Motorradfahrer während der Fahrt
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Rennstrecke oder Landstraße? Das fragen sich in diesem Frühjahr wieder die Anwohner der L 2304. (Symbolfoto)

Leserbrief von Hardy Lins aus Oberzell

Straße von Sterbfritz nach Oberzell weiter „Rennstrecke“ für Motorrad-Raser

  • Lena Quandt
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„Es geht wieder los“, schreibt Hardy Lins aus Oberzell in einem Leserbrief an unsere Zeitung, der uns per E-Mail erreicht. Gemeint sind Motorradfahrer, die mit teils mehr als 250 Stundenkilometern über die Landstraße 2304 zwischen Sterbfritz und Oberzell brettern. Darüber hat unsere Zeitung im vergangenen Jahr berichtet. Hat sich seitdem etwas geändert?

  • Hardy Lins aus Oberzell hat seinem Ärger über die Motorrad-Raser in einem Leserbrief Luft gemacht.
  • Besonders beliebt für Motorrad-Raser ist Landstraße 2304 zwischen Sterbfritz und Oberzell.
  • Die Bevölkerung wird um Mithilfe gebeten.

Sinntal - Offensichtlich nicht: Je mehr das Frühjahr voranschreitet, desto mehr ist wieder der Motorenlärm zu hören. Doch nicht nur der Geräuschpegel nervt die Anwohner, vielmehr ärgert es sie, dass lebensmüde Motorradfahrer ihren Drang nach dem nächsten Adrenalin-Kick im öffentlichen Verkehrsraum ausleben und somit nicht nur sich, sondern auch alle anderen Verkehrsteilnehmer gefährden. Die Fahrten selbst werden teils mit Handykameras gefilmt und auf einschlägigen Online-Portalen zur Schau gestellt.

Motorrad-Raser: „Verantwortungslosen Kleingeister“ hätten „öffentliche Straße als Rennstrecke missbraucht“

Nun ist also wieder Frühling – und Hardy Lins aus Oberzell macht seinem Ärger erneut Luft. Er schreibt: „Wie schon letztes Jahr von mir beschrieben, geht es nun bei schönem Wetter wieder rund auf der Strecke Oberzell–Sterbfritz. Auch dieses Wochenende haben wieder etliche dieser verantwortungslosen Kleingeister die öffentliche Straße als Rennstrecke missbraucht und hierdurch nicht nur sich, sondern auch normale Verkehrsteilnehmer gefährdet.“ Als Anwohner sei es ihm schon in den zurückliegenden Jahren nicht möglich gewesen, sich im Freien aufzuhalten „und das schöne Wetter ohne diese enorme Geräuschkulisse zu genießen“, sagt er. 

„Wann wird hier durchgegriffen?

Lins ist sauer – und das nicht erst seit gestern. „Wann wird hier durchgegriffen?“, fragt er. „Der Punktekatalog von Verkehrsminister Andreas Scheuer würde diesen Leuten monatelange Fahrverbote bescheren“, fügt der Sinntaler hinzu. Von den Behörden fühlt er sich alleingelassen: „Niemand scheint Interesse daran zu haben, diese Straftäter zu verfolgen und zur Rechenschaft zu ziehen“, so Lins. Ihm schwebt eine Sperrung der Strecke für Krafträder vor. Schilder sollen dafür an Anfang und Ende der Strecke postiert werden.

Problem ist nicht in Vergessenheit geraten

In Vergessenheit geraten ist die Problematik jedoch keineswegs, erläutert Frank Uffelmann von der Polizeistation Schlüchtern auf Nachfrage unserer Zeitung. „Je besser das Wetter, desto mehr Motorradfahrer sind unterwegs. Das ist leider immer dieselbe Gleichung“, sagt er. Die Polizei habe die Strecke zwischen Oberzell und Sterbfritz sowie die dortige Problematik „auf dem Schirm“. Zuständig seien zudem eine Verkehrsabteilung in Offenbach sowie die Polizeidirektion Hanau. Regelmäßige Kontrollen vor Ort vorzunehmen, ist für die Ordnungshüter in Schlüchtern schwer umsetzbar. Warum? Dazu Uffelmann: „Um diese Kradfahrer zu kontrollieren, benötigen wir mindestens zwei Streifenbesatzungen. Dafür fehlt uns das Personal.“

Bevölkerung wird um Mithilfe gebeten

Die Motorradfahrer auf frischer Tat zu ertappen, ist knifflig, weil Streckenposten den Fahrern über Funk Bescheid geben, wenn ein Streifenwagen im Anmarsch ist. Der Dienststellenleiter bittet daher die Bevölkerung um Mithilfe. Denn obwohl die Fahrten laut Lins bereits stattgefunden hätten, weist das elektronische Dienst-Tagebuch der Polizeistation keine entsprechenden Meldungen auf. Wer also am Lärmpegel hört, dass die Raser wieder unterwegs sind, den bittet Uffelmann, umgehend die Polizei Schlüchtern unter Telefon (0 66 61) 9 61 00 zu informieren. 

Möglichkeiten werden geprüft

„Wir werden mit der Polizei noch einmal prüfen, ob es effektivere Möglichkeiten gibt, der Raserei Einhalt zu gebieten“, teilt indes Sinntals Bürgermeister Carsten Ullrich (SPD) mit. Mit den technischen Möglichkeiten der Gemeinde seien Geschwindigkeitsmessungen von Motorrädern nicht möglich, weshalb die Unterstützung der Polizei in Anspruch genommen werde, sagt der Rathauschef. Ebenso spricht er davon, dass die Biker gut vernetzt seien und dies Kontrollen in der Praxis erschwere. Ein Tempolimit sei daher genauso schwierig zu überwachen, erklärt Ullrich.

Eine Sperrung der Strecke für Motorradfahrer hält er für „wenig wahrscheinlich“, da dies an konkrete Gründe gebunden sei. Darunter falle etwa, dass es sich um einen anerkannten Unfallschwerpunkt handeln müsse. „Das unverantwortliche Handeln der rasenden Biker zählt da leider nicht dazu“, bedauert der Bürgermeister.

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