Sebastian Schneider ist mit seiner Heimat eng verbunden. Auch ohne Wahlsieg zieht es den 30-Jährigen zurück nach Sarrod.
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Sebastian Schneider ist mit seiner Heimat eng verbunden. Auch ohne Wahlsieg zieht es den 30-Jährigen zurück nach Sarrod.

Wahl am 1. November

„Steinau kann einfach so viel mehr“: Sebastian Schneider will als Bürgermeister in Steinau Potenziale heben und die Finanzen ordnen

  • Sabine Simon
    vonSabine Simon
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Er ist mit 30 Jahren der Jüngste unter den Bewerbern um den Chefposten im Steinauer Rathaus: Sebastian Schneider aus Sarrod. Der Diplom-Finanzwirt, der für das Finanzamt Offenbach auch Betriebe in der Region unter die Lupe nimmt, findet, dass Steinau sein Potenzial nicht voll ausnutzt. Das will er ändern.

Sarrod - Der Gesprächstermin wird für Schneider zum Heimspiel. Eine Parkbank mitten in Sarrod, ein schattiges Plätzchen am Dorfplatz. Die Bürger, die mit Auto oder landwirtschaftlichen Maschinen vorbeifahren, grüßen freundlich, winken. Man kennt sich. Dass er der nächste Bürgermeister werden will, haben die Sarroder gut aufgenommen.

„Als ich mich entschieden hatte, bin ich natürlich im Ort unterwegs gewesen, um Unterstützerunterschriften zu sammeln“, sagt Schneider. Die persönlichen Gespräche, die sich dabei ergeben hätten, seien schon ohne Wahlsieg ein wahrer Gewinn für ihn gewesen.

Schneider, der Finanzbeamte, ist Analytiker. Zahlen sind genau sein Ding. Ob das typisch für seinen Beruf ist? „Vielleicht“, meint er und lacht. „Dass ich mich mit Zahlen und Bilanzen auskenne, ist in Steinau kein Nachteil.“ Mit zehn Jahren Praxiserfahrung in der Finanzverwaltung seien auch behördliche Abläufe kein Buch mit sieben Siegeln für ihn.

Sebastian Schneider möchte Bürgermeister in Steinau werden

Ist ein guter Bürgermeister auch ein guter Betriebsprüfer? „Eher ein guter Mediator“, findet Schneider, der vor Kurzem zudem sein Examen zum Steuerberater erfolgreich abgeschlossen hat. Er könne sich in die Bücher einarbeiten, dafür bringe er das Fachwissen mit. Ansonsten setze er auf die Amtsleiter und Mitarbeiter. „Das ist etwas, das ich als erstes anpacken will. Ein persönliches Gespräch mit jedem. Eine bessere Bestandsaufnahme kann es nicht geben“, führt Schneider weiter aus. „Alte Verbindlichkeiten schränken die finanziellen Spielräume der Stadt momentan stark ein, die Sorgen können sich nicht in Luft auflösen.“ Deshalb wolle er genau herausfinden, was im Argen liege. Dennoch sollte Steinau positiv in die Zukunft blicken.

Der parteiunabhängige Bewerber will – sofern er die Wahl am 1. beziehungsweise 15. November für sich entscheiden kann – endlich das Potenzial der Grimmstadt voll ausschöpfen: finanziell und kulturell. Sein Motto dabei könnte lauten: In der Ruhe liegt die Kraft. Schneider schlägt leisere Töne an, bleibt in seinen Aussagen aber manchmal auch recht vage. Schneider will Taten folgen lassen, statt „nur zu reden oder zu versprechen“. Von halbgaren Äußerungen halte er nicht viel, sagt er.

Themen

Verwaltung

Konstruktive Zusammenarbeit mit Stadtverordneten und Ortsbeiräten; Modernisierung und Bürgerorientierung der Verwaltung vorantreiben.

Privatleben

Vereinsleben und Ehrenamt fördern und stärken; neuen Wohnraum in Abstimmung mit den Ortsbeiräten und Bürgern bereitstellen; Sicherstellung geeigneter Kinderbetreuung.

Haushalt & Wirtschaft

Zuschüsse und Fördergelder abrufen; neue Industrieflächen bereitstellen und bewerben; Dialog mit ansässigen Unternehmen suchen; Tourismus ankurbeln: Bestehende Angebote kombinieren und bewerben, neue Angebote schaffen.

Fachwerk oder Schloss, Theater oder Puppenspiel, Märkte, Schwimmbad, Tropfsteinhöhle, Freizeitpark – Sebastian Schneider muss Luft holen, als er Steinaus Potenziale aufzählt. „Und das alles bereits in der Innenstadt“, sagt der 30-Jährige, den es gemeinsam mit seiner Verlobten auch ohne den Bürgermeisterposten von Gelnhausen zurück in die Heimat zieht. Derzeit baut das Paar das Dachgeschoss in seinem Elternhaus um und aus, 2021 wird geheiratet.

