Marcus Pauli im Garten seines Hauses. Auch wenn es schon ganz schmuck dasteht, hat der 39-Jährige noch einiges zu tun, bis es fertiggestellt ist. Ob ihm dafür als Bürgermeister noch genug Zeit bleibt?
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Marcus Pauli im Garten seines Hauses. Auch wenn es schon ganz schmuck dasteht, hat der 39-Jährige noch einiges zu tun, bis es fertiggestellt ist. Ob ihm dafür als Bürgermeister noch genug Zeit bleibt?

Wahl am 1. November

„Steinau ist ein Teil von uns“: Bürgermeisterkandidat Marcus Pauli ist Familienmensch

  • Alexander Gies
    VonAlexander Gies
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Neben der Haustür reihen sich bunte Gummistiefel – klein und größer – aneinander, ein entspannter Hausherr, der sich gerade im Home-Office befindet, öffnet die Tür: „Kommen Sie rein!“ Willkommen bei den Paulis.

Steinau an der Straße - Am Ortsrand von Steinau hat der Bürgermeisterkandidat für seine fünfköpfige Familie ein gemütliches Holzhaus errichtet. Das Eichenparkett hat er selbst verlegt. Die Paulis, das sind Papa Marcus (39), Mama Silke (37) und die drei Söhne (18, 6 und 2 Jahre). „Am Wochenende muss ich wohl wieder ran“, sagt Pauli und blickt auf die Entwässerungsrinne am Fuß der Fassade, die noch ihrer Vollendung harrt.

Im weitläufigen Erdgeschoss fällt auf: kein Fernseher weit und breit. „Ja, in den hat der Blitz eingeschlagen und wir fanden einfach keine Zeit, einen neuen zu kaufen, bis wir gemerkt haben, dass wir die Kinder auch ohne Fernsehen gut beschäftigen können“, sagt Pauli und fügt an: „Wir sind ohnehin Draußen-Menschen“. Und jedes Wochenende irgendwo in Steinau unterwegs: „Meine Frau ist in vielen Vereinen, und mein Sohn hat jetzt mit dem Handballspielen angefangen. Das macht alles einen Riesenspaß. Steinau ist ein Teil von uns“, bekennt der gebürtige Grimm-Städter.

Studiert hat er Wirtschaftsinformatik in Jena, davon ein halbes Jahr in Finnland. Dort lernte die Sprache ebenso wie die Weißen Nächte und den wöchentlichen Saunagang schätzen. Mit seinem kleinen VW Polo reiste er viel, sogar bis ans Nordkap. Heute zieht es ihn mit seiner Familie gern in den Skiurlaub, aber auch an die Nordsee oder ans Mittelmeer. Wenn er nicht im Home-Office tätig ist, sitzt Marcus Pauli im Büro am Palmengarten in Frankfurt. Bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ist er in der Abteilung Konzernentwicklung tätig und entwickelt Projekte, die einen Bezug zur IT aufweisen. Der strategische Blick in entfernte Zukünfte ist dabei wichtig und soll ihm auch später den Weg im Bürgermeisteramt weisen.

Marcus Pauli tritt zur Bürgermeisterwahl in Steinau an

Pauli ist FDP-Mitglied. Seit 2010. Der „freiheitliche Weg“, der es jedem erlaube, sein Glück selbstbestimmt zu finden, habe ihn zu den Liberalen geführt, sagt er. Die FDP, in Steinau nicht mehr als ein Grüppchen von zehn Getreuen, führt er als Stadtverbandsvorsitzender an. Bei seiner Kandidatur kann er aber nicht nur auf die Unterstützung der Liberalen zählen, für die er antritt, sondern auch auf die des Orts- und des Kreisverbands der CDU. Die BGM-Fraktion, für die im Stadtparlament sitzt, „unterstützt mich ebenfalls und setzt sich sowohl aus Mitgliedern der CDU, FDP als auch parteilosen Personen zusammen“, erläutert Pauli.

Themen

Marcus Pauli sind diese zehn Punkte aus seinem Wahlprogramm wichtig. Er betont, dass die Reihenfolge keine Prioritäten darstelle.

