Blicken gespannt auf das, was kommt: Steinaus künftiger Bürgermeister Christian Zimmermann gemeinsam mit den Töchtern Christina (links) und Sophia sowie Ehefrau Zuzanna.
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Blicken gespannt auf das, was kommt: Steinaus künftiger Bürgermeister Christian Zimmermann gemeinsam mit den Töchtern Christina (links) und Sophia sowie Ehefrau Zuzanna.

Die Grimmstadt im Blick

„Ich habe kein Auge zugemacht“ - Steinaus zukünftiger Bürgermeister feierte Wahlsieg mit der Familie

  • Sabine Simon
    vonSabine Simon
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Tag eins nach der Stichwahl. Steinaus künftiger Bürgermeister Christian Zimmermann kann es eigentlich noch immer nicht fassen. Am Sonntag hatte sich der 50-Jährige gegen seinen Mitkonkurrenten Timo Jacob-da Rosa durchsetzen können und wird für die nächsten sechs Jahre die Amtsgeschäfte im Rathaus führen. 

Steinau - Auch am Montagnachmittag steht das Telefon nicht still. „Ich weiß gar nicht, wie viele Stunden ich heute schon telefoniert habe. Und fragen Sie nicht nach E-Mails oder Nachrichten bei WhatsApp“, sagt Christian Zimmermann am Montag nach seinem Wahlsieg. Mit 56,82 Prozent hat sich der parteiunabhängige Diplom-Ingenieur und Verkaufsberater gegen SPD-Kandidat Timo Jacob-da Rosa in der Stichwahl durchgesetzt. 612 Stimmen mehr. „Wahnsinn“, sagt Zimmermann. Zu den ersten Gratulanten zählten neben Familie und Freunden Ulmbachs Ortsvorsteher Alexander Happ, Schlüchterns Rathauschef Matthias Möller oder auch Dominik Brasch, der Bürgermeister Bad Soden-Salmünster. (Lesen Sie hier: Insgesamt neun Kandidaten traten bei der Wahl an)

Nach Wahlsieg: Steinaus neuer Bürgermeister feiert im engsten Familienkreis

Er müsse darauf erst einmal klarkommen, sagt Zimmermann. Gefeiert habe man im kleinen Kreis, mit der Familie und den Eltern – so gut es wegen Corona eben ging. „Wenn ich ehrlich bin, ich habe letzte Nacht kein Auge zugetan. Um 3 Uhr habe ich mir einen Film angestellt, den ich eigentlich schon gesehen habe“, gesteht er. Während der Rest der Familie schlummerte, ließ Zimmermann den Sonntag Revue passieren und dachte darüber nach, wie wohl die nächsten sechs Jahre verlaufen werden. „Ich bin jetzt schon unendlich dankbar für das Vertrauen der Steinauer. Ich werde sie nicht enttäuschen.“

Auch wenn es beim Pressetermin darum geht, den Mensch hinter dem Bürgermeisterkandidaten und seine Familie kennenzulernen, Zimmermann hat sofort wieder die Grimmstadt im Blick: Kita-Neubau, Tourismus, Finanzen, Straßenbau, Digitalisierung und die vielen kleinen Dinge. Zum Beispiel wie man auch die vielen älteren Steinauer unterstützen kann. Zimmermann würde am liebsten sofort loslegen, die Potenziale voll ausschöpfen. Mit allen gemeinsam, vor allem auch mit den städtische Gremien. In sein neues Amt eingeführt wird er vermutlich aber erst zum 1. Februar. Damit ihm zwischenzeitlich nicht „langweilig“ wird haben ihn die Fraktionen gleich zu den Ausschusssitzungen in dieser Woche eingeladen. Am Dienstagabend tagt um 19.30 Uhr der Ausschuss für Landwirtschaft, Umwelt und Forsten, am kommenden Donnerstag der Haupt- und Finanzausschuss. Erster Stadtrat Arnold Lifka wird außerdem einen reibungslosen Übergang gewährleisten und Zimmermann die Amtsgeschäfte übergeben.

Bürgermeister Christian Zimmermann: Seine Familie unterstützte ihn im Wahlkampf

Vorher ist noch einiges zu regeln, zum Beispiel muss der Arbeitgeber informiert werden. „Meinen Vorgesetzten habe ich noch gar nicht erreichen können. Dafür aber meine Kollegen“, sagt Zimmermann. Bis Ende des Jahres will er außerdem noch ein paar Dinge im und am Haus erledigen. „Da habe ich als Bürgermeister bestimmt nicht mehr so viel Zeit dafür, also muss da vorher noch einiges passieren“, sagt Zimmermann, der große Teile des Erdgeschosses in Eigenleistung renoviert und saniert hat. 2013 ist die Familie Zimmermann an den Steinauer Weinberg gezogen – in ein Haus mit toller Aussicht und riesigem Garten. „Wenn ich hier durch die Bäume schaue, kann ich sogar das Rathaus sehen“, sagt Zimmermann. Die Frage, ob er vielleicht beim Frühstück mit Blick auf den Kumpen auf die Idee zur Bürgermeisterkandidatur kam, lässt er unbeantwortet.

Die Zimmermanns leben direkt am Waldrand, genießen den kurzen Weg in die Natur. „Man braucht einen Ausgleich, wenn man viel arbeitet“, sagt Zimmermann, der als Hobbys unter anderem Fahrradfahren, Reiten oder die Jagd nennt. An das Rauschen der Autobahn, nicht weit unterhalb des Hauses, haben sich die Vier inzwischen gewöhnt. „Die Aussicht ist einfach unvergleichlich. Bei gutem Wetter kann man sogar die Wasserkuppe sehen“, sagt Zuzanna Zimmermann. Die 42-Jährige ist als Allgemeinmedizinerin in einer Schlüchterner Praxis tätig und ist mächtig stolz auf den Erfolg ihres Mannes. Sie hatte ihn seit August im Wahlkampf unterstützt, gemeinsam mit ihm die rund 170 Wahlplakate in der Innenstadt und den Stadtteilen aufgehängt – und einen Teil schon wieder abgehängt. So ein Amt könne man auch nur mit Unterstützung der Familie übernehmen, findet sie.

Nach Wahlsieg: Guter Kontakt zu Steinaus Bürgern soll bestehen bleiben

Tochter Christina nickt. Die 15-Jährige besucht die 10. Klasse am Ulrich-von-Hutten-Gymnasium in Schlüchtern. „Ich habe heute morgen auch viele Glückwünsche für meinen Vater bekommen“, sagt sie. Auch sie ist noch immer sprachlos, dass ihr Vater tatsächlich der neue Steinauer Bürgermeister ist.

Das, was ihm vielleicht den Wahlsieg gebracht hat, will Zimmermann auch in den kommenden Monaten pflegen: den guten Kontakt zu den Steinauern. „Ich will Ansprechpartner sein, für kleine und große Anliegen, für Ideen und Probleme“, sagt er und fügt hinzu: „Auch bevor ich offiziell den Dienst antrete.“

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