Insgesamt 18 Kinder stehen derzeit in Steinau auf der Warteliste – Tendenz steigend. Kann ein neuer Kindergarten das Problem lösen?
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Insgesamt 18 Kinder stehen derzeit in Steinau auf der Warteliste – Tendenz steigend. Kann ein neuer Kindergarten das Problem lösen?

Wann kommt der Neubau

Zu wenig Plätze für die Kleinsten: Steinau braucht dringend einen neuen Kindergarten

  • Sabine Simon
    vonSabine Simon
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Immer mehr Eltern wollen auch ihre Kinder unter drei Jahren betreuen lassen. Doch das Angebot hält nicht Schritt. In Steinau stehen derzeit insgesamt 18 Kinder auf der Warteliste. Und der dringend benötigte Kita-Neubau rückt weiter in die Ferne.

Steinau - 232 Kinder werden im laufenden Kindergartenjahr in den Einrichtungen des Zweckverbands Evangelischer Kindertagesstätten im Stadtgebiet von Steinau betreut. Das bestätigt dessen Vorsitzender Wilhelm Laakmann auf Anfrage unserer Zeitung. „Allerdings ,belegen’ sie mehr Plätze, da Kinder unter drei Jahren 1,5 Plätze binden und Kinder mit besonderem Förderbedarf auch mehr als einen Platz ausmachen“, erläutert er. Zudem kämen jetzt jeden Monat noch angemeldete Kinder hinzu, wenn diese das notwendige Alter erreicht hätten. „Bis zum 31. Juli 2021 haben wir keinerlei Spielraum mehr“, sagt Laakmann.

Fehlende Kindergartenplätze in Steinau: Einige Familien bringen ihre Kinder nach Schlüchtern

Wer keinen Platz bekommt, muss andere Lösungen finden. Nicht alle Familien haben Großeltern im nahen Umkreis, die im Bedarfsfall einspringen können. Alleinerziehende trifft es oft noch schlimmer. So wie Sarah (39) aus Steinau. Sie will nicht mit ihrem richtigen Namen in der Zeitung erscheinen. Die alleinerziehende Mutter wartet auf einen Kindergartenplatz für ihren Nachwuchs. Momentan helfen Freunde aus, betreuen die Kinder während sie zur Arbeit geht. Das sei aber keine Dauerlösung.

„In Marjoß sind noch drei Plätze frei, obwohl Kinder aus Steinau bereits dorthin gefahren werden. Der Bedarf der Eltern an Betreuungszeiten passt allerdings nicht mit den Beförderungsmöglichkeiten zusammen. Manche Familien können diese freien Plätze nicht in Anspruch nehmen“, erklärt Laakmann. Man habe von Steinauer Kindern gehört, die nun Schlüchterner Einrichtungen besuchten.

Kapazitätsgrenze im Ulmbacher Kindergarten bereits erreicht

Noch in diesem Jahr soll die Bedarfsplanung aktualisiert werden. Hierzu soll es Gespräche mit Stadt und Jugendamt geben. Alternative Betreuungsmöglichkeiten, so der Vorsitzende, habe man bisher nicht angeboten, die Idee einer Notbetreuung nicht weiter verfolgt. Auch hierzu seien mehr Räumlichkeiten nötig, so Laakmann.

Auch im Stadtteil Ulmbach ist der Kindergarten ausgelastet. Die katholische Kita „Unterm Regenbogen“ wird derzeit von 87 Mädchen und Jungen besucht (eine Gruppe für Kinder unter drei Jahren, zwei Gruppen für ältere Kinder). Laut Leiterin Bernadette Huhn sei damit die Kapazitätsgrenze erreicht.

Es führt wohl kein Weg an einem Kita-Neubau in Steinau vorbei

An einem Kita-Neubau in Steinau führt in den kommenden Jahren kein Weg vorbei. „Die Wartelisten zeigen, dass die Plätze nicht ausreichen. Außerdem steigt der Bedarf an Krippenplätzen stetig. Die Arbeitsmarktsituation mit ihren Anforderungen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind Hauptursachen dafür“, sagt Laakmann. Im Kindergarten „Märchenwald“ dürften aus baulichen Gründen keine Kinder unter drei Jahren aufgenommen werden und die Anzahl der Kinder pro Gruppe sei ebenfalls aus den zuvor genannten Gründen begrenzt.

„Das Gebäude ist laut Fachleuten auch auf Grund des Alters ,verbraucht’, ist sanierungsbedürftig. Doch selbst eine Sanierung würde die Beschränkungen hinsichtlich der Gruppengrößen und der Aufnahme von Kindern unter drei Jahren nicht oder kaum ändern können“, betont Laakmann. Anfragen von Eltern der Grundschulkinder zeigten zudem den Wunsch nach einer Erweiterung des Hortangebots.

Für Steinauer Neubau stünden rund 506.000 Euro zur Verfügung

Wann in Steinau ein neuer Kindergarten gebaut werden kann, steht in den Sternen. „Wir wissen seit Längerem, dass wir dieses Problem nur mit dem Neubau einer Kita lösen können“, sagt Erster Stadtrat Arnold Lifka. Er werde deshalb in den kommenden Wochen Gespräche mit den beauftragten Architekten führen. Mit ihrem Beschluss vom Dienstag haben die Stadtverordneten zumindest sichergestellt, dass im laufenden Haushaltsjahr genügend Gelder zur Verfügung stehen, um die Planung weiter zu verfolgen.

Laut Kämmerer Gerhard Nüchter stünden nun für eine beim Main-Kinzig-Kreis einzureichende bauantragsreife Planung rund 506.000 Euro zur Verfügung. Die Gesamtkosten von rund 4,3 Millionen Euro müssten dann in den nächsten Haushaltsjahren 2021 und 2022 finanziert werden. Ungewiss ist nach wie vor, ob die Stadt Fördermittel in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro erhält. Lifka ist hier aber zuversichtlich. „Um einen Zuzug von jungen Familien nach Steinau sicherzustellen, brauchen wir nicht nur neue Baugebieten, sondern auch ein ausreichendes Angebot an Möglichkeiten der Kinderbetreuung“, sagt dieser. Gleiches gelte auch für das schulische Angebot.

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