Mal kommt sie, mal kommt sie nicht: Steinauer Bürger beklagen, dass ihre Tonnen nicht oder unregelmäßig geleert werden.
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Steinauer Bürger beklagen, dass ihre Tonnen nicht oder nur unregelmäßig geleert werden. Von den Problemen kann Ulmbachs Ortsvorsteher Alexander Happ ein Lied singen.

Einen Rechtsstreit will niemand

Steinauer Bürger beschweren sich über die Müllabfuhr: Mal kommt sie, mal kommt sie nicht

  • Sabine Simon
    vonSabine Simon
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Irgendetwas läuft in Steinau in Sachen Müllbeseitigung gehörig schief. Seit das Unternehmen „Weisgeber Umweltservice“ den Zuschlag erhalten hat, beklagen sich Bürger, dass ihre Tonnen nicht oder unregelmäßig geleert werden. Weisgerber räumt Probleme ein, sieht die Schuld aber nicht nur bei sich.

Steinau an der Straße - Zum Jahresbeginn hatte „Weisgeber Umweltservice“ die Müllentsorgung in Steinau an der Straße übernommen. Damit holt das mittelständische Unternehmen aus Wächtersbach kreisweit in nun insgesamt 16 Kommunen den Abfall ab. Nicht überall laufe es rund. Und auch in Steinau häuften sich die Beschwerden, wie der Erste Stadtrat Arnold Lifka (BGM) den Stadtverordneten im Oktober auf eine Anfrage seiner Fraktion mitteilte.

Müllabfuhr in Steinau kommt unregelmäßig - Das sorgt für Ärger bei den Bürgern

So würden die Mülltonnen in zahlreichen Fällen nicht termingerecht geleert. Allein bis Mitte Oktober seien 400 Beschwerden gezählt worden. „Müllgefäße bleiben aufgrund des Zeitdrucks der Mitarbeiter oft mitten auf dem Gehweg stehen oder werden nicht zurückgestellt“, erklärte Lifka. Zudem würden Tonnen beschädigt. Weitere Kritikpunkte der Bürger: Die Müllfahrzeuge würden teilweise „planlos“ herumfahren oder bereitgestellte Tonnen übersehen. Und: Nach der Leerung seien die Straßen teilweise mit Abfall verdreckt. Ein Bürger habe bereits die Einzugsermächtigung für die Müllabfuhr entzogen. Zwar würden Beschwerden, so Lifka, sofort nach Wächtersbach weitergeleitet und auch freundlich und kooperativ entgegengenommen. Nachleerungen verzögerten sich aber oft, was erneut für Ärger sorge.

Lifka spricht zudem ein in Steinau bestehendes, bisher geduldetes Problem mit verschiedenartigen Mülltonnen an. „Die Behältnisse sind oft auf den ersten Blick nicht als Mülltonne erkennbar, sind aber händisch beschriftet und ordnungsgemäß durch gültige Müllmarken gekennzeichnet.“ Man habe die betroffenen Bürger hinsichtlich der Abfallsatzung informiert, und natürlich laufe es an vielen Stellen auch reibungslos.

Probleme mit der Firma Weisgeber - Auch Ulmbachs Ortsvorsteher ist davon betroffen

Bereits zu Jahresbeginn gab es Kontakt mit der Firma Weisgerber, erklärt Lifka – auch im Rahmen der „Müll-AG“, einer regelmäßigen Zusammenkunft der zuständigen Mitarbeiter der Kommunen und des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft des Landkreises. Dort hatte die Geschäftsleitung eine Verbesserung versprochen. Geändert habe sich bislang aber nicht viel, sagt Lifka. Er betont, dass man natürlich auf eine für die Bürger angemessene Lösung hinarbeite – und zwar gemeinsam mit Weisgerber. Man wolle auf keinen Fall einen Rechtsstreit. „Aber wir müssen das Thema endlich vom Tisch bekommen. Vielleicht zusammen mit anderen Kommunen.“

Vom Müllproblem kann Ulmbachs Ortsvorsteher Alexander Happ ein Lied singen. Kürzlich wurde das Haus der Happs tagelang gar nicht angefahren. Als dann die Müllabfuhr anrückte, wurde kurzerhand die an der Hausrückseite abgestellte Abfalltonne samt darin gelagertem Getreide geleert. Zur Entlastung der Firma Weisgeber müsse er aber sagen, dass dieses Behältnis wie eine Biotonne aussehe. „Mich ärgert halt, dass man bis zum Haus raufgefahren ist und eine ,versteckte‘ Tonne geleert hat, obwohl die anderen ja unten an der Einfahrt stehen“, fügt der Ortsvorsteher hinzu. Zumindest habe er eine Entschädigung bekommen.

Durch die Corona-Pandemie hat sich die Situation bei der Firma Weisgeber verschärft

„Wir haben Anfang März einen Termin beim Bürgermeister wahrgenommen. Damals hatten wir den Vorschlag unterbreitet, dass uns ein Mitarbeiter der Gemeinde begleitet, um sich die Behälter-Probleme anzusehen. Leider haben wir hierzu nie wieder etwas gehört“, sagt Sean Stotzky, kaufmännischer Betriebsleiter bei Weisgerber. Er verstehe den Unmut, wirbt aber um Nachsicht. „Die Ungeregeltheit der Tonnen ist das größte Problem“, sagt er und nennt als Beispiel eine mit Edding-Stift beschriftete grüne Tonne mit blauem Deckel, die aber für den Verpackungsmüll gedacht ist: „Das Personal weiß oft nicht, welche Tonne es mitnehmen soll.“

Video: Was tun bei einer überfüllten Mülltonne?

Zudem sei der Behälterbestand teilweise veraltet und manchmal nicht mit den modernen Fahrzeugschüttungen kompatibel. „Natürlich ist nicht alles auf die Behälter zurückzuführen. Wir möchten uns hier keinesfalls aus der Verantwortung ziehen“, betont Stotzky und verweist auf Fachkräftemangel und Einarbeitungsprobleme. Man stelle allen Fahrern einen Tourenplan samt Karten bereit, worin auf Besonderheiten hingewiesen werde. Vieles müsse bei neuen Touren aber nachjustiert werden. Die Corona-Pandemie habe die Situation verschärft, räumt Stotzky ein. Hinzu kämen erhöhte Krankenstände, und ursprünglich für März bestellte Fahrzeuge wurden erst im Herbst geliefert. „Eine Zunahme der Müllmengen in privaten Haushalten von etwa 20 Prozent hat grundsätzlich dazu geführt, dass die Planungen oft nicht eingehalten werden können“, verdeutlicht er.

Weisgeber bietet der Stadt Steinau weitere Gespräche an - Ratschlag an die Bürger

Die Probleme in Steinau und woanders seien in groben Zügen bekannt, teilt ein Sprecher des Main-Kinzig-Kreises mit. Da die Kommunen allerdings die Vertragspartner seien, habe der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft keine Möglichkeit zur Einflussnahme.

Weisgerber bietet der Stadt Steinau indes weitere Gespräche an. Betriebsleiter Stotzky weist darauf hin, dass sich Bürger nach nicht erfolgter Leerung möglichst noch am selben Tag telefonisch in der Zentrale des Unternehmens Weisgeber melden könnten. „Oft sind die Fahrer nur ein paar Straßen weiter oder noch im Ort“, sagt er. Ansonsten erfolge die Nachleerung am nächsten, spätestens am übernächsten Tag. Stotzky ist sich sicher, dass man gemeinsam eine Lösung finde, schließlich „wollen wir auch zufriedene Kunden“.

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