Fotos: Dennis Kailing

In 761 Tagen um die Welt: Dennis Kailing aus Gelnhausen radelt durch 41 Länder

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Gelnhausen - Mit dem Fahrrad einmal um die Welt: Das klingt nach einer dieser Wetten, die man im Suff abschließt und am nächsten Morgen vergisst. Wer gegen Dennis Kailing aus Gelnhausen gewettet hätte, der wäre heute um ein paar Euro leichter. Denn der 29-Jährige radelte in 761 Tagen rund 43.600 Kilometer und durchquerte dabei 41 Länder. Von dem Abenteuer ist ein Film entstanden, der deutschlandweit im Kino läuft und auch in Fulda gezeigt wird.

Als seine Pläne konkreter wurden, lebte der damals 24-Jährige in Berlin. Dorthin war er gezogen, nachdem er Bauingenieurwesen in Frankfurt studiert hatte. Sein Master-Studium in der Hauptstadt brach er ab, arbeitete hier und da. „Meine Freunde in Berlin sind offen für verrückte Ideen. Sie unterstützten mich in meinem Vorhaben“, erinnert sich Kailing. Auch von seiner Familie wurde er nicht gebremst: „Meine Eltern haben bestimmt gedacht, ‚jetzt dreht er ab‘. Aber sie wussten, dass sie mich nicht von meinem Plan abbringen konnten.“

Ein paar Klamotten, Schlafsack und Zelt

Im Sommer 2015 war es dann soweit: Der Gelnhauser brach auf. Mit dabei nur das nötigste: ein paar wenige Klamotten, einen Schlafsack und ein Zelt. In Kailing stieg Euphorie auf: „Am Anfang war jeder Tag aufregend“, erinnert sich der heute 29-Jährige. Am ersten Tag fuhr er etwa 65 Kilometer – bis nach Gemünden. „Es war einer von vielen kleinen Meilensteinen“, erzählt er.

In der ersten Nacht die größte Angst

Doch seine Begeisterung sollte noch am ersten Abend gebremst werden: „Ich hatte mein Zelt unter einer Brücke aufgeschlagen. Bei jedem Geräusch hatte ich Schiss, dass mich jemand beraubt oder mich beim Wildzelten erwischt.“

Mit dem Wissen, dass Kailing in den darauffolgenden Monaten durch unter anderem El Salvador, Honduras und Brasilien – Länder, die in einigen Teilen durchaus gefährlich sein können – fahren und dabei manchmal unter freiem Himmel schlafen wird, ist es fast witzig, dass er ausgerechnet in Gemünden die größte Angst hatte. „Ich hab mir Szenarien ausgemalt, die im Normalfall nicht passieren. Irgendwann habe ich die Sorgen dann abgelegt.“

90 Kilometer pro Tag

Auch an den darauffolgenden Tagen fährt er im Schnitt 60 Kilometer. Mit der Zeit steigert er sich auf 90 Kilometer pro Tag. Das ist eine ordentliche Hausnummer, wenn man bedenkt, dass Kailing nie ein großer Radfahrer war. „Ich bin höchstens mal im Sommer mit dem Rad zum Basketball-Training gefahren“, erzählt er.

Obwohl er nun mit rund 30 Kilogramm Gepäck auf seinem Fahrrad – einem speziellen Reiserad mit stabilen Komponenten – fuhr, hatte er kaum Muskelkater oder körperliche Beschwerden. „Ich wusste, dass ich nicht auf Rekordjagd bin. Ich wollte einfach reisen“, sagt er.

63-mal platter Reifen

Vielleicht ist es diese Lockerheit, die den Abenteurer schließlich so weit gebracht hat. Auf der gesamten Strecke hat er sich nur zwei oder drei Mal verfahren, sagt er – „jeweils nur ein paar Kilometer“. Er navigierte sich mit Handy-Apps, die über GPS funktionieren. Insgesamt hatte er 63-mal einen Platten, für ihn „Kleinigkeiten, die schnell repariert sind“.

Auf seiner Reise durchquerte er 41 Länder und hat dementsprechend viel erlebt. Aus seinen zahlreichen Highlights kann er ein paar herausgreifen: „Als ich in Indonesien mit einer Horde Kindern in einem Reisfeld Fangen gespielt habe.“ Oder: „Die Pyramiden in Mexiko und Guatemala.“ Allgemein seien es die Begegnungen mit Fremden, die ihm im Kopf geblieben seien.

Machete, Dieb und Gegenwind

Zwischendurch gab es aber auch ein paar „Downphasen“, wie Kailing sie nennt: „In Mittelamerika habe ich mich nicht immer wohl gefühlt“. Dort hatte ein Motorradfahrer versucht, sein Handy aus der Lenkertasche zu stehlen. Ein anderes Mal wurde er von einem Mann mit Machete dazu aufgefordert anzuhalten. In beiden Fällen konnte der Gelnhäuser fliehen.

Und in Australien habe er sich wochenlang durchs Outback geschlagen. Wenige Menschen, wenige Dörfer. Und zu allem Überfluss musste er den Großteil der Australienreise gegen starken Wind ankämpfen. An seinem positiven Fazit ändern die kleinen Rückschläge aber nichts.

Im Sommer 2017 kehrte Dennis Kailing im Alter von 27 Jahren zurück nach Gelnhausen. Wer mehr von den Erlebnissen seiner Reise erfahren möchte, hat Glück: Der 29-Jährige ließ mit Unterstützung der Hessischen Filmförderung einen Film („Besser Welt als Nie“) produzieren – mit Aufnahmen, die während des Trips entstanden sind.

Kailing wird am 16. März für eine Sondervorführung und ein anschließendes Filmgespräch ins Cinestar Fulda kommen. Der Film läuft bereits jetzt in Gelnhausen und in weiteren Kinos in ganz Deutschland. Weil der Abenteurer viele weitere tolle Momente erlebt hat, die er nicht filmte, hat er außerdem ein gleichnamiges Buch geschrieben. Infos zu Buch und Film gibt es hier.

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