Der Marstall des Schlosses Am Kumpen in Steinau befindet sich am Rathausplatz.
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Der Marstall des Schlosses Am Kumpen in Steinau prägt das Stadtbild.

Stolzer Preis

Sanierung des Marstalls in Steinau geht voran: Extreme Platznot der Stadtverwaltung wird gelindert

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
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Die Stadt Steinau an der Straße ist stolz auf ihre Geschichte und die stattlichen Gebäude in ihrer Altstadt. Zu letzteren gehört der Marstall des Schlosses Am Kumpen. Stolz ist auch der Preis für die Sanierung: Auf 1,6 Millionen Euro wird sich dieser summieren.

Steinau - Das Geld scheint gut angelegt. Zumindest vom Prinzip her. Schließlich wird das Ensemble am Rathaus in Steinau im Main-Kinzig-Kreis nicht nur das Stadtbild prägen. Es wird vor allem zukunftsfähig gemacht und die extreme Platznot der Verwaltung deutlich gelindert. Auf der anderen Seite der Medaille stehen die heftigen kommunalpolitischen Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre um dieses Projekt, mehrfach angefacht durch Kostensteigerungen im jeweils mittleren sechsstelligen Bereich.

Doch nun hat sich manches geändert. Das Vorhaben geht in die Endphase und mit Holger Stoppel vom städtischen Hochbauamt sowie Bürgermeister Christian Zimmermann (parteilos) gibt es nicht zuletzt neue Verantwortliche. Sie wollen diese Altlast zu einem möglichst guten Ende bringen.

Sanierung des Marstalls in Steinau ist auf der Zielgeraden

Zunächst aber ein Rückblick: Faule Balken, der Dachstuhl, der während der Sanierung entdeckte Brandschaden – alles „versteckte Mängel“. Für die damit verbundenen Kostensteigerungen könne niemand etwas, sind sich Stoppel und Zimmermann einig. Horst Schmidt, Hauptamtsleiter und kommissarisch für das Bauamt zuständig, nennt ein weiteres Beispiel: „Die Gewölbedecke im Erdgeschoss des Querbaus musste für den Treppenaufgang durchbrochen werden. Danach ist ein Teil der Decke eingestürzt, was hohe Kosten verursachte.“ (Lesen Sie hier: Bürgermeister Christian Zimmermann tritt sein Amt in Steinau an)

Der Mehrzweckraum für Verwaltung und Gremien im Marstall in Steinau hat eine Gewölbedecke.

Nicht zu vergessen sei der Fortschritt. Will heißen: Das Gebäude wird auf den Stand der Technik gebracht und damit zukunftsfähig gemacht. Dazu gehört auch ein barrierefreier Zugang zu den Büros der Stadtverwaltung im Obergeschoss. Dieses Ziel wäre auch durch einen Außenaufzug zu erreichen gewesen. Auf einen solchen, betont Schmidt, habe sich die Denkmalschutzbehörde auch nach „langen Verhandlungen“ nicht eingelassen.

Sanierung des Marstalls in Steinau im Main-Kinzig-Kreis hat seinen Preis

Inzwischen befindet sich das Projekt auf der Zielgeraden, hebt Stoppel hervor. Leitungen werden gezogen, die Wände in den einst als Wohnung genutzten Räume begradigt, der Fußboden geebnet. Die 90 Zentimeter dicke Mauer zwischen Marstall und Querbau wurde ebenfalls durchbrochen, die Türen und der Innenausbau stehen noch aus. Bis Ende September soll alles fertig sein.

Marstall-Geschichte

„Im 16. Jahrhundert wurde die Burg zum Schloss und zur Nebenresidenz der Grafen von Hanau umgebaut. In diesem Zug entstand auch der Marstall“, erläutert der Alt-Bürgermeister und langjährige Vorsitzende des Steinauer Geschichtsvereins Hans-Joachim Knobeloch. Konkret datiert der Bau des Marstalls aus den Jahren 1567 und 1568.

Etwa 1908 brannte die Scheune eines benachbarten Milchgeschäfts mit Landwirtschaft und Metzgerei. Knobeloch: „Dabei ist ein Teil des Gebälks auf der Westseite des Marstalls angekohlt worden.“ Entdeckt wurde der Schaden erst bei der Sanierung.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude zur Unterbringung von „Frankfurtern genutzt, die in Steinau vor Kriegsschäden und dem Tod bewahrt werden sollten. 1946 kamen dann Flüchtlinge. Sie waren dort bis weit in die 1960er Jahre untergebracht.“

Ab 1945 wurde das Erdgeschoss von den aus Köln stammenden Brüdern Emanuel und Franz Zangerle für ihr Marionettentheater genutzt. Auch die Theatergruppe der Brüder-Grimm-Schule und die Laienspielgruppe waren im Marstall aktiv. 1948, so Knobeloch, sei der als Theater genutzte vordere Teil des Gebäudes „in ehrenamtlicher Arbeit“ umgebaut worden. Ab den 1950er Jahren betrieb dort Karl Magersuppe sein Puppentheater, das bis 2017 bestand.
Der Querbau diente für Stallungen. In der Nachkriegszeit wurde er als Abstellraum sowie Lager für Holz und Kohle der im Marstall untergebrachten Flüchtlinge genutzt. Ende der 1950er Jahre fand dort die Ortsgruppe des THW eine Bleibe, später der Karnevalverein.

Der Termin wurde mehrfach verschoben, nun ist er fix. Wird er nicht eingehalten, droht die Rückzahlung eines Zuschusses von 500000 Euro. Das Geld stammt noch aus der Altstadtsanierung. Diese wurde in Steinau Mitte der 1980er Jahre in Angriff genommen, der Förderzeitraum umfasste 30 Jahre. „Bei der Endabrechnung war eine halbe Million Euro übrig. Diese durften nun für die Sanierung eines öffentlichen Gebäudes verwendet werden, was vorher nicht möglich war“, erinnert sich Alt-Bürgermeister Hans-Joachim Knobeloch (SPD).

Neuer Raum für die Stadtverwaltung in Steinau

Ein Schmuckstück des Ensembles wird künftig der 140 Quadratmeter große Mehrzweckraum mit Sandsteingewölbe sein, der sich im Querbau befindet. „Dort werden die städtischen Gremien, insbesondere die Ausschüsse oder der Magistrat, tagen“, erläutert Stoppel. Im Obergeschoss des Marstalls werden 15 Arbeitsplätze für die Stadtverwaltung geschaffen.

Eine 90-Zentimeter-Mauer zwischen Marstall und Querbau ist für eine Tür durchbrochen worden.

„Dort werden die Mitarbeiter der Abteilungen Finanzen, Steuern und Stadtkasse unterkommen. Bei einer anderen Verteilung hätten zwei Abteilungen umziehen müssen“, erklärt Zimmermann seine Überlegungen. Dadurch werde im dritten Obergeschoss das Rathauses Platz geschaffen. Die Stadtwerke, IT-Räume und das Bauamt bleiben im Rathaus, während das Ordnungsamt „aufgeteilt bleibt. In der Pandemie hat es sich bewährt, dass die Mitarbeiter auf das Rathaus und das Haus am Kumpen verteilt sind“.

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