Der Name ist Programm: Hendrik Müller (links) und Karlheinz Hartmann sind „The Kalli-Hendrix Band“.
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Der Name ist Programm: Hendrik Müller (links) und Karlheinz Hartmann sind „The Kalli-Hendrix Band“.

In Sterbfritz

„Ohne Corona hätten wir das nie erlebt“: Zwei Sinntaler spielen „Corona-Concert“-Tour

  • Lena Quandt
    vonLena Quandt
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Keine Musik ist auch keine Lösung – das dachten sich im vergangenen Frühjahr die Mitglieder von „The Kalli-Hendrix Band“ aus Sterbfritz. Aus der Corona-Not mit Lockdown, Abstandsregeln und Veranstaltungsabsagen machte das Duo eine Tugend. Die Bilanz kann sich sehen lassen: An 28 Sonntagabenden von März bis Oktober sorgten die Musiker mit ihrer CC-Tour bei den Bürgern für gute Laune.

Sterbfritz - „Angefangen hat alles am 22. März mit einem Aufruf bei Hitradio FFH. Musiker sollten am Sonntagabend um 18 Uhr von Balkonen und bei geöffneten Fenstern spielen“, erzählt Karlheinz Hartmann (55). Mit Hendrik Müller (23) bildet er seit 2018 die Formation „The Kalli-Hendrix Band“. Sie spielen auf Geburtstagen, Familienfeiern und anderen Veranstaltungen. Dass die Corona-Krise den Hobby-Musikern einen derartigen Auftrieb bescheren würde, damit haben die Sterbfritzer nicht gerechnet.

„Ohne Corona hätten wir das nie erlebt“, sagt The Kalli-Hendrix Band

An besagtem 22. März räumt Hartmann kurzerhand das Band-Equipment aus dem Probenraum im Keller seines Wohnhauses auf den davor gelagerten Parkplatz und legt los – zur Freude seiner Nachbarschaft in der Kinzigstraße.

Müller ist seit dem zweiten Termin mit dabei. Die Sinntaler machen seit vielen Jahren gemeinsam Musik, kennengelernt haben sie sich durch den Sterbfritzer Fasching. Im Repertoire hat die noch junge Band fast alles: von Schlager und Pop bis hin zu Rock. Musik für die ganze Familie, sagen sie.

Gezählt haben die Sterbfritzer die Lieder in ihrem Ordner noch nicht, aber mit an die 200 Titeln können sie schätzungsweise aufwarten. Mit dem Gesang wechseln sich Hartmann und Müller bei den Auftritten ab. Der 55-Jährige spielt E- oder Akustikgitarre, der eigentliche Schlagzeuger Müller setzt bei den gemeinsamen Auftritten auf die etwas leiseren Cajóns. „Das Schlagzeug wäre da einfach zu viel“, erklärt der 23-Jährige.

Zwei Musiker spielen in der Corona-Zeit kleine Auftritte

Corona-Concert“ – kurz CC – taufen sie ihre Auftritte, die ab Ende März jeden Sonntag ab 18 Uhr vor allem vor dem Probenraum stattfinden. Zwei Männer, Gesang und Instrumente, mehr braucht es nicht. Die Nachbarn applaudieren von den Balkonen, singen im Garten mit, tröten mit der Vuvuzela als Dankeschön. Bei jedem Auftritt steigert sich der Zuspruch. „Das war überwältigend“, sagt Müller. „Manchmal ist weniger mehr“, fügt Hartmann hinzu. Insgesamt 28 Mal spielen die Sinntaler gegen den Corona-Blues an – und das mit durchschlagendem Erfolg. Neun Mal werden sie in andere Sterbfritzer Gärten zum „Auswärts-Spielen“ eingeladen. 

Werbung haben sie nicht dafür gemacht. Aber wer braucht schon Instagram, Facebook oder WhatsApp, wenn in einem Dorf die Mundpropaganda funktioniert? „Manche Leute haben wir bis dahin nur vom Sehen gekannt“, erzählen die Musiker. Ein Veranstaltungsort ist schöner als der andere. Die Gastgeber schmücken ihre Gärten mit Herzblut: romantische Kerzenbeleuchtung, Häppchen auf Rundballen oder ein Pavillon vorm Schwimmteich. Unter Einhaltung der Abstandsregeln verbringen Musiker und Zuhörer unvergessliche Abende.

Das Publikum wechselt jedes Mal. Die Gruppen sind klein, alles corona-konform, zwischen 20 und 30 Zuhörer werfen sich jeweils in Schale, nehmen an den Konzerten teil. Weitere Anfragen von innerorts und aus anderen Sinntaler Ortsteilen müssen die Sterbfritzer sogar ablehnen, weil im Oktober das Wetter nicht mehr mitspielt. Zu groß sollte die CC-Tour nicht werden, damit „der Charakter nicht verlorengeht“. Nur ein Konzert ist ausgefallen, das war im August wegen Starkregens.

„Dieser Sommer war für uns außergewöhnlich“

Am Ende dieser Tour, die gar nicht geplant war, bekommen die Musiker zum Dank T-Shirts geschenkt. Auf der Rückseite sind die Straßen vermerkt, in denen sie auf der Tour gespielt haben. „Dieser Sommer war für uns außergewöhnlich. Ohne Corona hätten wir so etwas wohl nie erlebt. Wir haben quasi die Lücke, die sich aufgetan hat, genutzt“, sagt Hartmann. Dies zeigt, nicht alles war 2020 schlecht. Da sind sie sich einig. Zuhörer und Gastgeber wollen, dass sie bald wieder vorbeikommen.

Hartmann ist kaufmännischer Angestellter im Bereich Logistik bei der Firma Woco. Er hat sich erst kurz vor seinem 30. Geburtstag die erste Gitarre gekauft und sich mit einem Buch das Spielen selbst beigebracht. Müller, Bankkaufmann bei der Sparkasse, macht seit seinem sechsten Lebensjahr Musik. „The Kalli-Hendrix Band“ sind, wie das Duo betont, keine Profis, aber trotzdem gut ausgerüstet. Sie haben unter anderem Verstärker, Beleuchtung, Mischpulte und eine Nebelmaschine im Gepäck. Aber: „Das ist unser Hobby. Ein schiefer Ton gehört dazu, dann weiß der Zuhörer auch, dass es live ist“, sagen sie. Weitere Informationen rund um die Band aus Sterbfritz gibt es unter Telefon (0173) 4 98 52 15.

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