Ein Teil des Marstallgebäudes ist schon fast fertig. Hier fehlen nur noch Türen und eine Endreinigung.
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Ein Teil des Marstallgebäudes ist schon fast fertig. Hier fehlen nur noch Türen und eine Endreinigung.

Ausschuss diskutiert

Steinau: Wird der Marstall doch fertig?

  • Sabine Simon
    vonSabine Simon
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Um die Sanierung des Marstallkomplexes drehte sich ein Tagesordnungspunkt während einer gemeinsamen Sitzung von Bau- sowie Haupt- und Finanzausschuss (HFA). Um die Maßnahme abschließen zu können, werden weitere Gelder in Höhe von rund 298.000 Euro benötigt (wir berichteten).

Steinau: Am Ende empfahl der HFA mit fünf Ja-Stimmen, einer Gegenstimme und einer Enthaltung den Stadtverordneten, die am 1. September zu ihrer nächsten Sitzung zusammen kommen, die Freigabe der Gelder. Der Bauausschuss nahm die Beschlussvorlage nicht an (2 Ja-Stimmen, 2 Nein-Stimmen).

Wie berichtet, wird die Maßnahme an dem aus dem Jahr 1568 stammenden Bauwerk viel teurer als ursprünglich geplant. Dies sorgt bereits seit Monaten für teils heftige Diskussionen in den Sitzungen der einzelnen städtischen Gremien – vor allem mit Ex-Bürgermeister Malte Jörg Uffeln. Am Donnerstagabend blieben hitzige Wortwechsel aus. Zwar war die Stimmung angesichts der finanziellen Lage der Stadt – aufgrund Corona fehlen derzeit Gewerbesteuereinnahmen in Millionenhöhe – sichtlich angespannt, jedoch bemühten sich alle Anwesenden um eine sachliche und fachliche Gesprächsrunde.

Zur Erinnerung: Bei Beginn des Großprojekts Marstall im November 2018 waren im Investitionsprogramm der Stadt 970 000 Euro für den Bau eingeplant worden, 500 000 Euro davon stammten noch aus Resten einer Förderung zur Stadtsanierung des Landes Hessen. Bereits im vergangenen Herbst hatte Jutta Hiestermann als Verantwortliche aus dem Bauamt festgestellt, dass das Geld nicht ausreichen würde und einen Mehrbedarf von 348 000 Euro angemeldet, den die Stadtverordneten auch genehmigt hatten. Jetzt soll die Fertigstellung nochmals rund 298 000 Euro mehr kosten. Die Gelder, die Steinau selbstredend nicht flüssig hat, sollen aus dem Projekt „Kita-Neubau“ stammen, das vermutlich in diesem Jahr nicht angegangen werden kann. Aufgrund eines Vergabefehlers im Zuge des Architektenwettbewerbs stehen noch immer Schadenersatzforderungen im Raum. Zudem war Steinau aus einem Förderprogramm herausgefallen, weil nicht rechtzeitig mit dem Planungsphase begonnen worden war, und wartet derzeit noch auf eine Zusage im neuen Förderzeitraum. Hiestermann wies nochmals darauf hin, dass sie für die erarbeitete Kostenaufstellung des Marstalls, sortiert nach einzelnen Gewerken und genau aufgesplittet nach Mehrbedarf pro Gewerk, die „Hand ins Feuer“ lege. „Ich bin jede Wand entlang gegangen, gemeinsam mit den beauftragten Firmen, und habe alles genau geprüft. Auf diese Zahlen können Sie sich wirklich verlassen“, bekräftigte sie.

Frank Amend (BGM) wollte wissen, ob es nicht Übergangslösungen gebe, um das Platzproblem der Stadtverwaltung lösen zu können und brachte hier das Gebäude des Bauhofs ins Spiel. Hiestermann entkräftete den Vorschlag sowohl aus statischer als auch kostenseitiger Sicht. Falco Rothmann (SPD) stellte nochmals die wohl für alle entscheidende Frage: „Sind die Daten valide oder nur grob geschätzt? Nicht, dass die Kosten am Ende doch wieder höher sind, als vermutet.“

Hiestermann, die Ende September in den Ruhestand geht, wollte das Marstallgebäude zuvor gern noch abschließen. „Das kann ich schaffen. Und das kostet keinen Euro mehr. Was nach mir kommt, darauf habe ich keinen Einfluss mehr“, sagte sie.

Erster Stadtrat Arnold Lifka, der derzeit kommissarisch die Amtsgeschäfte führt, sprach von einer „Altlast“, die er übernommen habe und nun zu einem guten Abschluss bringen wolle. „Ich bin der Meinung, auch wenn Frau Hiestermann das anders sieht, dass es zwei Vergabefehler gab. Einmal der Architekt und auch was die Kalkulation der Kosten im Dachgeschoss angeht“, so Lifka weiter. Er warb für die Fertigstellung der Sanierung und darum, den Mitarbeitern der Verwaltung die dringend benötigten neuen Räumlichkeiten zu ermöglichen. „Wir haben Platzmangel. Jeder, der etwas anderes behauptet, war schon lange nicht im Rathaus.“ Zudem ermögliche der Marstall den barrierefreien Zugang zur Stadtverwaltung. „Das ist zeitgemäß“, erklärte Lifka.

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