur durch großen Aufwand versucht werde, die Netzstabilität zu halten.

In einem (früheren) Interview mit unserer Zeitung hatte Müller festgestellt: „Für die Netzstabilität brauchen wir stattdessen Speicher und Flexibilitätsoptionen, die diesen Namen verdienen.“

Sinntals Bürgermeister Carsten Ullrich (SPD) hat sich zu der Trasse geäußert und sieht hohe Hürden, die einer Verwirklichung in seiner Gemeinde entgegen stehen. (lis)

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