1. Gesunde Finanzen

2. Kinderbetreuung / KiTa Neubau

3. Digitalisierung

4. Gemeindestraßen

5. Wertschätzende Zusammenarbeit mit den Gremien.

6. Kultur und Tourismus 7. Fairer und gleichberechtigter Umgang zwischen Bürgern, Vereinen und Gewerbe.

8. Nachhaltige und zielgerichtete Ressourcennutzung.

9. Bauen, Gewerbe und Industrieansiedlung.

10. Regionale Nachhaltigkeit

Dass er dennoch ein eigenständig handelnder politischer Mensch ist, wurde erst kürzlich deutlich, als er als einziger seiner Fraktion für den Weiterbau des Marstalls und damit für neuerliche Ausgaben in Höhe von 300 000 Euro stimmte.

Auch sonst geht er seinen Weg: Den Betrieb von zwei Schwimmbädern in der Stadt hält er für „schwierig“. „Wir werden um tiefere Einschnitte nicht herumkommen“, sagt er mit Blick auf die Zahlen. Aber, wer weiß: Vielleicht biete sich für das Bad in Ulmbach ja das Modell eines Fördervereins an, wie es in Hutten praktiziert werde. „Es wird immer ein Ringen sein“, ist er überzeugt. Wichtig ist ihm, nicht unglaubwürdig zu werden und allen alles Mögliche zu versprechen, nur weil es opportun sein könnte.

Aufhorchen ließ Pauli bereits im März, als er 500 Euro, die für seine Wahlplakate gedacht waren, lieber für den Fortbestand des Steinauer Faschingsumzugs spendete. Eine „maßvolle“ Grundsteuer-Erhöhung hätte er mitgetragen, sagt er. Und beim Thema Windkraft – auch in Steinau ein Reizthema – gibt er sich unvoreingenommen: „Wenn man mit den Einnahmen Gutes tun kann, ist das ein gangbarer Weg. Ich würde das aber nicht durchboxen wollen“, betont Pauli. Sondern gemeinsam mit den Beteiligten eine Lösung suchen. Er stehe für Partizipation, etwa in Zukunftswerkstätten, bei denen sich jeder einbringen könne, verspricht Pauli.

Marcus Pauli ist Familienmensch und möchte sich treu bleiben

Mit Blick auf die Finanzen hätte er es lieber gesehen, wenn Rücklagen gebildet worden wären, als es noch gut lief, anstatt das Geld gleich auszugeben. Die zahlreichen Leasingverträge, egal, ob für Autos oder Heizung, möchte er auf den Prüfstand stellen. Am Personal solle man nicht sparen, müsse aber auch festhalten: Wenn es weniger Einwohner gibt, kann man nicht mehr Leute einstellen. Ein Fördermittel-Experte im Rathaus würde sich hingegen bezahlt machen, ist er überzeugt. Das sehe man an Schlüchtern.

Um aus der Dauerspar-Schleife herauszukommen, hält Marcus Pauli es für essenziell, die Einnahmen zu erhöhen: Mehr Gewerbeflächen bringen mehr Firmen, bringen mehr Arbeitsplätze für Leute, die sich niederlassen wollen und mehr Bauplätze nachfragen. Dazu müsse die Kinderbetreuung neu aufgestellt werden. Vielleicht fehlt ja in Steinau noch ein Waldkindergarten oder ein anderes Modell? Einen Kindergartenneubau hält der Wirtschaftsinformatiker indes für unumgänglich und ist überzeugt: „Das kriegen wir finanziert. Die steuerliche Mehrbelastung wäre sehr gering.“

Den Wahlkampf gestaltet er – sagen wir mal – dezent. Marcus Pauli hat einen Flyer erstellt, aber auf eine eigene Homepage oder eine separate Bürgermeister-Seite bei Facebook hat er verzichtet. Er will Sitzungen von Ortsbeiräten und Feuerwehren besuchen, die Klingelrunde an Haustüren mag er jedoch nicht so sehr: „Das wirkt sehr aufdringlich“, findet Pauli und fügt an: „Ich bin keiner, der sich in den Vordergrund stellen muss“.

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