Die Teilnehmer der Demonstration kamen nicht nur aus dem Bergwinkel, sonder auch aus dem Westkreis - und waren „grimmig“.
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Die Teilnehmer der Demonstration kamen nicht nur aus dem Bergwinkel, sondern auch aus dem Westkreis - und waren „grimmig“.

Plädoyer vom Altbürgermeister

Bis zu 200 Teilnehmer demonstrieren für den Erhalt von Brüder-Grimm-Haus und Heimatmuseum in Steinau

  • Alexander Gies
    vonAlexander Gies
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Bei einer Demonstration für den Erhalt der Steinauer Museen hat sich Altbürgermeister Hans-Joachim Knobeloch am Mittwoch spontan zu Wort gemeldet. Er begeisterte die 150 bis 200 Teilnehmer mit seinem leidenschaftlichen Plädoyer. 

Steinau - Dass die Einrichtungen wegen der Kürzungspläne der Stadtverordneten tatsächlich schließen müssen, gilt als unwahrscheinlich. Doch die Demonstranten wollten klarstellen, dass sie den Kürzungsplänen, welche die Steinauer Museen bedrohen könnten, entschieden entgegentreten.

Bürgermeister Malte Jörg Uffeln ließ sich am Mittwoch noch einmal mit seiner bekannten Position vernehmen: „Ich schließe keine Museen und entlasse keine Mitarbeiter.“ Nach der Magistratssitzung, die sich an die Demo anschloss, teilte er als Ergebnis kurz mit: „Keine Schließung. Was nach dem 1. August passiert, steht nicht mehr in meiner Macht.“ Dann ist Uffeln nicht mehr im Amt. Auch Stadtverordneter Markus Harzer (SPD), der an der Demo teilnahm, versicherte: „Keiner will die Museen schließen.“ Große Hoffnungen setzt er in ein Gespräch mit Landrat Thorsten Stolz diese Woche und Fördermittel vom Land: „Ich denke, da gibt es genug.“

Sprach vielen aus dem Herzen: Altbürgermeister Hans-Joachim Knobeloch.

Demo in Steinau: Altbürgermeister Knobeloch leidenschaftliches Plädoyer für Erhalt der Museen

Altbürgermeister Knobeloch erinnerte an die Eröffnung des Heimatmuseums in den 90-er Jahren, das Museumsleiter Burkhard Kling zu „einem wahren Schätzchen“ aufgebaut habe. „Wir müssen uns alle dafür einsetzen, diese kulturelle Stätte zu erhalten“, sagte er unter dem Applaus der Anwesenden. Er plädierte auch für mehr Investitionen: „Mache ich das nicht, geht das Museum erst recht kaputt.“

Claudia Dorn von der Tourist-Information wies auf die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus hin: „Wir haben im Brüder-Grimm-Haus 10.000 Besucher im Jahr und 20.000 Übernachtungen in der Stadt, die zu einem Großteil darauf zurückgehen.“ Wenn die Museen wegfielen, backe der Bäcker 40.000 Brötchen weniger, und die Stadtwerke verkauften 800.000 Liter weniger Wasser. Sie verlas einen Brief von Margaretha Neuhold vom Gasthaus Grüner Baum“.

Bis zu 200 Teilnehmer haben an der Demonstration für den Erhalt des Brüder-Grimm-Hauses in Steinau teilgenommen.

Brief von Margaretha Neuhold: Tourismus in Steinau sei vom Brüder-Grimm-Haus abhängig

Darin betont diese: „Steinau kann sich geschlossenen Museeen nicht leisten, sondern wird es zur Schlafstadt.“ Der Tourismus in der Stadt sei vom Brüder-Grimm-Haus abhängig. Museumsleiter Kling erinnerte daran, dass trotz gegenteiliger Beteuerungen immer noch die „Drohung“ im Raum stehe, die Gelder für Aufsicht- und Kassenkräfte um 32.800 Euro kürzen zu müssen. „Das bedeutet: Ich habe keine Finanzmittel mehr für die Mitarbeiter.“ Aber selbst einen halben oder einen Tag schließen zu müssen, sei fatal.

Gästeführerin Renate Ulrich betonte die Notwendigkeit, die Brüder-Grimm-Stadt deutschlandweit bekannt zu machen: „Uns kennen immer noch viel zu wenige.“ Deshalb müsse das Werbebudget des Museums erhöht und nicht weiter gekürzt werden. Ein Teilnehmer wies auf den jährlichen, ehrenamtlich organisierten Märchensonntag hin, der jedesmal 4000 bis 5000 Besucher nach Steinau locke.

Irritiert zeigten sich Teilnehmer über die Entscheidung des Ordnungsamtes, rund um das Rathaus, in dem der Magistrat nach der Demo tagen sollte, eine Bannmeile auszuweisen. Dies wurde als „unangemessen“ bezeichnet.

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