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Uwe Hoyer, Heinrich Müller und Andreas Heil (von links) begutachten das Ergebnis der Instandsetzung beim einem Ortstermin an der alten Brunnenanlage rund einen Kilometer außerhalb der Steinauer Innenstadt.

Steinau

Städtischer Brauhausborn - „Da liegt Spannendes unter der Erde“

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Manchmal muss man ein wenig tiefer graben, um wahre Schätze ans Tageslicht zu fördern. Einen Schatz haben Andreas Heil, technischer Betriebsleiter der Stadtwerke, und Uwe Hoyer vom Kanalservice Schlüchtern zwar nicht gehoben, dafür aber große Teile des städtischen Brauhausborns offengelegt. Die Anlage muss es schon weit vor 1900 gegeben haben.

Steinau - Es wäre klüger gewesen, an diesem Tag keine hellen Schuhe zu tragen. Der Ortstermin findet an der Alten Straße, etwa 1,2 Kilometer außerhalb des Steinauer Stadtkerns gelegen, kurz hinter dem Parkplatz des Tennisclubs in Richtung Niederzell statt. Es ist eine matschige Angelegenheit.

Andreas Heil, Sachbearbeiter im städtischen Bauamt und technischer Betriebsleiter der Stadtwerke, Uwe Hoyer vom Kanalservice Schlüchtern und Heinrich Müller von der Steinauer Jagdgenosseschaft sind da besser ausgerüstet.

Alte Leitungen von Wurzeln befreit

Genau an dieser Stelle, etwa 1,2 Kilometer nordöstlich des Stadtkerns, liegt der Brauhausborn. Weil der alte Brunnen, der neben dem Auslauf in der Ziegelgasse auch den Steinauer Eisweiher versorgt, im vergangenen Jahr recht wenig Wasser geführt hatte, entschied man sich an verantwortlicher Stelle dazu, der Sache auf den Grund zu gehen.

Bereits vor Jahren, so Andreas Heil, hatte man in einer ersten Indstandsetzungsmaßnahme die alten Leitungen von Wurzelwerk befreit, um so das Wasser wieder fließen zu lassen. „Da kann man immer ein bisschen den Durchfluss verbessern. Letztlich muss man aber großflächiger an die Sache herangehen“, erklärt Heil.

Jagdgenossenschaften stehen unterstützend zur Seite

Unterstützung hat die Stadt dabei von der örtlichen Jagdgenossenschaft bekommen, die in jedem Jahr einen Teil der Jagdpacht wieder zurückführt und diese in Absprache mit der Stadtverwaltung für unterschiedliche Projekte zur Verfügung stellt, erklärt Heinrich Müller.

Einer der Zierbrunnen in der Ziegelgasse.

„Zumeist für Wegebaumaßnahmen. In diesem Jahr unterstützen wir die Instandsetzung des Brunnens“, berichtet er weiter. Insgesamt steuern die Steinauer Jagdgenossen – es gibt insgesamt vier Zusammenschlüsse dieser Art in der Grimmstadt – 900 Euro bei, um den Brauhausborn wieder voll Instand zu setzen.

Karte aus dem Jahr 1908 hilft bei der Orientierung

Hier kommen Uwe Hoyer und seine Mitarbeiter ins Spiel. „Wir können da niemanden mehr in den alten Kanal hinunterlassen“, sagt Heil. Das sei in Sachen Arbeitssicherheit unmöglich. „Die Schächte und Rohe sind relativ eng, die stammen noch aus einer Zeit, da waren die Menschen offensichtlich kleiner“, sagt er und lacht.

Eine Woche lang haben Hoyer und sein Team die Rohre gesäubert, ausgefräst und gespült. Auch zwei neue Schächte wurden gesetzt, um die Reinigung und Spülung künftig zu erleichtern. Hierzu musste auch technisches Gerät anrücken. „Eine echte Erleichterung. Früher musste man so etwas händisch machen. Heute kann man mit der Kamera die Rohe und Leitungen abfahren“, sagt Hoyer.

Die alte Karte des Brunnen aus dem Jahr 1908.

Bei der Orientierung geholfen hat eine alte Karte aus dem Jahr 1908. „Da hat man den Brunnen schon einmal umgebaut“, sagt Heil, der vermutet, dass die Anlage sehr viel älter sein muss als bisher angenommen.

Noch heute werden Gärten mit dem Brunnen bewässert

Schon vor mehr als 100 Jahren also nutzen die Steinauer die alte Brunnenanlage vor den Toren der Stadt, um das Wasser aus der nahegelegenen Quelle sowie einsickerndes Grundwasser mittels Freigefälle-Rohrleitung in die Kernstadt zu transportieren. Dieses wurde früher überwiegend zu Brauzwecken – daher der Name – und zur Speisung zweier öffentlicher Zierbrunnen in der Ziegelgasse genutzt. Noch heute holen sich die Steinauer dort ihr Wasser und machen von diesem Gewohnheitsrecht gebrauch, um zum Beispiel Gärten zu bewässern.

Heil ist sich sicher, dass noch weitere Schächte und Sickerstränge unter der Erde liegen, denn auf der Karte sind noch weitere Teile des Brunnens eingezeichnet. „Hier müsste man noch weiter graben. Vielleicht machen wir das im Herbst oder wenn wir merken, dass der Wasserzulauf wieder beeinträchtigt ist“, sagt er.

Künftig kann über einen Schieberegler am Eisweiher der Wasserzufluss in den Brunnen in der Ziegelgasse gesteuert werden. „Wenn dort der Wasserdruck zu hoch ist, können wir diesen so verringern. Es bringt ja auch nichts, wenn das Wasser herausspritzt.“ Ein weiteres Projekt wäre die Verschönerung des Wasserauslaufs in der Ziegelgasse. „Hierüber müsste aber nochmal beraten werden.“

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