Millionen Menschen schauen jeden Sonntagabend Tatort.
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Millionen Menschen schauen jeden Sonntagabend „Tatort“.

Krimireihe im Ersten

„Tatort“ (ARD) wird 50 Jahre alt - Herstellungsleiter Sascha Ommert zum Jubiläum im Interview

  • Anke Zimmer
    vonAnke Zimmer
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Die Gretchenfrage „Sag, was machst du am Sonntag um 20.15 Uhr?“ wird seit 50 Jahren von Millionen Menschen mit nur einem Wort beantwortet: „Tatort“. Herstellungsleiter Sascha Ommert (Bavaria Fiction) berichtet von seinen Erfahrungen mit der Kult-Sendung.

München/Schlüchtern - Nennen wir es ein Phänomen: Seit einem halben Jahrhundert sitzt Deutschland zur sonntäglichen Primetime vor dem Fernseher und schaltet das Erste (ARD) ein. Denn dann ist kollektive „Tatort“-Zeit, und daran können Mediatheken, Streamingdienste und zauberhafte Sommerabende nichts oder zumindest nur sehr wenig ändern. Am Sonntag wird darum gefeiert: Mit „Taxi nach Leipzig“ begann nämlich am 29. November 1970 eine Erfolgsgeschichte, wie sie das deutsche Fernsehen so wohl kein zweites Mal erleben wird (von Nachrichtensendungen mal abgesehen). 

„Tatort“ (ARD) wird 50 Jahre alt und feiert mit einem Zweiteiler

Über das Geheimnis dieses montäglichen Gesprächsthemas lässt sich trefflich spekulieren. Fakt ist: Für jeden Geschmack ist beim „Tatort“ (ARD) etwas dabei. Es gibt klassische Spannung, es gibt knallharte Action, es gibt knifflige Gedankenspiele, es gibt skurrile Psychotrips, und es gibt humorvollen ... sorry ... Unfug. Außerdem: Zahlreiche deutsche Städte – darunter auch Fulda – sind zumindest vereinzelt Austragungsorte der „Krimi-Games“. Und was die Ermittler betrifft, da hat wohl jeder Zuschauer Favoriten und Hassobjekte. (Lesen Sie hier: Petersbergerin führt Regie beim „Tatort“)

Der Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten ist aber nicht nur ein Dauerbrenner, sondern in gewisser Weise auch ein Selbstläufer. Mit positiven und negativen Folgen. Denn weil die Länder-Sender in der großen ARD-Familie sich einer ansehnlichen Quote gewiss sein können, wagen sie mitunter interessante Experimente im „Tatort“. Andererseits ärgert der Zuschauer sich auch über 08/15-Fälle ohne Esprit.

Video: 50 Jahre „Tatort“ (ARD) - Die zwölf größten Skandal-Folgen

Zum Jubiläum zeigt die ARD am Sonntag und am 6. Dezember einen Zweiteiler: „In der Familie“ vereint die Ermittler aus Dortmund und München. Unser Foto zeigt die Kommissare Nora Dalay (Aylin Tezel), Peter Faber (Jörg Hartmann, von links), Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl). Bleibt also nur die Frage: Was machen Sie am Sonntag um 20.15 Uhr? „Tatort“ schauen?

Sascha Ommert (46) wurde in Bad Soden-Salmünster geboren, lebt in München und Schlüchtern und ist Gesamtherstellungsleiter bei der Bavaria Fiction. Im kurzen Interview spricht er über seine Erfahrungen mit dem „Tatort“.

Was hat Ihrer Meinung nach die Reihe „Tatort“ das vergangene halbe Jahrhundert am Leben gehalten, und was wird ihn im kommenden halben Jahrhundert am Leben erhalten?
Aus meiner Sicht als Head of Production der Bavaria Fiction – wir produzieren jährlich um die fünf bis sechs Tatorte aus Köln, Münster, Dortmund und München – ist ein wesentlicher Punkt die hohe Qualität der „Tatort“-Produktionen, die sich sowohl in der Umsetzung, aber auch in der Entwicklung widerspiegelt. Die Talentbindung, die hier der ARD und den Produzenten gelingt, ist außergewöhnlich: Der „Tatort“ ist eine Heimat für die besten Autor*innen, Regisseur*innen und Schauspieler*innen. Von daher bin ich zuversichtlich, dass auch zukünftig am Montagmorgen deutschlandweit intensiv über den „Tatort“ diskutiert wird.
Der „Tatort“ ist ein Format, bei dem die ARD-Sender mitunter Experimente wagen, die sie sich sonst nicht oder zumindest nicht zur besten Sendezeit gestatten. Gibt es Ihrer Meinung nach dennoch eine Grenze, die dabei nicht überschritten werden sollte?  
Persönlich bin ich, was die Experimentierfreude betrifft, eher zurückhaltend. Letztlich ausschlaggebend ist immer ein stimmiges Drehbuch. Das überzeugt mich und vor allem auch die Zuschauer*innen, wie man zuletzt beim „Tatort: Limbus“ von unserem Produzenten Jan Kruse für den WDR sehen konnte: Hier hat man mit der Erzählung der Nahtoderfahrung von Professor Boerne durchaus etwas gewagt und ist mit sehr guten Kritiken und einer großartigen Quote (fast 13 Millionen Zuschauer in allen Altersgruppen) belohnt worden. Das Drehbuch von Magnus Vattrodt war sicherlich eines der besten, das ich in den letzten Jahren gelesen habe.
Gibt es einen „Tatort“, der Ihnen unabhängig davon, ob er Ihnen gefallen hat oder nicht, besonders im Gedächtnis blieb … und wenn ja: warum?
Spontan würde ich sagen: der Münchner TatortDer traurige König“. Warum? Weil es der erste Tatort war, den ich als junger Herstellungsleiter bei der Bavaria betreuen durfte und der darüber hinaus ein unglaublich fesselnder Krimi ist.

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