Steinaus Museumsleiter Burkhard Kling in seiner Rolle als wirrer Kartenleger im Murot-„Tatort“
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Steinaus Museumsleiter Burkhard Kling in seiner Rolle als wirrer Kartenleger im Murot-„Tatort“.

Museumsleiter aus Steinau

Skurrile Rolle im „Tatort“: Millionenpublikum sieht Burkhard Kling in der ARD als wirren Kartenleger

  • Alexander Gies
    VonAlexander Gies
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Das Erste hat am Sonntag den neuen „Tatort“ mit Ulrich Tukur gezeigt. In „Murot und das Prinzip Hoffnung“ war auch ein Mime aus dem Kinzigtal zu sehen - Burkhard Kling.

Steinau/Frankfurt - 7,34 Millionen Menschen haben den „Tatort“ mit Ulrich Tukur als Ermittler Felix Murot am Sonntag in der ARD gesehen. Mit dabei: Burkhard Kling (59). Und Leiter des Museums Steinau und Brüder-Grimm-Hauses, bereicherte mit seiner Figur eines Patiencen legenden Verwirrten durchaus die trostlose Atmosphäre in dem Kabarett, in dem Schauspieler Lars Eidinger als zynischer Sohn eines ermordeten Philosophie-Professors auf der Bühne abrechnete mit der Verlogenheit des Lebens und der Gesellschaft.

Die Haare stehen wirr vom Kopf und ragen weit über das Gesicht, der Blick und die Handbewegungen hektisch, den Körper gehüllt in eine Art Bademantel, legt der namen- und sprachlose Burkhard Kling in dieser düsteren Szenerie ein ums andere Mal seine Karten und verkörpert mit seinem Spiel vielleicht das Rätsel, das sich dem Zuschauer nach der Ermordung von drei Menschen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, erst einmal offenbart.

„Tatort“ (ARD): Museumsleiter Burkhard Kling spielt wirren Kartenleger

„Für die Szene haben wir einen Tag gebraucht, und es war bitterkalt“, erinnert sich Burkhard Kling an den 1. Dezember 2020, an dem dieser Teil in einem Techno-Club in der Gutleutstraße in Frankfurt nahe dem Main gedreht wurde. Der „Tatort“ ist noch bis Mai nächsten Jahres in der ARD-Mediathek abrufbar. Die Szene mit Kling beginnt etwa bei Minute 17.

Der Museumsleiter aus dem Main-Kinzig-Kreis erhielt die kleine Rolle nicht etwa, weil er in einer Liste möglicher Statisten geführt wurde, sondern weil ihn Tatort-Regisseur Rainer Kaufmann einst in einer Woyzeck-Szene der Städtischen Bühnen Frankfurt gesehen hatte. Auch dort hatte Kling in einer Mini-Rolle ohne Text einen völlig Durchgeknallten verkörpert, der nichts mitkriegt von der Welt um ihn herum.

Offenbar tat er dies so eindrücklich, dass ihn der Hessische Rundfunk (hr), der den Tatort produzierte, zu einem Casting einlud, das Kling umgehend bestand. „Zigmal“, erinnert sich Kling, wurde die Szene gedreht, auch mit Elementen, die später in der Ausstrahlung nicht mehr auftauchen. Den ganzen Tag habe er da auf dem Tisch liegend verbracht, dass ihm später der Rücken weh tat, und seine Karten gelegt – streng nach einer vorgegebenen Reihenfolge, damit die Patience auch Sinn macht. Selbst wenn sie nur für Sekunden zu sehen ist.

„Barbara Philipp, die Murots Assistentin Magda Wächter verkörpert, wollte mit mir Patiencen legen, weil sie das selbst wohl macht, aber ich musste ihr leider sagen, dass ich das gar nicht kann, sondern das nur spiele“, erinnert sich Kling amüsiert.

Video: Diese „Tatort“-Kommissare sind derzeit im Dienst

Der Drehtag begann um 8 Uhr mit der Maske. Ab 9 Uhr begannen die Arbeiten, die sich bis etwa 18 Uhr hinzogen. Es herrschte eine konzentrierte Atmosphäre am Set, weil es der vorletzte Drehtag war und die Corona-Gefahr ohnehin wie ein Damokles-Schwert über der Produktion schwebte. „Aber wir haben es geschafft“, sagt Kling. Kontakt mit den Stars hatte er kaum, denn wegen Corona waren persönliche Momente fast unmöglich. (Lesen Sie hier: „Tatort“ (ARD) wird 50 Jahre alt - Herstellungsleiter Sascha Ommert zum Jubiläum im Interview)

Für Kling, der für seinen Auftritt in der ARD-Krimireihe eine kleine Gage und die Fahrtkosten erhielt, war der Dreh „ein ganz großes Abenteuer“, liebt er es doch, „mal in eine ganz andere Figur zu schlüpfen“. Seinen Hut zieht er vor den professionellen Schauspielern, die „von jetzt auf gleich umswitchen können in ihre fiktive Rolle“. Die ersten Reaktionen auf seine Mini-Rolle erhielt Kling noch während der „Tatort“ lief, bis Montagmorgen hatten ihn schon 20 Bekannte quasi „auf Anhieb“ erkannt.

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