Als Finanzbeamter sind Zahlen Schneiders Ding

Doch zurück zu den Potenzialen. „Wir sind mehr als die Brüder Grimm. Steinau kann einfach so viel mehr“, sagt Schneider, der das Grimm’sche Erbe natürlich nicht außen vor lassen will. Die Brüder Grimm seien seit jeher zentraler Bestandteil und Aushängeschild der Stadt. „Zu recht. Doch Steinau hat weitere Potenziale.“ Kultur und Unterhaltung würden in Steinau wie in kaum einer anderen Stadt dieser Größenordnung zusammentreffen. „Dies zu erhalten, zu nutzen und zu fördern, mache ich mir zur Aufgabe. Sei es durch die Beantragung öffentlicher Zuschüsse und Fördergelder oder die Bewerbung unserer bestehenden Attraktionen“, betont der Finanzwirt, Und: „Allem voran aber durch das direkte Gespräch und die Zusammenarbeit mit den Vertretern und Inhabern.“

Stadtparlament, Magistrat und Führungspositionen müssten wieder an einem Strang ziehen. „In Rage reden darf sich jeder. Es darf nur nicht sein, dass gute Vorschläge aus persönlichen Gründen oder parteipolitischen Interessen abgelehnt werden“, betont der Bewerber um den Chefposten und verweist darauf, dass das in Steinau in den vergangenen Jahren zu oft der Fall gewesen sei.

Konkrete Beispiele will Schneider hier nicht nennen, glaubt aber, dass die größten „Zankhähne ohnehin schon aus dem Rennen sind“. Dennoch müsse man künftig weiter an einem besseren Klima arbeiten. Vor allem auch der neue Bürgermeister. „Sollte ich die Wahl für mich entscheiden können, werde ich mich um den Rückhalt in den einzelnen Fraktionen bemühen müssen“, ist er realistisch – und auch optimistisch: „Aber das kann ich.“ Verschiedene Interessen zu moderieren sei schließlich sein Beruf. „Auch ein Bürgermeister muss immer wieder den Konsens herbeiführen.“

Schneider: Wir sind mehr als die Brüder Grimm, Steinau kann einfach so viel mehr

Schneider will Bestehendes erhalten, Wachstumschancen wahrnehmen – und denkt hierbei vor allem an die insgesamt zwölf Stadtteile, die sich oft abgehängt fühlten. „Jeder Stadtteil hat seine ganz eigenen Einrichtungen und Sehenswürdigkeiten. Diese in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Ortsvertretern zu erhalten, gegebenenfalls sogar Neues zu gestalten, ist eines meiner Ziele.“ Er wolle sich auch für ein aktiveres Ehrenamts- und Vereinsleben in Steinau einsetzen.

Daneben gelte es gerade jetzt, in Zeiten günstiger Kredite, das Wachstum der Stadt durch die Ausweisung geeigneter Baugebiete zu fördern. „Um auch jungen Familien den Um- oder Zuzug möglichst einfach und attraktiv zu gestalten, gehört hierzu auch, ausreichend Plätze für die Kinderbetreuung und passende Beförderung zu gewährleisten“, so Schneider. Nicht zuletzt sieht er unter anderem Handlungsbedarf in der flächendeckenden Versorgung mit schnellem Internetzugang und der öffentlichen Anbindung vieler Ortsteile durch den Busbetrieb, um auch den weniger mobilen Mitbürgern mehr Anteil am öffentlichen Leben zu ermöglichen.

„Auch ein Bürgermeister muss immer wieder den Konsens herbeiführen.“

Durch die direkte Anbindung an die Autobahn und den Schienenverkehr habe Steinau grundsätzlich viel zu bieten. Doch wenn es um den Erhalt und die mögliche Neuansiedlung von Arbeitsplätzen gehe, sollte „viel nicht genügen“, erläutert er. Auch die aktive Erschließung und Vermarktung ausgewiesener Gewerbeflächen seien die Grundlage weiteren Wachstums. „Daneben dürfen aber auch Kleinunternehmertum und die Landwirtschaft nicht in Vergessenheit geraten“, findet Schneider, der das Ansehen der Steinauer Unternehmen und Unternehmer fördern will.

Schneider: „Steuer- und Beitragserleichterungen zu versprechen, das wäre einfach, doch kurzfristig leider nicht zweckmäßig.“ Die Auswirkungen der Corona-Pandemie seien derzeit nicht absehbar, sie würden aber gewiss negative Folgen für das Gewerbesteueraufkommen mit sich bringen. Für den neuen Steinauer Bürgermeister sei nicht nur das eine Herausforderung.

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