Zwei Kühe auf einer Weide
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So gut wie den Tieren auf diesem Symbolfoto soll es Kühen in einem Sinntaler Ortsteil nicht gehen: Es heißt, Wasser und Futter fehlen auf der Wiese. Doch abgesehen von einem anonymen Brief fehlen dazu konkrete Hinweise.

Verwahrloste Tiere im Sinntal

„Die Kühe fressen die Exkremente der anderen“ - Was ist dran an den Vorwürfen eines anonymen Schreibers?

  • Lena Quandt
    vonLena Quandt
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Ein anonym versandter Brief erreichte Mitte Mai die Gemeinde Sinntal, die Polizei Schlüchtern, das Veterinäramt des Main-Kinzig-Kreises und unsere Zeitung. Darin meldet sich ein offenkundig besorgter Bürger zu Wort. Woher er kommt, geht aus dem Brief nicht hervor. Kühe, Kälber und Schafe sollen dem Text zufolge auf einer Wiese in einem Sinntaler Ortsteil in verwahrlostem Zustand sein. Doch was ist an den Vorwürfen dran? 

  • Bei der Gemeinde Sinntal, der Polizei Schlüchtern, dem Veterinäramt und den Kinzigtal-Nachrichten ist ein anonymer Brief eingegangen.
  • Darin wird auf verwahrloste Tiere auf einer Wiese in einem Sinntaler Ortsteil aufmerksam gemacht.
  • Das Ordnungsamt konnte noch keine Feststellung in diesem Fall machen.

Sinntal - „Leider muss ich mich anonym an sie wenden.“ In dem Ortsteil habe ein junger Mann fünf Kühe und einen Bullen. Die Tiere hätten zu wenig zu fressen.

„Sie bleiben auf den Weiden, bis der Erdboden zu sehen ist. Sie schreien den ganzen Tag. Besonders schlimm ist, dass zwei der Kühe Kälber haben. Das jüngere trägt immer noch keine Ohrmarke. Die Kälber liegen den ganzen Tag auf der Weide oder hängen bei ihren Müttern am Euter. Ich kenne Kälber, die rumspringen und toben. Aber den ganzen Tag liegen, dass kenne ich nur, wenn meine Kälber krank sind“, so der unbekannte Verfasser der Zeilen, der offensichtlich selbst Tierhalter ist.

Weiterhin ist auch von zwei Schafen die Rede. Sie seien seit 2017 nicht mehr geschoren worden. Futter und Wasser bekämen die Tiere „nur immer wieder mal“ angeboten. Die Schafe seien „schon aus dem Zaun befreit worden“, Wasser hätten ihnen Außenstehende gebracht.

Verwahrloste Tiere im Sinntal: Besitzer beratungsresistent?

Auf die Situation angesprochen, habe der junge Besitzer „bockig und teils aggressiv“ reagiert. Daher habe der unbekannte Schreiber auch die Polizei informiert – anonym. Weil sich der Briefschreiber ohne Namen zu Wort gemeldet hat und auch der Beschuldigte nicht namentlich bekannt ist, hat unsere Zeitung beide nicht zu dem Sachverhalt befragen können.

Gerade bei warmer Witterung sollten Schafe regelmäßig geschoren werden. Laut den Behauptungen aus dem anonymen Brief scheint dies bei den Schafen auf einem Gelände in Sinntal nicht zu passieren. (Symbolfoto)

Die Anschuldigungen sind jedoch weitreichend: „Jeder im Dorf weiß von der Situation, aber keiner traut sich etwas zu sagen. Ich hoffe im Sinne der Tiere, unternehmen Sie bitte etwas. Der Brief ging am 2. Mai an das Veterinäramt. Heute, am 13. Mai, hat sich wenig bis gar nichts geändert. Die Tiere kommen ab und zu auf eine neue Weide. Diese wird dann bis auf die Grasnarbe abgefressen. Im Moment stehen sie auf einer Weide, auf der nichts mehr steht. Die Kühe fressen die Exkremente der anderen Kühe. Es ist einfach nur erbärmlich.“

Kreis-Veterinäramt: Erst durch Anfrage der Kinzigtal Nachrichten aufmerksam geworden

Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt Frank Uffelmann, stellvertretender Dienststellenleiter der Polizeistation Schlüchtern: „Auch die Polizei hat den anonymen Hinweis erhalten.“ Die Beamten haben das Schreiben an das zuständige Kreis-Veterinäramt weitergeleitet. Das sei das übliche Vorgehen.

Von Frank Walzer heißt es derweil aus der Pressestelle des Landratsamts: „Dieser Fall ist dem Veterinäramt erst durch die Anfrage der Kinzigtal Nachrichten bekanntgeworden. Die Adresse des Veterinäramts auf dem Schreiben des anonymen Hinweisgebers ist falsch, weil sie veraltet ist. Das Veterinäramt hat in der Gutenbergstraße 2 in Gelnhausen seinen Sitz.“ Warum der Fall noch nicht bekannt war, erklärt sich Walzer so: „Womöglich hat die Post den Brief nicht zurücksenden können, weil der Absender anonym bleiben wollte.“ Und er fügt hinzu: „Aufgrund der beschriebenen Umstände lässt sich aber eben – noch – nichts zu Ihrer Anfrage sagen.“

Ordnungsamt konnte keine Feststellung machen

Grundsätzlich behandele das Veterinäramt Hinweise „gewissenhaft vertraulich und geht ihnen schnellstmöglich nach“, so der Pressesprecher. Eine weitere Nachfrage unserer Zeitung in dieser Woche hat kein neues Resultat.

Dass die Vorwürfe des Verfassers nicht hinreichend geklärt werden können, bestätigt auch Sinntals Bürgermeister Carsten Ullrich (SPD). „Die Zuständigkeit für die Überprüfung liegt beim Veterinäramt des Main-Kinzig-Kreises, welches auch über verschiedene Wege in Kenntnis gesetzt wurde“, sagt der Rathauschef. Und: Das Ordnungsamt habe im Verlauf einer Kontrollfahrt keine Feststellung im Außenbereich des Grundstücks gemacht, erläutert er.

Lesen Sie hier: Einem 58-jährigen Wächtersbacher wird vorgeworfen, sein Fohlen vernachlässigt zu haben. Die Amtsärztin stellte vor Ort fest, dass das Halfter im Bereich des Nasenrückens bereits rund ein Zentimeter bis auf den Knochen in den Hautbereich eingedrungen war. Jetzt wurde der Besitzer des Fohlens verurteilt.

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